Die Vorständin der GARANTA Versicherung ist auch in Deutschland, als Marketingverantwortliche der Nürnberger Versicherung, sehr erfolgreich.

 

„Die größten Veränderungen passieren in der Beziehung zum Kunden. Wir arbeiten sehr intensiv daran, jeden Touchpoint, den der Kunde mit uns hat, so angenehm und unkompliziert wie möglich zu machen. Laufende Kundenbefragungen geben uns in Echtzeit Feedback, wie gut wir diesen Anspruch erfüllen. Das geht von der Information über Produkte bis hin zur schnellstmöglichen Bearbeitung im Schadenfall. Denn daran misst uns der Kunde unterm Strich: Wie gut und wie schnell hat mir die Versicherung geholfen, meinen Schaden zu beheben“, sagt Dr. Karoline Haderer und verweist dabei auf den Einsatz technologischer Innovationen.

„Die KI wird massive Auswirkungen darauf haben, wie wir künftig unsere Kundenbeziehungen gestalten. Sie hilft uns, Kundenbedarfe besser zu antizipieren. Schadenfälle können schneller, rund um die Uhr, bearbeitet werden. Die KI wird uns helfen, Ansprüche der Kunden auf Leistungen aus ihrem Vertrag zu identifizieren und im Idealfall ohne zeitliche Verzögerung zu bearbeiten. Und es wird leichter, Betrugsversuche zu erkennen und somit Kosten zu senken.“

Gemeinsam stark

Energiekrise, der von Russland geführte Krieg gegen die Ukraine, die steigende Inflation, die Nachbeben der Pandemie: Nicht nur Politiker seien hier gefragt, Lösungen zu finden. Das betreffe selbstverständlich auch andere gesellschaftliche Player wie zum Beispiel in der Wirtschaft. „Und die größte Herausforderung besteht für mich darin, ein Unternehmen so agil aufzubauen, um jeweils schnell reagieren zu können und die passenden Antworten zu finden. Das geht nur, wenn wir die Belegschaft öffnen für neue Ideen und Arbeitsweisen. Denn nur gemeinsam können wir die Herausforderungen meistern“, ist die GARANTA-Vorständin überzeugt.

Lösungsorientiert handeln

Hinsichtlich des Versicherungsbedarfs der Kunden habe sich in den letzten Jahrzehnten nicht viel verändert: „Jeder möchte nach wie vor sein Wohneigentum absichern, sein ganzes Hab und Gut inklusive Auto sowie sein Einkommen und zudem fürs Alter vorsorgen. In den letzten Jahren sind auch Elementarschäden in der Versicherungsbranche zu einem wichtigen Thema geworden. Wer aber meint, dass sich auch die nächsten Jahrzehnte nicht viel an diesen Grundbedürfnissen ändern wird, denkt aus meiner Sicht zu kurz. Denn: Für die Generationen von heute werden viel weitreichendere Themen eine Rolle spielen: Megatrends wie Neo-Ökologie, Gender-Shift, Konnektivität oder Gesundheit – um nur ein paar wenige zu nennen – werden die Bedürfnisse der Generations Y, Z und Alpha bestimmen. Hier gilt es für uns als Versicherungsunternehmen, bedarfsgerechte, nachhaltige Produkte und Services zu entwickeln, die auch generationenübergreifend gestaltet sind“, so Haderer, denn: Jeder Schadenfall sei eine Disruption des Alltags der Kunden. „Je schneller, unkomplizierter ich es als Versicherer schaffe, diese Disruption zu beseitigen und den Vorzustand wiederherzustellen, um so zufriedener wird der Kunde mit mir sein. Das heißt, als Versicherer müssen wir empathisch reagieren und uns in die Lage des Kunden hineinversetzen, um seine Nöte und Motivation zu verstehen. Und dann entsprechend lösungsorientiert handeln.“ 

Soziale Verantwortung

Das Thema Nachhaltigkeit spielt auch bei der GARANTA eine wichtige Rolle. Für Fahrzeuge mit Elektro- oder Plug-in-Hybrid-Antrieb wurde ein Zusatzbaustein mit speziellen Deckungskomponenten zur Voll- und Teilkasko entwickelt. Darüber hinaus erhalten E-Fahrzeuge mit einem CO2-Ausstoß unter 60 g/km einen zusätzlichen Rabatt. Und das Produktfeature „100 % Totalschadenreparatur“ im GARANTA-Autohaustarif unterstützt das Ziel „Reparieren statt Wegwerfen und Ersetzen“.

„Schließlich achten wir auf klimafreundliche Prozesse und setzen dazu auf Digitalisierung in der Beratung und Schadenabwicklung. Als erfolgreiches Versicherungsunternehmen sehen wir es als unsere Pflicht, auch unserer sozialen Verantwortung nachzukommen und uns für wohltätige Zwecke einzusetzen. Dabei möchten wir uns vor allem an Familien und Kinder wenden, die unsere Hilfe ganz dringend benötigen. Im Rahmen von Charity-Golfturnieren konnten wir gemeinsam mit unseren Partnern in den letzten Jahren insgesamt über 150.000 EUR aufbringen und an soziale Einrichtungen übergeben“, sagt die Managerin. Ihr wichtigstes Ziel in diesem Jahr: „All jene Themen bei uns im Haus voranzutreiben, die auf das Kundenzufriedenheits-Konto einzahlen. Das fängt an bei einer einfach verständlichen Kundeninformation und endet bei einer schnellen Policierung. Denn das schafft positive Erlebnisse beim Kunden. Und genau das wollen wir erreichen.“   

Klischees und Glaubensmuster

Und wie definiert die Versicherungsexpertin Erfolg? „Für mich bedeutet Erfolg, sowohl beruflich als auch persönlich erfüllt zu sein. Auf meine Arbeit bezogen sehe ich Erfolg darin, unsere Marketingziele zu erreichen und mit meinem Team unseren Beitrag leisten zu können, das Unternehmen auf Wachstumskurs zu halten und kreative, zukunftsträchtige Lösungen fürs Unternehmen zu entwickeln. Erfolg liegt für mich aber auch in kleineren Dingen: Wenn ich Mitarbeiter inspirieren und fördern kann, wenn ich durch Netzwerken ein produktives Arbeitsumfeld schaffe oder wenn ich selbst das Gefühl habe, mich trotz meiner bisherigen Karriere immer noch weiterentwickeln zu können“, sagt Karoline Haderer, die in einer von Männern dominierten Branche Karriere gemacht hat.

Frauen, die Aufsteigen wollen, rät sie durchsetzungsstark und zugleich resilient zu sein sowie über ein gutes Netzwerk zum Erfahrungsaustausch zu verfügen. Das sei in der Versicherungsbranche nicht anders als in anderen Wirtschaftssegmenten. „Frauen sehen sich leider häufig immer noch mit veralteten Klischees und Glaubensmustern konfrontiert. Hier gilt es, sich nicht entmutigen zu lassen, ein gesundes Selbstbewusstsein an den Tag zu legen und an der passenden Stelle auch mal den weiblichen Charme bzw. Verstand einzusetzen. Hier liegt aus meiner Sicht auch eine große Chance, denn: Gerade in der Versicherungswelt menschelt es oft zu wenig. Häufig mangelt es an einer kundenzentrierten Perspektive auf die Themen, der Mensch wird nicht konsequent in den Mittelpunkt gestellt. Ein weiblicher, empathischer Blickwinkel kann hier zu ganz neuen Ansätzen führen und vielleicht auch den einen oder anderen Karriereweg bereiten. 

Foto: Nürnberger Versicherung

 

 

Vor vier Jahren wurde Karoline Haderer in den Vorstand der Garanta-Versicherungs AG, eine Tochtergesellschaft der Nürnberger, berufen. ABW sprach mit der Expertin über Trends, Vorsorgetipps und Diversity.

 

„Unser Kerngeschäft ist und bleibt es, Risiken zu versichern. Das können wir richtig gut – schon seit knapp 140 Jahren. Aber es gibt selbstverständlich Bereiche, in denen wir unser Engagement noch weiter ausbauen wollen, und zwar jenseits von klassischer Versicherung. Schlagwort Gesundheit: Was können wir als Versicherung tun, dass unsere Kunden nachhaltig gesund bleiben und erst gar nicht krank werden? Hier entwickeln wir als großer Einkommensschutz-Versicherer ständig neue Angebote, um den Kunden optimale Lösungen bieten zu können“, sagt Karoline Haderer.

Auch der Mega-Trend Nachhaltigkeit spiele mittlerweile in allen Bereichen eine entscheidende Rolle. Wer hier als Unternehmen nicht mitgehe, werde ihres Erachtens den Anschluss schnell verlieren. Nachhaltigkeit habe ganz viele Facetten. Und daraus würden sich wiederum neue Trends und Entwicklungen ableiten. Wie zum Beispiel beim Thema Mobilität: Wie werden wir zukünftig unterwegs sein? Bleibt das Auto das beliebteste Verkehrsmittel? Wird aufgrund von Homeoffice und Pandemien die Mobilität ein ganz anderes Gesicht bekommen? „Auf diese Fragen müssen wir als Branche Antworten finden“, so die Garanta Vorständin.

Beliebte Gesundheits-App

„Wir erleben gerade, wie sich immer mehr Menschen für das wichtige Thema Einkommensschutz interessieren. Das ist ein gutes Zeichen! Und mit unserer BU4Future bieten wir beispielsweise eine Berufsunfähigkeitsversicherung an mit besonders nachhaltiger Ausrichtung und entsprechenden Features. Und damit treffen wir offensichtlich den richtigen Nerv der Kunden. Das gilt auch für unsere Krebsversicherung, die wir online verkaufen“, so Haderer, die davon überzeugt ist, dass BU4Future auch jüngere Menschen anspricht.

„Schließt eine Kundin diese Versicherung ab, kann sie unsere Gesundheits-App Coach:N kostenfrei in ihrem Alltag nutzen. Mehr als 3.000 digitale Gesundheitskurse zu den Themen Bewegung, Achtsamkeit und Ernährung sorgen für ein breites Spektrum an Trainingsmöglichkeiten. Ich bin davon überzeugt, dass solche Angebote besonders gut geeignet sind, gerade die jüngere Zielgruppe für Versicherungsprodukte zu gewinnen.“

Licht am Ende des Niedrigzins-Tunnels

Trotz herausfordernder Zeiten habe die Nürnberger Versicherung die Corona-Pandemie bisher gut überstanden. Ob im Leben-, Schaden- oder Krankensegment. „Corona hat uns vor allem gezeigt, wie schnell und flexibel wir als Unternehmen reagieren können, wenn nur alle an einem Strang und in eine Richtung ziehen. Das war wirklich beeindruckend. Was den Ukraine-Krieg angeht, so gibt es lediglich beim Thema Kapitalanlagen unmittelbare Berührungspunkte. Doch es ist klar: Wir halten nur in sehr überschaubarem Umfang Kapitalanlagen, die von Sanktionsmaßnahmen gegenüber Russland betroffen sind“, sagt Dr. Haderer und freut sich, dass langsam auch Licht am Ende des Niedrigzins-Tunnels zu sehen ist.

Schließlich habe die EZB nun entschieden, dass der Leitzins wieder angehoben werden solle. Doch generell lasse sich der Trend zu immer mehr Regulierungen – auch auf europäischer Ebene – wohl nur schwer umkehren. Zwar stehe bei vielen Regulierungs-Vorhaben oft der Kunde im Mittelpunkt der Überlegungen, was per se zu begrüßen sei. Doch paradoxerweise würden viele Vorgaben dazu führen, dass eben Prozesse aufwändiger und somit am Schluss teurer werden. 

Die digitale Zukunft im Fokus

Eines der Top-Themen im Haus sei die Digitalisierung. „Hierbei denke ich natürlich auch an unser komfortables Kundenportal, in dem alle Verträge hinterlegt sind und viele Anpassungen sofort selbst durchgeführt werden können. Darüber hinaus bieten wir unseren Vertriebspartnern eine optimale Anbindung an unsere Systeme, sodass sie Kunden bei Bedarf bestmöglich und schnellstmöglich beraten und helfen können. Grundsätzlich werfen wir immer einen Blick in die digitale Zukunft und wollen natürlich wissen, wie wir uns als Versicherer noch weiter verbessern können. So sind wir in vielen wichtigen Innovations- und Start-up-Netzwerken aktiv. Und wir beteiligen uns an Hackathons und diversen Pitches und Bar Camps.“ 

Jede Meinung zählt

Um gute und engagierte Mitarbeitende zu halten und neue zu gewinnen, tue das Unternehmen sehr viel. So können sich Mitarbeitende beispielsweise in allen Bereichen des Unternehmens einbringen und den Kulturwandel, der seit Jahren erfolgreich vorangebracht wird, aktiv mitgestalten. Etwa auch beim Thema Nachhaltigkeit: „Mitarbeitende aus den unterschiedlichsten Unternehmensbereichen entwickeln gemeinsam Ideen, wie wir im Umgang mit Kunden, Vermittlern und der Umwelt nachhaltiger agieren können. Jede Meinung ist wichtig. Das ist gelebte Diversity – eines der wichtigsten Elemente eines attraktiven Arbeitgebers“, so Haderer.

Altersvorsorge schon in jungen Jahren

Stichwort Gender-Pension-Gap: Welche Produkte empfiehlt die erfahrene Versicherungsexpertin Frauen zur ergänzenden Altersvorsorge?

„Zunächst einmal ist es wichtig, dass gerade Frauen schon in jungen Jahren beginnen, etwas für ihre Altersvorsorge zu tun. Und gerade in Niedrigzins-Zeiten, wie wir sie ja immer noch erleben, ist es umso wichtiger, auf Aktien zu setzen. Viele haben Angst, hier zu investieren. Aber die Geschichte zeigt: Wer langfristig in Aktien oder Fonds investiert, hat gute Chancen, ein ordentliches Vermögen aufzubauen“, sagt die Vorständin.

Ihr Wunsch für das heurige Geschäftsjahr? „Dass wir im Einkommensschutz-Segment noch weiterwachsen. Und speziell als Verantwortliche für das Marketing und den Direktvertrieb wünsche ich mir, dass wir unseren Online-Verkauf noch weiter ausbauen können. Letztes Jahr haben wir beispielsweise unsere Krebsversicherung auf den Markt gebracht. Hier gehören wir zu den Vorreitern in Deutschland.“ 

Zur Person

Die gebürtige Österreicherin hat in Wien und Buenos Aires Betriebswirtschaft studiert. 2004 promovierte sie an der Karl-Franzens-Universität Graz in Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Über die Wirtschaftsprüfer KPMG und den Energieversorger EnBW Energie Baden-Württemberg AG kam sie zur HEAG Südhessische Energie (HSE) AG/ENTEGA, wo sie bis 2014 das Marketing steuerte. 2015 wechselte sie zur Nürnberger Versicherung, wo sie für Marketing und Kommunikation verantwortlich ist.

Foto: Nürnberger Versicherung

Die Vorständin der Garanta Versicherung und Leiterin des Konzernmarketings der Nürnberger Versicherung im ABW-Interview.

 

Die Zahl der persönlichen Kundentermine hat sich natürlich reduziert. Doch dank der guten technischen Infrastruktur im Außendienst konnten wir wesentliche Einbrüche im Neugeschäft vermeiden. Denn Kunden und Vertriebspartner können Verträge aufgrund digitaler Lösungen auch ohne persönlichen Kontakt abschließen.

Zudem wurde eine Initiative für unsere Vertriebspartner ins Leben gerufen, um ihnen in Corona-Zeiten bestmögliche Unterstützung zu geben. Und was uns auch sehr freut: Bei uns im Versicherungsbetrieb hat sich noch niemand mit dem Corona-Virus angesteckt. Dazu haben auch die umfassende Informationspolitik, die Hygienemaßnahmen im Haus und natürlich das Homeoffice beigetragen. Denn der Großteil der rund 3.000 NÜRNBERGER Beschäftigten bei uns im Business Tower arbeitet nach wie vor von zu Hause aus“, schildert Dr. Karoline Haderer.

Zufrieden mit den Zahlen

Erfreut zeigt sich Haderer darüber, dass in allen Versicherungssparten eine Erholung verzeichnet werden konnte. In der Schadenversicherung sei die Bestandsentwicklung robust und lege im Vergleich zum Vorjahr deutlich zu. So stiegen die gebuchten Bruttobeiträge bisher um über drei Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

In der Lebensversicherung zahle sich das vorausschauende Wirtschaften in „guten Jahren“ nun aus.

„Wir sind grundsolide aufgestellt und hatten ein richtig gutes Jahresendgeschäft 2020 und ein ordentliches erstes Quartal. Und auch in der Krankenversicherung sind wir mit der Entwicklung sehr zufrieden. So haben wir im Bereich der Krankheitskosten-Vollversicherung als auch bei den Zusatzversicherungen deutliche Zuwächse“, sagt die Versicherungsexpertin.

Die Bundesministerin für EU und Verfassung im ABW-Interview über Grenzöffnungen, die heurige Urlaubssaison und warum es so wichtig ist, die Europäische Union unabhängiger zu machen.

 

Ist absehbar, wann Reisen wieder möglich sein wird? Und wenn ja, in welcher Form?

Österreich ist sehr erfolgreich im Kampf gegen das Coronavirus. Wir haben durch die Maßnahmen der Bundesregierung derzeit eine sehr geringe Zahl an Neuerkrankungen. Diese Erfolge erlauben uns, unser Gesellschaftsleben schrittweise wieder hochzufahren. Österreich ist in Europa Vorreiter in dieser Debatte. Seit Wochen weisen wir darauf hin, dass wir Perspektiven bei der Grenzöffnung schaffen müssen.

Geschlossene Grenzen können kein Dauerzustand sein. Es ist erfreulich, dass nun die Grenze zwischen Deutschland und Österreich schon ab 15. Juni 2020 wieder gänzlich geöffnet sein soll. Auch die Grenzen zur Schweiz sind voraussichtlich ab 15. Juni 2020 wieder offen. Natürlich ist die Voraussetzung für offene Grenzen immer eine positive Entwicklung der Infektionskurve, sprich: eine stabile Situation in den jeweiligen Ländern.

Seit dem Vorjahr ist sie im Vorstand der Garanta Versicherungs-AG, sie leitet auch die Kommunikations- und Marketingabteilung. Dr. Karoline Haderer im ABW-Porträt. 

 

Die GARANTA ist Teil der NÜRNBERGER Versicherung und Dr. Karoline Haderer ist vor allem für die Themen Marketing, Kommunikation und Online Vertrieb verantwortlich. „Deshalb schlagen manchmal zwei Herzen in meiner Brust: Als Marketingleiterin und Verantwortliche für den Online Vertrieb stehen für mich der Ausbau der Online-Aktivitäten und die Positionierung der Marke NÜRNBERGER Versicherung im Vordergrund. Aber als GARANTA-Vorständin habe ich auch die Aufgabe, Kosten niedrig zu halten. Es überwiegt jedoch der Vorteil, dass ich als Teil des Konzerns einen sehr tiefen Einblick in die komplexen inneren Zusammenhänge habe, was meiner Vorstandsarbeit die richtige Perspektive gibt“, sagt Dr. Haderer, die ein Umdenken in der Branche ortet.

„Die größte Herausforderung ist es, sich stringent an den Bedürfnissen der Kunden auszurichten. Das erfordert einen tiefgreifenden Kulturwandel. Die Rahmenbedingungen dafür sind aktuell alles andere als förderlich: Die Zinspolitik der EZB lässt die Renditen schmelzen, die regulatorischen Vorgaben werden immer anspruchsvoller und die Digitalisierung gewinnt zunehmend an Fahrt. Die Versicherungsbranche wird also an allen Fronten gefordert.“

Ihre größte Herausforderung sei es, die Ausrichtung des Unternehmens auf eine Kundenzentrierung voranzubringen. Dies sei eine Aufgabe, die das gesamte Unternehmen und alle Arbeitsabläufe durchdringen müsse. Es sei aber eine Herausforderung, die Jahre in Anspruch nehmen werde.

Die Tirolerin ist seit bald fünf Jahren Abgeordnete zum Europäischen Parlament. Sie tritt zwar nicht mehr zur Wahl an, bleibt aber weiter politisch aktiv – als SPÖ-Bezirksparteivorsitzende in Imst.

 

Woran denken Sie, wenn Sie „Europäische Union“ hören?

Die Erkenntnis, dass wir die großen Herausforderungen heute nur noch gemeinsam bewältigen können. Frieden, Klimaschutz, Demokratie - Wenn wir das in Europa erhalten und durchsetzen wollen, müssen wir uns trotz all unserer Gegensätze zusammentun. Das drückt sich ja auch im Motto der EU aus, „in Vielfalt geeint“. 

Mit welchen politischen Themen beschäftigen Sie sich?

Ich habe mich in den letzten Jahren vor allem für eine grundlegend andere Handelspolitik eingesetzt. Während in schönen Reden und Broschüren immer die Wichtigkeit von Nachhaltigkeit, Menschenrechten und Umweltschutz betont wird, sucht man diese Ziele in den konkreten Politikvorschlägen oft vergeblich. Ich will, dass endlich alle von unseren Handelsabkommen profitieren, nicht nur die großen Konzerne.

Die smarte Juristin aus Salzburg gilt als Kandidatin für zahlreiche politische Spitzenjobs. Parteikollegen sind davon überzeugt, dass sie künftig österreichische EU-Kommissarin werden könnte. 

 

Die Europäische Union ist ein einzigartiges Friedensprojekt, das auf Basis der Vision des Europarates, nämlich der Wahrung der Menschenrechte, der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit, eine noch engere Kooperation auch in Form einer Wirtschaftsgemeinschaft und einer politischen Gemeinschaft geschaffen hat. „Um den Frieden und den Wohlstand in Europa zu bewahren, brauchen wir mehr denn je eine starke, handlungsfähige Europäische Union“, so Mag. Karoline Edtstadler, die der Meinung ist, Europa müsse bei den wichtigen, großen Themen Stärke zeigen und gemeinsam sinnvolle Lösungen entwickeln

„Wir brauchen ein Europa, das sich auf Lösungen in den großen Fragen Sicherheit, Wettbewerbsfähigkeit, Klimaschutz oder Digitalisierung konzentriert. Europa muss auch mit einer Stimme in der Welt sprechen. Dafür braucht es rasche und effiziente Entscheidungsprozesse, die in außenpolitischen Fragen nicht am Einstimmigkeitsprinzip scheitern dürfen.

Andere Themen hingegen können wiederum besser in den Ländern und in den Regionen gelöst werden. Denn Europa lebt von der Vielfalt und Stärke seiner Mitgliedstaaten, die im Rahmen der Europäischen Union gut und verantwortungsbewusst kooperieren“, sagt die Staatssekretärin und Nummer 2 hinter Othmar Karas auf der ÖVP-Liste für die EU-Wahl. 

Sie ist in einer politischen Familie aufgewachsen, hat sich immer für politik interessiert. Heute ist sie Abgeordnete zum Europäischen Parlament.

 

„An Politik bin ich seit jeher interessiert: Ich bin in einer politischen Familie aufgewachsen und erinnere mich gerne daran, wie ich gemeinsam mit meinem Vater im Wahlkampf SPÖ-Wahlplakate aufgehängt und bei Verteileraktionen aktiv mitgeholfen habe.  Mein Interesse für Politik begleitet mich also schon seit Kindertagen“, erzählt Karoline Graswander-Hainz, die es höchst bedenklich findet, dass in einem vermögenden Land wie Österreich die Schere zwischen Arm und Reich wieder größer wird.

Zwischen regulatorischem Umfeld und digitaler Disruption zeigt Mag. Karin Kafesie, wie moderne Führung in der Versicherungsbranche funktioniert. Als Leiterin des Bereichs CO³ treibt sie den unternehmensweiten Kulturwandel massgeblich voran.

 

Von außen betrachtet ist die Versicherungswelt ein Bollwerk der Stabilität: geregelte Märkte, langfristige Verträge, konservative Risikokultur. Doch hinter dieser Fassade vollzieht sich in vielen Häusern ein Kulturwandel. Einer der spannendsten Schauplätze dieses Umbaus liegt derzeit im Zentrum von Wien.

Dort steuert Karin Kafesie für die Vienna Insurance Group (VIG) als Head of Communication, Internal Cooperation & Collaboration – kurz CO³ – einen tiefgreifenden Transformationsprozess. Ihr Ziel: den Austausch innerhalb einer föderalen Gruppe von 50 Gesellschaften in 30 Ländern zu vertiefen und ein lernendes System zu schaffen. Im Kern geht es um einen systematischen Wissenstransfer: erfolgreiche Innovationen  sowie neue Produkt- und Servicelösungen sollen gruppenweit geteilt werden. Kafesies Prinzip lautet: „Wir bieten an, wir zwingen nicht auf.“ Damit schafft sie den schmalen Grat zwischen Integration und Autonomie.

Partizipation als Führungsprinzip

Karin Kafesies Führungsstil ist partizipativ. „Nur wer den Kontext kennt, kann seinen Beitrag richtig einordnen“, sagt sie. Diese Kontextualisierung ist entscheidend in einem multikulturellen Umfeld, das von Litauen bis Albanien reicht. Besonders hilfreich sind dabei die sogenannten CO³ Ambassadors: freiwillige, von den lokalen Versicherungen nominierte Multiplikatoren, die den Know-how Austausch für ihre jeweilige Gesellschaft orchestrieren. „Wir sind keine Konzernzentrale, die diktiert, sondern ein Netzwerk von Experten, die voneinander lernen.“ Der Erfolg zeigt sich bereits: Was man anfänglich unter dem Kürzel CO³ schwer greifen konnte, wir heute aktiv nachgefragt. „Der Austausch hat sich etabliert“, freut sich Kafesie.

 

„Es geht darum, mit CO³ über die Jahre einen Mindset-Wandel zu etablieren. Der Prozess trägt bereits jetzt erste Früchte.“

 

Erfahrung in zwei Welten

Geboren im Waldviertel, begann Karin Kafesies Weg in die internationale Finanzwelt schon früh. Mit 17 zog sie nach Wien, um Betriebswirtschaft zu studieren. Ursprünglich hatte sie mit dem Gedanken gespielt, Journalistin zu werden – ihre Liebe zu Sprache und Storytelling prägt bis heute ihren Kommunikationsstil.

Nach dem Studium folgte der Einstieg in die Versicherungsbranche. Stationen bei Zurich International und der Wiener Städtischen brachten sie schnell in verantwortungsvolle Führungspositionen. Dabei stand sie anfangs nicht nur fachlichen Herausforderungen gegenüber: „Vor 20 Jahren musste ich mich als junge Frau in einem Raum mit vorwiegend männlichen und deutlich älteren Marketingleitern behaupten. Authentizität und akribische Vorbereitung waren dabei immer entscheidend.“

Besonders prägend war der Aufbau des Corporate Start-ups ‚viesure‘, dessen Geschäftsführung Kafesie fünf Jahre in einer Doppelfunktion mit der Marketingleitung der Wiener Städtischen innehatte. Sie und ihr Team skalierte das Unternehmen von null auf 50 Mitarbeitende. Das Besondere: ‚viesure‘ vereinte digitale Talente ohne Versicherungshintergrund mit den Fachexperten der Muttergesellschaft – ein gelungener Brückenschlag zwischen jungen Tech-Experten und dem Versicherungsunternehmen.

KI, Kommunikation und die Grenzen der Automatisierung

Technologie begleitet Kafesie täglich, doch sie bleibt realistisch. Auch hinsichtlich KI. Diese kann zwar Standardmeldungen schreiben, Übersetzungen liefern und Daten aufbereiten – doch strategische Kommunikation, sagt sie, sei mehr. „Es braucht immer noch Menschen, die Gespür für Botschaften und ihre Wirkung haben.“ Genau deshalb sieht sie soziale Intelligenz als zentrale Zukunftskompetenz. Fachliche Exzellenz sei Grundvoraussetzung. Entscheidend werde aber sein, Komplexität zu strukturieren, sensibel auf unterschiedliche Kulturen zu reagieren und tragfähige Netzwerke zu knüpfen.

LinkedIn als Strategieplattform

Dass Kommunikation in der internationalen Versicherungsgruppe längst auch über Plattformen wie LinkedIn läuft, ist für Kafesie selbstverständlich. Der Content wird gezielt gesteuert, um sowohl die interne als auch externe Vernetzung der Gruppe zu stärken. Die VIG rangiert bei Interaktion und Reichweite mittlerweile unter den führenden ATX-Unternehmen. 

„Wir stehen noch am Anfang eines neuen Mindsets, das auf Transparenz und einer gemeinsamen Lernkultur basiert“, betont Kafesie.“ Gerade in einem dynamischen, aber auch zunehmend komplexen internationalen Versicherungsmarkt werden genau diese Fähigkeiten über die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen entscheiden. Und sie werden bestimmen, wie attraktiv Versicherungsunternehmen künftig für junge Talente sein werden. Der kulturelle Wandel, den CO³ stärkt, wird die VIG auf Jahre hinaus prägen. Nicht durch revolutionäre Disruption – sondern durch leise, aber konsequente Evolution. 

Der private Kompass

Trotz länderübergreifender Verantwortung steht für Karin Kafesie ihre Familie im Mittelpunkt. Sie lebt mit ihrem Mann, der ebenfalls aus dem Waldviertel stammt, und ihrem Sohn, der gerade die Junior High School abgeschlossen hat, in Wien. Den Begriff Work-Life-Balance sieht sie kritisch: „‚Work‘ neben ‚Life‘ zu stellen, halte ich für falsch, weil der Job Teil des Lebens ist. Ich habe es immer als großes Privileg verstanden, mein Kind und spannende Jobs zu vereinbaren. Auch wenn es nicht leicht ist.“ Ihre freie Zeit verbringt sie am liebsten an der Nordsee, auf Sylt. Ich liebe das raue Klima, den Strand und die vielfältigen Farben – die Insel ist für mich Kraftort.

Foto: Marlene Fröhlich/luxlumen.com

Karin Seywald-Czihak, MBA. Die Geschäftsführerin der ÖBB Werbung zeigt, wie man Werte in eine glaubwürdige Markenkommunikation übersetzen kann.

 

Die ÖBB steht wie kaum ein anderes Unternehmen für Mobilität und Nachhaltigkeit in Österreich. Wie gelingt es Ihnen als Geschäftsführerin der ÖBB Werbung, diese gesellschaftlichen Werte in Ihrer Markenkommunikation glaubwürdig zu transportieren und zugleich wirtschaftlich attraktive Werbeflächen zu vermarkten?

Als Mitglied des ÖBB-Konzerns sehen wir es als unsere Verantwortung, Nachhaltigkeit auch in unserer Markenkommunikation erlebbar zu machen. Unsere Werbeflächen befinden sich schließlich genau dort, wo sich Menschen umweltfreundlich fortbewegen: in Bahnhöfen, Zügen und auf dem Weg dorthin. In unserer Kommunikation achten wir darauf, diese Haltung authentisch zu vermitteln, ohne sie zu instrumentalisieren. So entstehen Kampagnen, die Haltung zeigen und wirtschaftlich überzeugen, weil sie relevant, glaubwürdig und nah an den Bedürfnissen der Kundinnen und Kunden sind.

Sie haben das landesweite „Railscreen Station“ DOOH‑Netz mit 4K‑Bildschirmen, Interaktivität und programmatischer Buchung maßgeblich vorangetrieben. Wo sehen Sie die größten Potenziale für OOH im Mediamix?  
Das größte Potenzial von OOH – insbesondere DOOH – im Mediamix liegt in seiner Fähigkeit, hohe Sichtbarkeit mit Interaktivität und Relevanz zu verbinden. Über digitale Netze können Inhalte dynamisch, kontextsensitiv und in Echtzeit ausgespielt werden. Die Verknüpfung mit mobilen Endgeräten, Social Media oder QR-Code-Mechaniken ermöglicht eine dialogfähige und messbare Ansprache. So wird aus klassischer Außenwerbung ein interaktiver Touchpoint, der nicht nur Aufmerksamkeit generiert, sondern auch Engagement fördert und damit eine Brücke zwischen Online- und Offlinewelt schlägt.

 

„Unsere Nachhaltigkeitsmaßnahmen sind kein Marketing-Add-on, sondern fester Bestandteil unseres Produktportfolios.“

 

ÖBB Werbung setzt auf CO₂‑reduzierte Formate, zertifizierten Ökostrom, LED‑Technik, „Schienenbienen“, etc.. Wie lassen sich diese Nachhaltigkeitsinitiativen zum glaubwürdigen Bestandteil Ihrer Markenkommunikation machen und wie unterscheiden sie sich von purem Greenwashing? 

Unsere Nachhaltigkeitsmaßnahmen sind kein Marketing-Add-on, sondern fester Bestandteil unseres Produktportfolios. Wir nutzen Ökostrom, setzen auf LED-Technik, forcieren CO₂-reduzierte Werbeträger und unterstützen Naturschutzprojekte. Wichtig ist uns, dass wir nicht nur das Ergebnis, sondern auch den Weg dorthin kommunizieren – transparent und nachvollziehbar. So schaffen wir Vertrauen bei unseren Kundinnen und Kunden. Greenwashing entsteht schließlich nur dort, wo Versprechen nicht mit Taten übereinstimmen.

Bei der Bonusprogrammkampagne zur ÖBB Vorteilscard nutzen Sie 360°‑Medienmix mit Mixed‑Reality DOOH‑Elementen. Wie beeinflusst Bewegtbild‑Storytelling an Bahnhöfen die emotionale Bindung der Kund*innen im Vergleich zur klassischen OOH?  

Bahnhöfe sind emotionale Orte voller Bewegung, Begegnungen und individueller Geschichten. Bewegtbild ermöglicht es Marken, in diesem emotionalen Moment authentisch präsent zu sein. Durch Mixed-Reality-Elemente und dynamische Inhalte wird Aufmerksamkeit generiert und eine emotionale Verbindung aufgebaut. Das stärkt die Markenwahrnehmung und wirkt sich positiv auf das Markenimage und die Kaufbereitschaft aus – insbesondere bei jüngeren Zielgruppen.

 

„Führung ist heute weniger Hierarchie, sondern vor allem Haltung und Authentizität.“

 

Mit der Lehrlingskampagne „Go big. Bigger. ÖBB.“ haben Sie gezielt auf die Generation Alpha gesetzt und mit TikTok-Codes, Fashion-Ästhetik und Empowerment-Narrativen gearbeitet. Was waren die wichtigsten Learnings bei der Entwicklung dieser Kampagne und wie gelingt es Ihrer Meinung nach, im schnellen Social-Media-Takt nicht nur Aufmerksamkeit zu gewinnen, sondern echte Wirkung bei einer zunehmend werbekritischen Zielgruppe zu erzeugen?

Unser Ziel war es nicht, einfach nur Aufmerksamkeit zu erzeugen, sondern echte Relevanz bei einer jungen, zunehmend werbekritischen Zielgruppe zu schaffen. Das ist nur möglich, wenn man ihre Lebenswelt wirklich versteht und respektiert. Unsere wichtigsten Erkenntnisse dabei waren: Authentizität ist sehr wichtig. Denn junge Menschen merken sofort, ob man sie ernst nimmt. Deshalb haben wir den echten Lehralltag inklusive ihrer Sprache in den Mittelpunkt gestellt.

Haltung schlägt Hochglanz. Uns ging es nicht um eine perfekte Inszenierung, sondern um eine klare Botschaft: „Du kannst bei uns groß denken, groß werden – aber vor allem du selbst bleiben.“ Diese Art von Empowerment kommt an, weil sie echt ist und weil sie etwas bewegt.

Plattformgerechtigkeit zählt. TikTok folgt völlig anderen Regeln als klassische Werbung. Wir haben mit TikTok-Codes wie Trends, Challenges und Fashion-Vibes gearbeitet und nicht versucht, althergebrachte Inhalte in ein junges Format zu pressen. Das hat für organische Aufmerksamkeit gesorgt.

Wirkung braucht Beteiligung. Die Generation Alpha will nicht nur konsumieren, sondern mitgestalten. Deshalb haben wir bewusst Formate gewählt, die Interaktion ermöglichen und in denen sich junge Menschen wiederfinden – und idealerweise mitmachen können.

Wie sehen Sie die weitere Entwicklung von DOOH – technisch, inhaltlich und strategisch – in den nächsten Jahren?

Digitale Außenwerbung steht am Beginn einer spannenden Transformationsphase. Wir erwarten mehr verfügbares Inventar, präzisere Ausspielungen durch Data-Targeting sowie eine stärkere Integration von Sensorik und KI. Inhaltlich wird Relevanz zur Währung: Wer es schafft, zur richtigen Zeit den richtigen Inhalt am richtigen Ort auszuspielen, wird gewinnen. Strategisch wird DOOH noch enger mit Online- und Mobile-Kanälen verschmelzen – darauf freue ich mich als Werberin ganz besonders.

Sie führen ein Unternehmen, das sich im Spannungsfeld zwischen klassischer Außenwerbung und digitaler Innovation bewegt. Was ist Ihnen in Ihrer Führungsrolle besonders wichtig, um Kreativität, Innovation und Kundenorientierung miteinander zu verbinden?

Führung ist heute weniger Hierarchie, sondern vor allem Haltung und Authentizität. Für mich bedeutet gute Führung auch, den Teams den nötigen Freiraum zu geben, damit sie sich entfalten und mutig Neues ausprobieren können. Denn Kreativität kann nur entstehen, wenn Menschen spüren, dass sie Freiraum haben. Innovation gelingt, wenn Vielfalt gelebt wird und wir eine offene Fehlerkultur pflegen, in der aus Fehlern gelernt werden darf. Echte Kundenorientierung beginnt für mich mit aufrichtigem Zuhören. Denn Erfolg entsteht, wenn Kundenbedürfnisse verstanden und mit passenden Lösungen erfüllt werden.

Foto: ÖBB/Knopp

 

 

 

 

Warum ein Auto in der Stadt, wenn Mobilität auch mit dem Dienstrad funktioniert? Ein ABW-Interview mit der neuen Geschäftsführerin von JobRad Österreich.

 

Sie sind von der Digitalwirtschaft ins nachhaltige Mobilitätsgeschäft gewechselt. Was hat Sie motiviert, diesen Schritt zu JobRad zu machen? 

Als leidenschaftliche Radfahrerin konnte ich mich sofort für das Produkt „JobRad“ begeistern, denn mit unserer Dienstleistung schaffen wir eine Win-win-Situation: Ohne finanziellen Einsatz ermöglichen Arbeitgeber ihren Mitarbeitenden ihr Wunschrad zu finanzieren, und gleichzeitig leisten sie einen Beitrag zu nachhaltiger Mobilität und Gesundheitsvorsorge.

Der Markt ist noch jung, und ich liebe es zu gestalten und gemeinsam mit unserem engagierten Team die JobRad-Vision in österreichischen Unternehmen zu verankern. Als Marktführerin in Deutschland bringt JobRad bereits jede Menge Erfahrung mit und so können wir in Österreich eine Lösung anbieten, die absolut risikolos für alle Beteiligten ist. Zu guter Letzt kann jedes beliebige Jobrad über unser klar verständliches und transparentes Portal abgewickelt werden: mein Wissen um ein optimales, digitales Kundenerlebnis hilft hier enorm.

Österreichs Fahrradmarkt wächst – laut VCÖ nutzen bereits sieben Prozent der Pendler das E-Bike. Wie wollen Sie diese Dynamik nutzen, um JobRad zum führenden Anbieter für betriebliche Mobilität zu machen?

Eine zeitgemäße Dynamik, die von mehreren Seiten beflügelt wird: JobRad bietet in Sachen betrieblicher Mobilität eine Lösung, von der alle profitieren:  Arbeitgeber, Arbeitnehmende und Fachhandelspartner. Unser Modell ist für Arbeitgeber nicht nur kostenneutral, sondern sogar kostensparend (Senkung der Lohnnebenkosten).

Außerdem sind unsere Prozesse aufwandsarm und es landet kein Fahrrad in der Bilanz der Unternehmen - in Sachen betriebliche Mobilität geht es kaum besser. Für Arbeitnehmende entstehen große Ersparnisse gegenüber dem Direktkauf und die Nutzung des JobRads ist auch oder sogar ausschließlich zu 100 Prozent privat möglich. Zusätzlich profitieren auch Fachhandelspartner davon, dass Arbeitgeber regional JobRad anbieten. Beflügelt wird die Wachstumsdynamik auch durch die nötige Infrastruktur - die Stadt Wien zum Beispiel verfügt bereits über ein Radnetz mit einer Länge von über 1700 km und viele andere Landeshauptstädte ziehen nach.

 

„Die Politik hat in der jüngsten Vergangenheit bereits vieles für nachhaltige, betriebliche Mobilität in Österreich ermöglicht.“

 

GENVELO bietet Firmen an, Helme und Bekleidung zu branden. Wie wichtig ist solche „Corporate Mobility Identity“ für Arbeitgeber, um Nachhaltigkeit sichtbar zu machen?

In der JobRad-Gruppe bringen wir Menschen nicht nur auf das Rad, sondern wir wollen Arbeitgeber auch nachhaltig unterstützen. Mit GENVELO zum Beispiel können Arbeitgeber ihren JobRadlern ermöglichen, sorgenfrei bei Wind und Wetter alle Wege trocken und sicher zu bestreiten. Wir lieben ganzheitliche Lösungen und bieten daher unseren JobRad-Arbeitgebern die B2B-Möglichkeiten von GENVELO immer mit an. Mit Corporate Branding wirkt das Commitment zur nachhaltigen Mobilität natürlich noch stärker, sowohl nach außen, aber auch unter JobRadlern innerhalb eines Unternehmens.

In Wien gibt es Konkurrenz durch Cargobike-Leasing oder Sharing-Anbieter. Warum bleibt das klassische Dienstrad Ihrer Meinung nach der Schlüssel für die Verkehrswende

Jedes Fahrrad oder E-Bike kann ein JobRad sein, womöglich hat man es aber nicht immer dabei. Demnach ist Bikesharing nicht zwangsläufig Konkurrenz, sondern vielmehr eine Ergänzung, ein weiterer Baustein in der Verkehrswende, der bestimmt auch von JobRadlern gerne genutzt wird.

Im Dienstradleasing sehen wir aber den Gamechanger, weil es so individuell ist: Als JobRadler wähle ich mein Wunschmodell, ob Mountainbike, Gravelbike, Rennrad, Citybike oder Lastenrad etc. Ich suche es bei einem Fachhändler stationär oder online aus, wähle Preis, Laufzeit und Versicherung so, wie es am besten zu mir passt. Und das für bis zu drei Fahrräder, wenn der Arbeitgeber das freigibt! Schlussendlich kann ich nach der Laufzeit mein Rad übernehmen und dabei bis zu 40 Prozent Ersparnis gegenüber dem Direktkauf erzielen – ohne versteckte Kosten oder doppelten Boden. Wie schon gesagt: win-win-win. Welches andere Modell in der Verkehrswende ist so ein No-Brainer?

Wenn Sie einen Wunsch an die Politik frei hätten – welche Weichenstellung würde die betriebliche Mobilität in Österreich revolutionieren?

Zunächst muss man sagen, dass die Politik in der jüngsten Vergangenheit bereits vieles für nachhaltige, betriebliche Mobilität in Österreich ermöglicht hat. So öffnen sich gerade zunehmend die Bundesländer für Dienstradleasing im Sinne ihrer Beamten und Vertragsbediensteten.

Der Wunsch, den wir allerdings regelmäßig im Rahmen unserer politischen Kommunikation äußern, lautet: Dienstradleasing muss für alle möglich sein! Derzeit können öffentlich Bedienstete auf Bundes- und Landesebene (außer Vorarlberg und OÖ) das JobRad-Modell noch nicht nutzen, hier braucht es Gesetzesänderungen. Darüber hinaus können leider derzeit alle Arbeitnehmenden, die das kollektivvertragliche Mindestentgelt erhalten, nicht zu JobRadlern werden - die Kollektivverträge ermöglichen keine Gehaltsumwandlung ohne Überzahlung. Unserer Ansicht nach braucht es im Sinne der nachhaltigen Mobilität und im Sinne der Gleichbehandlung der Arbeitnehmenden hier in den Kollektivverträgen eine Öffnung, beispielsweise eine Ausnahmeregelung für den Sachbezug „Dienstradleasing“.

Zur Person

Karin Stopa bringt langjährige Erfahrung aus leitenden Positionen in Vertrieb und Marketing internationaler Unternehmen - vom Start-up bis zum Global Player - mit. Zuletzt war sie bei „Digital Realty - Interxion Österreich“ als Director Sales & Marketing und Mitglied der Geschäftsleitung tätig. Die 49-jährige Wienerin hat sich in der digitalen Wirtschaft einen Namen gemacht und stellt ihre Expertise seit Jänner in den Dienst von JobRad Österreich.

Info: Interessierte, egal ob Arbeitgeber oder Beschäftigte können sich unter https://at.jobrad.org weitere Informationen holen und mit JobRad in Kontakt treten.

Foto: JobRad Österreich

Karin Seiler, Geschäftsführerin der Tirol Werbung, im ABW-Interview über ein erfolgreiches Jahr.

 

12,4 Millionen Gästeankünften und 48,8 Millionen Übernachtungen 2024 sind beeindruckende Zahlen. Welche Faktoren haben zu diesem Erfolg beigetragen? 

Urlaub in Tirol erfreut sich einer stabil hohen Nachfrage. Die stärksten Reisemotive sind einerseits die Berge, unsere alpine Landschaft und Natur sowie die ausgezeichnete Infrastruktur. Ein wesentlicher Grund sind zudem unsere Betriebe, die neben einer großen Angebotsvielfalt auch mit ihrer Qualität punkten. Darüber hinaus trägt unser Engagement in Richtung Ganzjahrestourismus Früchte. Konkret bedeutet das mehr Nachfrage während der Saisonrandzeiten.

Welche konkreten Maßnahmen setzen Sie im Bereich Nachhaltigkeit?

Wir haben vor zwei Jahren in der Tirol Werbung ein eigenes Kompetenzzentrum für Nachhaltigkeit eingerichtet. Zudem ist Tirol auch das erste Bundesland, in dem per Gesetz Nachhaltigkeitskoordinatoren in den Tourismusregionen installiert wurden. Der Erfolg dieses umfassenden Engagements lässt sich unter anderem an den Auszeichnungen ablesen: Bereits zwei Regionen tragen das Österreichische Umweltzeichen für Destinationen, rund 100 Tourismusbetriebe jenes für Unternehmen. Was die konkreten Maßnahmen betrifft, haben wir unter anderem gemeinsam mit Mobilitätspartnern bereits vor mehr als zehn Jahren die Initiative Tirol auf Schiene gestartet, um die öffentliche Anreise der Gäste zu forcieren. Mit Erfolg: Gerade im Sommer ist der Anteil der Gäste, die per Bahn anreisen, von fünf auf neun Prozent gewachsen. 

Nutzen Sie digitale Technologien und Innovationen?

Als Landestourismusorganisation agieren wir auf einer übergeordneten Ebene. Mit unserem Preis- und Buchungsmonitoring haben wir beispielsweise ein Tool geschaffen, das die touristische Nachfrage und Unterkunftspreise tagesgenau prognostiziert. Damit lassen sich beispielsweise Events gezielt planen und somit an die Bedürfnisse der Gäste anpassen. Unser digitales Zielgruppenmodell hilft uns und den Regionen, die Gäste gezielt nach ihren Vorlieben anzusprechen und auf die für sie relevanten Urlaubserlebnisse zu fokussieren. Unsere neueste Entwicklung ist erst wenige Tage alt: Wir haben unsere Gästeplattform tirol.at runderneuert, damit sie in Zukunft bereit ist, KI-unterstützt User Inhalte motiv- und bedürfnisgerecht auszuspielen.

Sie haben die Tirol Werbung in herausfordernden Zeiten übernommen. Welche Erfahrungen haben Sie dabei besonders geprägt?

Zum einen die Komplexität des Tourismus – es gibt viele wichtige Player mit teilweise unterschiedlichen Interessen. Da ist es nicht immer einfach, den Schulterschluss im Tourismussystem Tirol zu schaffen und alle unter der Marke Tirol zu versammeln. Geprägt hat mich auch die große Kluft zwischen öffentlicher Darstellung und Attraktivität des touristischen Angebots. Einerseits erfährt unsere Branche – insbesondere der Wintertourismus – gerade in den Medien eine vielfach kritische Darstellung. Gleichzeitig ist der Tourismus ein wesentlicher Wirtschafts- und Wohlstandsmotor für Tirol und erfreut sich Urlaub in unserem Land auch bei den Einheimischen einer hohen Nachfrage.

Welche langfristigen Ziele haben Sie sich gesetzt, um Tirol als Top-Tourismusdestination zu positionieren?

Ein wesentliches Ziel ist, Tirol gemeinsam mit den Regionen als Ganzjahresdestination zu festigen. Damit wollen wir Gästeströme entzerren und gleichzeitig Randzeiten stärken. Die Verlängerung der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer unserer Gäste ist ebenfalls als strategisches Ziel verankert. An- und Abreisen machen bis zu 80 Prozent des CO2-Ausstoßes im Rahmen des Tirol-Urlaubs aus. Mit einer verlängerten Aufenthaltsdauer leisten wir also einen Beitrag fürs Klima und reduzieren gleichzeitig den Verkehr auf der Straße.

Foto: Tirol Werbung/Martin Vandory

Mit dem Kampf um Macht und Posten wurde das Vertrauen in die Politik nachhaltig geschädigt. Dennoch ist Karin Doppelbauer überzeugt: Es geht auch anders und besser.

 

„Trotz sprudelnder Staatseinnahmen schafft es der Finanzminister nicht, das massive Defizit in den Griff zu bekommen. Im Gegenteil: 2023 hat Österreich mehr Geld ausgegeben als jemals zuvor“, sagt Karin Doppelbauer.  Ihr Hauptkritikpunkt: Durch die „Koste es, was es wolle”-Politik dieser Bundesregierung ist nicht nur die Inflation immer noch viel zu hoch, auch Österreichs Schulden sind um über zwanzig Milliarden Euro gestiegen.

„Hier handeln ÖVP und Grüne völlig zukunftsvergessen. Sie liefern ein No-Future-Budget und bescheren damit den kommenden Generationen einen riesigen Schuldenrucksack. Wir NEOS fordern daher umfassende Strukturreformen, die sowohl mehr Investitionen in Zukunftsbereiche wie Bildung und Forschung ermöglichen als auch eine deutliche Senkung der Steuer- und Abgabenquote. Nur mit einer Schulden- und Ausgabenbremse können wir die steigenden Zinsen auf die Staatsschulden in den Griff bekommen. Wir brauchen außerdem Reformen im Föderalismus, im Förderalismus und im Pensionssystem, um hier die Kostenexplosion einzudämmen und eine bitter nötige Steuerentlastung zu ermöglichen. Allein durch eine Senkung der Lohnnebenkosten könnten wir den finanziellen Spielraum für ein 15. Gehalt schaffen“, so die Abgeordnete.

Österreich ist ein Hochsteuerland – Nummer 3 im OECD-Vergleich

„Heutzutage wird ein Aushilfskoch gleich hoch besteuert wie eine Ärztin in den 1970ern“, sagt Doppelbauer. Deshalb haben die NEOS die „Mission 40%“ ausgerufen, um von der Bundesregierung ein Versprechen einzufordern, das im Koalitionsvertrag steht, nämlich die Senkung der Steuer- und Abgabenquote auf vierzig Prozent.

Also steuerliche Entlastung auf der einen Seite, auch für Unternehmen durch die drastische Senkung der Lohnnebenkosten, und auf der anderen Seite Leistungsanreize, etwa durch einen Vollzeitbonus und eine steuerliche Begünstigung von Überstunden. Karin Doppelbauers Forderung: „Der Finanzminister soll den Menschen mehr von ihrem Gehalt lassen, damit sie mit ihrem Einkommen selbstbestimmt besser auskommen und sich wieder aus eigener Kraft etwas aufbauen können.“

Gleiche Chancen für alle

Auch die großen Ungleichheiten, insbesondere in der Arbeitswelt, sind für Doppelbauer ein wichtiges Thema. Hier gebe es noch viel zu tun – nicht nur bei der Aufklärung, was es etwa für Pensionsansprüche bedeutet, wenn man Teilzeit arbeitet, sondern auch bei den Rahmenbedingungen: mehr Kinderbetreuung - und zwar qualitätsvoll, ganztägig und möglichst kostenlos - damit Mütter die Freiheit haben, einem Vollzeit-Job nachgehen zu können.

Die Regierung müsse auch endlich das Pensionssplitting umsetzen. „Außerdem brauchen wir ein chancengerechtes, inklusives Bildungssystem, in dem Buben und Mädchen die gleichen Chancen bekommen, damit wir später auch am Arbeitsmarkt weniger Ungleichheiten haben und sich der Gender Pay Gap, der zu weiten Teilen ein Motherhood Gap ist, schließt. In einer liberalen, vielfältigen und weltoffenen Gesellschaft darf es keinerlei ethische, sexuelle oder religiöse Diskriminierungen geben. Es liegt an jeder und jedem von uns, dieses Versprechen mit Leben zu füllen.“  

Positive Visionen für Österreich

Nun gelte es, die Menschen davon überzeugen, zur Wahl zu gehen, „denn wer nicht wählt, wird fremdbestimmt“. Die Politikverdrossenheit der Menschen kann Karin Doppelbauer teils sehr gut nachvollziehen. Mit ihrem Kampf um Macht und Posten hätten die anderen Parteien das Vertrauen nachhaltig geschädigt. „Wir NEOS zeigen, dass es auch anders geht, dass es besser geht, dass man mit harter Arbeit und einer positiven Vision, wie wir Österreich gerechter gestalten und wieder nach vorne bringen können, das Vertrauen in die Politik und die Institutionen stärken kann. Die Politik muss auf Augenhöhe und transparent agieren, ohne Korruption, ohne Freunderlwirtschaft.“

Foto: NEOS

Sie war Geschäftsführerin von Innsbruck Tourismus, seit Anfang Mai steht sie an der Spitze der Tirol Werbung. Karin Seiler ist damit die erste Frau an der Spitze einer Landestourismusorganisation. 

 

Wohin geht die Reise 2022? 

Wir merken, dass der Reisemarkt und damit auch der Mitbewerb wieder deutlich an Fahrt aufgenommen hat – insbesondere in Richtung Mittelmeerdestinationen. Bei den Städtereisen dauert es mit der Erholung noch etwas länger. Die Nachfrage nach Erholungs- und Aktivurlaub in den Alpen bleibt jedenfalls ungebrochen hoch, insbesondere bei Gästen aus den Nahmärkten. Zudem verringert der leidvolle Ukraine Krieg die Buchungen bei Flugreisen und viele schwenken auf Alternativen um, die am Landweg erreichbar sind. Somit geht die Reise diesen Sommer in vielen Fällen auch nach Tirol. 

Was macht Tirol für Gäste attraktiv?
Aus regelmäßigen Gästebefragungen wissen wir, dass die Berge mit rund 70 Prozent das mit Abstand wichtigste Motiv für einen Sommerurlaub in Tirol sind. In Verbindung mit unserer Infrastruktur wie etwa 24.000 Kilometer an Wanderwegen, mehr als 6.000 Kilometer an Mountainbikestrecken, zahlreichen Seilbahnen und regionaler Kulinarik sowie gelebter Gastfreundschaft bieten wir ein attraktives Gesamtpaket. Da ist für alle etwas dabei. Das belegt auch unser überdurchschnittlich hoher Stammgästeanteil von 65 Prozent. Konkret erfreuen diesen Sommer beispielsweise neue Angebote beim Weitwandern wie der Ötzi Trek, der Arlberg Trail und der Hoch-Tirol-Trail Einheimische und Gäste. 

Ihr Arbeitsstil in schwierigen Zeiten?
Mein Ansatz ist informieren und kommunizieren und damit versuchen, Sicherheit und Transparenz zu schaffen. Das gilt sowohl in Richtung der Gäste als auch in Richtung Branche.  

Worauf legen Urlauber besonders viel Wert?
Sich eine Auszeit nehmen, Zeit miteinander verbringen, die Natur erleben – gerade in Verbindung mit Bewegung und Aktivität. Diese Bedürfnisse haben durch die Pandemie weiter an Bedeutung gewonnen. Insbesondere das Thema Nachhaltigkeit wird bei der Wahl einer Urlaubsdestination zunehmend wichtig. Die Menschen machen bewusster Urlaub, gleichzeitig erfolgen Buchungen immer kurzfristiger. Auch das ist ein Effekt der Pandemie. Bei Geschäftsreisen wird verstärkt abgewogen, ob sie notwendig sind, oder ein Onlinetermin genügt. Aber auch wenn sich dieses Segment nachhaltig verändert hat, können virtuelle Meetings persönliche Treffen nie zur Gänze ersetzen.  

Wird das Volumen bei den Privat- oder den Geschäftsreisen schneller zunehmen? Sicherlich bei den Privatreisen. Bei den Geschäftsreisen sind aufgrund der Home Office Erfahrungen durch die Pandemie viele Meetings und Termine auf hybrid oder digital umgestellt worden. Wir gehen davon aus, dass ca. 25 Prozent des früheren Geschäftsreise-Volumens nicht mehr retour kommen wird. Gleichzeitig merken wir, dass die Nachfrage nach Firmentagungen und Kongresse wieder anzieht, die Auswirkungen in diesem Business kommen jedoch zeitversetzt. 

Ist der Urlaub in Tirol durch die Pandemie attraktiver geworden?
Der Zuspruch österreichischer Gäste für Urlaub in der Heimat bzw. in Tirol ist durch die Pandemie zusätzlich verstärkt worden, aber kein coronaspezifisches Phänomen. Die Nachfrage war schon vorher über die Jahre deutlich gewachsen. Ich bin zuversichtlich, dass das unabhängig von Corona auch weiterhin so bleibt.  

Welches Thema beschäftigt Sie derzeit besonders?

Einerseits die Überlegungen und auch europaweiten Vorbereitungen für einen sicheren Herbst und Winter, andererseits natürlich auch die Kommunikation zu internationalen Gästen, die aufgrund des Krieges auf dem europäischen Kontinent Ängste und Unsicherheit haben, einen Urlaub in Tirol zu verbringen. Persönlich starte ich im Mai als Geschäftsführerin bei der Tirol Werbung und freue mich, das Unternehmen, die Strategie und Inhalte und natürlich auch die Mitarbeiter persönlich kennenlernen zu dürfen. 

Ihre Pläne und Wünsche für die heurige Sommersaison? 

Die Reiselust der Menschen ist ungebrochen hoch, die Nachfrage nach Urlaub in Tirol aus jetziger Sicht vielversprechend. Daher wünsche ich mir einen Sommer mit möglichst wenig Einschränkungen, damit die Gäste ihren Aufenthalt bei uns in vollen Zügen genießen können.

Zur Person

Die 50-jährige Tirolerin blickt bereits bisher auf eine erfolgreiche Karriere zurück. In leitenden Marketingpositionen bei Henkel Österreich, Deutschland, Schweiz, Italien und Australien arbeitete Seiler bis 2010 im Ausland, ehe sie die Geschäftsführung im Tourismusverband Pitztal übernahm. Die neue Chefin der Tirol Werbung, die sich unter rund 30 Bewerberinnen und Bewerbern durchsetzen konnte, war bereits zwischen 2012 und 2015 als Marketingleiterin für das Unternehmen tätig. Zuletzt war Seiler sechs Jahre Geschäftsführerin von Innsbruck Tourismus und baute in diesem Zeitraum den Tourismusverband in ein modernes Dienstleistungsunternehmen erfolgreich um.

Foto: Blickfang

Sie ist für die Inhouse-Agentur und die Vermarktung von ÖBB Werbeflächen im öffentlichen Raum verantwortlich. Ein ABW-Interview mit Geschäftsführerin Karin Seywald-Czihak.

 

Hat sich das Werbeverhalten der Kunden in Corona-Zeiten verändert? 

Ja, Corona hat deutliche Spuren am Werbemarkt hinterlassen. Die Unternehmen sind zurückhaltender und abwartender geworden, die Buchungen erfolgen bis heute sehr kurzfristig und spontan. Es ist ein Phänomen dieser Zeit, dass man die Entwicklungen nicht absehen kann und deshalb sehr vorsichtig ist mit Buchungen und Werbeberechnungen. 

Welche Werbeformen sind bei den Kunden besonders beliebt?

Sehr beliebt sind die digitalen Werbeformen der ÖBB, weil wir hier entsprechend flexibel sind. DOOH-Werbung ist eines der beliebtesten Produkte der Kunden geworden. 

2020 sollten die neuen „interaktiven“ 75 Zoll Stelen angepriesen werden – dann kam Corona. Wie war das Feedback der Werbewirtschaft? 

Wir haben den österreichweiten Ausbau 2020 erfolgreich abgeschlossen, sind aber noch dabei, interessante Einzelstandorte im Westen Österreichs zu erkunden, konkret planen wir den Ausbau in Jenbach, Lienz und Feldkirch. Momentan bieten wir an den 77 größten Bahnhöfen Österreichs ein digitales Werbenetz an. Es handelt sich dabei um ein äußerst attraktives Produkt, das es in dieser Form noch nicht gegeben hat.

Die Geschäftsführerin von Innsbruck Tourismus über die Sommersaison 2021 und Themen, die Urlauber von der Region überzeugen sollen.

 

Urlaub in Tirol hat geboomt – und dann kam Corona. Wie sieht die derzeitige Situation – auch angesichts des Tourismus-Comebacks vor Pfingsten – für Innsbruck aus?

Die Buchungslage für diesen Sommer ist derzeit schwer einschätzbar, da insbesondere in der Stadt mit vielen kurzfristigen Buchungen zu rechnen sein wird. Entscheidend sind die Reisebeschränkungen in den Herkunftsmärkten, mögliche Quarantäne-Auflagen und auch die Flexibilität der Stornobedingungen bei den Vermietern. In der Region Innsbruck müssen wir zwischen Stadt- und Ferienhotellerie unterscheiden: Außerhalb der Stadt gehen wir von einer guten Buchungslage aus, sobald Reisen wieder möglich ist.

Herausfordernder wird es hingegen für die Stadt-Hotellerie, weil internationale Gäste, die einen bedeutenden Teil der Ankünfte in Innsbruck ausmachen, auch diesen Sommer fehlen werden. Städte-Urlaub generell lebt von kurzfristigen Buchungen und Kurz-Aufenthalten, dies wird auch diesen Sommer zum Tragen kommen.

Mit unserem alpin-urbanen Gesamtprodukt aus außergewöhnlichen Stadt- und Naturerlebnissen forcieren wir eine längere Aufenthaltsdauer in der Region. Unsere generelle Zielsetzung für diese Sommersaison ist, das Niveau vom letzten Sommer zu erreichen.

Wie digitale Werbeträger und echte Emotionen die ÖBB nach vorne bringen, erfährt ABW im Gespräch mit ÖBB Werbung Geschäftsführerin Karin Seywald-Czihak.    

 

Frau Seywald-Czihak, wie zufrieden sind Sie mit dem vergangenen Geschäftsjahr?

2019 war ein spannendes Jahr für uns. Wir sind bei zwei großen Themen von der Planung in die Umsetzung gegangen. Der Schritt vom fertigen Konzept in die Realisierung ist so ein klassischer „Moment of Truth“, den ich sehr schätze.

Worauf lag der Fokus 2019, was ist für 2020 geplant?

Bei der ÖBB Werbung sind wir zweigleisig unterwegs: Als Vermarkter der Werbeflächen auf Bahnhöfen und in Zügen auf der einen Seite und als Inhouse Agentur und kreativer Dienstleister für den ganzen ÖBB Konzern auf der anderen Seite.

Wir haben heuer ein komplett neues digitales Werbenetzwerk auf Österreichs Bahnhöfen aufgebaut. Unsere 75“ Stelen mit 4K Auflösung, Touchscreens, Kameras und Bondrucker stehen inzwischen auf 64 Bahnhöfen und erlauben neue Möglichkeiten der Kundenansprache. Mit Beginn 2020 schließen wir die erste Ausbaustufe ab, dann gilt es Österreichs Werbewirtschaft für diese neue Werbeform zu begeistern.

In der Inhouse Agentur müssen wir nach der Investition in Kreativität noch stärker in digitale Skills und Content investieren. Bewegtbild wird bei uns immer wichtiger und da haben wir uns auch schon neu aufgestellt.

Sie gründete ein internationales Unternehmen in England und erlebt mit Schrecken den Brexit. Die überzeugte Europäerin will ihr Wissen und ihre Erfahrungen nun in die Politik einbringen. 

 

Die Europäische Union ist die beste Idee, die wir jemals hatten. Wer Bürgerinnen und Bürgern etwas anderes einreden möchte, täuscht sie und belügt sie. Nur ein geeintes, starkes und selbstbewusstes Europa wird sich im globalen Wettbewerb seinen Platz erkämpfen können. Als einzelner Staat sind wir in der Welt völlig irrelevant und machtlos. Europa ist meine Heimat, so habe ich das immer empfunden, auch als ich noch in Großbritannien gelebt habe. Der Brexit war eine schmerzvolle Erfahrung für mich, weil mir damit ein Teil dieser Heimat entgleitet. Europa bedeutet für mich, Chancen zu haben und Freiheit.

Als Unternehmerin weiß ich, was der Binnenmarkt für die Wirtschaft bedeutet, als Mutter einer Tochter möchte ich, dass mein Kind sich in unserer Heimat frei bewegen kann und einmal studieren, arbeiten und leben kann, wo es möchte. Außerdem dürfen wir niemals unterschätzen, wie wertvoll der Frieden ist, den die Union uns gebracht hat. Meine Großmutter war 15 Jahre alt, als der 2. Weltkrieg endete und ihre Erzählungen von der Angst, Zerrissenheit und vom Hunger waren Teil meiner Kindheit. Die Europäische Union ist und bleibt das größte Friedensprojekt der Weltgeschichte. Das aufzugeben, wäre Wahnsinn“, sagt NEOS EU-Kandidatin Karin Feldinger. 

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