Ihr Rezept für erfolgreiche, bürgernahe Politik: Zunächst zuhören, dann nachdenken, dann viel laufen und Überzeugungsarbeit leisten.

 

Scharfen Gegensätze und tiefen Gräben in der Gesellschaft gelte es nun zu überwinden. „Ich fühle seit dem Beginn der Corona-Krise immer stärker, dass sich die Menschen voneinander entfernen. Für mich war es schockierend, wie sich Corona-Leugner, Impfgegner, Impfbefürworter, Quarantänebrecher, Wissenschaftler und Politiker begegnet sind. Von verbalen Entgleisungen, zu körperlichen Übergriffen. Letztlich verlief die Diskussion über Sinnhaftigkeit und Zweckmäßigkeit im Umgang mit der Krise hin zu einer nie für möglich gehaltenen Spaltung in der Gesellschaft. Dieser Konflikt muss aus meiner Sicht gelöst werden. Auch wenn es den Anschein hat, als wäre das Corona-Problem aus dem Alltag verschwunden, so bleibt dieser Riss bestehen“, sagt Cornelia Hagele, die auch einen Krieg vor unserer Haustüre für gänzlich ausgeschlossen hielt.

„Der Angriff Russlands auf die Ukraine hat mein Weltbild gänzlich auf den Kopf gestellt. Europa, als prosperierender Ort des ewigen Friedens und des Wohlstands für alle Bürger, gehört wohl für immer der Vergangenheit an. Dieser Krieg betrifft uns alle. Wir alle müssen uns nun auf die drastisch geänderten Verhältnisse einstellen.“ Dabei müssten auch ungemütliche Wahrheiten angesprochen werden. Etwa von Wohlstandsverlust und Konsumverzicht. „Wir müssen uns gegen aggressive Kriegstreiber wehren. Diese Haltung ist unumstößlich. Umso widerlicher empfinde ich es, wenn nach dem 24. Februar 2022 so mancher Opportunist sich weiterhin an den Despoten im Kreml anbiedert und dessen Handeln verteidigt. Entweder wird verteidigen unsere Werte oder wir geben sie von vornherein auf. Aufgeben kommt für mich nicht in Frage“, sagt die Juristin.

Sorgen erkennen und handeln

Als Politikerin kümmert sie sich um die Sorgen, Ängste und Probleme der Menschen. Daher sieht sie auch Negativschlagzeilen als Anregung, Probleme zu erkennen und zu handeln. 

„Ich empfinde es als Ansporn, Dinge besser zu machen und zu verbessern. Gerade die Politik-Verdrossenheit der Bevölkerung motiviert mich dazu, auf die Wählerschaft zuzugehen und sie davon zu überzeugen, dass nicht alle Politiker schlecht sind. Ich trachte danach, die Mitmenschen davon zu überzeugen, dass die schlechten Eigenschaften, welche auf Grund der vielen Schlagzeilen zu geschehenen oder lediglich erschriebenen Skandalen beinahe allen Politiker zugeschrieben werden, nicht richtig sind. Schwarzen Schafe mag es geben; diese gab es schon im antiken Athen. Von den schwarzen Schafen darf man aber nicht auf die weiße Schafherde schließen.“ Eine negative Haltung habe nie etwas zum Besseren gewandt. „Daher fordere ich alle Mitmenschen, die negativ über Politik sprechen, auf, sich selbst zu engagieren und Veränderung zu bewirken.“

Foto: Tiroler Volkspartei

  

Die hauptberufliche Lehrerin an der Volksschule Hermagor wünscht sich von den Menschen mehr Toleranz und den Mut selbst mitzugestalten.

 

Was ihr derzeit am meisten Sorgen bereitet, ist die zunehmende Aggressivität in der politischen – teilweise aber auch gesellschaftlichen – Kommunikation. In Zusammenhang mit dem Rückgang der Wahlbeteiligungen ergäbe sich aus ihrer Sicht daraus die derzeit größte Herausforderung.

„Hier müsste es dringend wieder zu einem Umdenken kommen, welches das Suchen nach dem gemeinsamen Nenner wieder in den Mittelpunkt stellt“, sagt Patterer, die davon überzeugt ist, dass man sich mit der Zeit in der Politik eine „dicke Haut“ aneignet.

Manche Nachrichten würden ihr trotzdem schlaflose Nächte bereiten, da sie eigentlich deshalb in die Politik gegangen sei, um das Leben der Menschen positiv zu beeinflussen. Ein wichtiger Ausgleich für sie ist der Sport und die Natur, hier kann sie am besten Energie tanken um Politik auf ihre Art zu machen: Ehrlich im Umgang mit ihren Mitmenschen, transparent für die Bevölkerung sowie solidarisch und gerecht für ein gemeinsamen Miteinander, denn eine Gesellschaft sei nur so stark wie ihr schwächstes Glied. 

Foto: G. Gleiss

Da es nicht selbstverständlich ist, in einer Demokratie zu leben und zu arbeiten, ist es ihr wichtig, mehr Demokratiebewusstsein zu schaffen.

 

„Das besondere an einer Demokratie ist: Es gibt nicht nur eine Stimme, eine Wahrheit, eine Antwort oder eine Lösung. Die beste Lösung entwickelt man im Austausch, in der Auseinandersetzung, durch Debatten, im aufeinander Eingehen, im Zuhören und im aufeinander Reagieren. Genau das müssen wir der Bevölkerung verstärkt klarmachen, denn Demokratie betrifft uns alle. Das spiegelt sich meiner Meinung nach auch im politischen Stil und im Umgang miteinander wieder und wir sollten bei allen Herausforderungen die Grundlagen unseres Zusammenlebens nicht vergessen“, fordert die Landtagspräsidentin.

Wir tragen große Verantwortung

„Wir haben derzeit vielfältige und große Herausforderungen. Unser gewohntes Leben verändert sich und die Politik ist massiv gefordert, die richtigen Entscheidungen und Lösungsansätze zu finden. Es gibt große Herausforderungen, welche nicht mit einfachen Antworten gelöst werden können. Es gibt Unsicherheit und Angst vor dem was kommen kann. Die Politik sehe ich vor allem in der Pflicht, das Vertrauen in die Demokratie zu stärken und die gesellschaftliche Spaltung nicht noch durch populistische Rhetorik für den eigenen Zweck zu nutzen. Wir tragen eine große Verantwortung und müssen behutsam das Vertrauen der Wählerinnen und Wähler wiederum aufbauen. Ehrliche Kommunikation ohne Verharmlosungen, aber mit positivem Realismus ist dringend notwendig. Wir alle – jeder und jede Einzelne – ist gefordert, auch in seinem Bereich Änderungen anzugehen. Das betrifft den Umgang mit Ressourcen ebenso wie das gesellschaftliche Miteinander“, meint die Juristin angesprochen auf die derzeitige politische Situation. 

Reden wir miteinander

Die negativen Meldungen, die scheinbar kein Ende finden, gehen auch an der erfahrenen Politikerin nicht spurlos vorüber. „Mich machen sie betroffen – vor allem die Tonalität, in der Kritik formuliert wird. Ich nehme solche Schlagzeilen aber auch als Anlass, um klarzustellen, dass die oft generalisierende und vereinfachende Darstellung der Fragestellungen nicht gerecht wird bzw. werden kann. Verallgemeinerungen und Generalverdächtigungen lehne ich ab. Ich bin überzeugt, dass es sehr gute und motivierte Arbeit im Job, in der Politik, für unser Land gibt. Das sollte nicht unbemerkt bleiben oder verschwiegen werden. Reden wir miteinander und nicht nur übereinander. Es gibt viele Möglichkeiten des Kontaktes und Zusammentreffens, des Dialoges. Reden wir darüber, wie lange es oftmals dauert, richtige Entscheidungen zu finden. Es gibt immer verschiedenste Abwägungen, immer ein Pro und Contra– genau davon lebt unser demokratisches System. Notwendige Veränderung gibt es nur dann, wenn Menschen ihre Anliegen aktiv vertreten und gemeinsam Lösungswege suchen. Es braucht auch die offene Kommunikation des warum und des wieso. Hören wir uns gegenseitig mehr zu. Deshalb versuche ich Negativität immer in eine konstruktive und lösungsorientierte Ansicht umzuleiten.“

Foto: ÖVP

Als Sprecherin für Außenpolitik, Migration, Menschenrechte, LGBTIQ+ setzt sie sich vor allem in diesen Bereichen für eine Verbesserung der Lebensumstände ein.

 

„Das Regierungsprogramm in diesen Bereichen trägt eine klare grüne Handschrift und ist zugleich die Vorgabe für die laufende Gesetzgebungsperiode. Grüne Außenpolitik steht für Frieden, globale Gerechtigkeit und Dialog. Unser Menschenrechtsverständnis ist ein umfassendes, das neben der Achtung von klassischen bürgerlichen und politischen Rechten auch die Stärkung wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Rechte einfordert. Das Schicksal mag die Menschen ungleich behandeln, doch in ihrer Würde unterscheiden sie sich von nichts. Die ist für alle Menschen gleich und unantastbar. Von diesem Grundsatz lasse ich mich in meiner Arbeit leiten“, so Ewa Ernst-Dziedzic.

Gemeinschaftliches Handeln zum Wohle der Mitmenschen

Politik, so die Abgeordnete, passiere immer dann, wenn Menschen zusammenkommen, um die Regeln ihres gemeinsamen Lebens in einer Gruppe zu verhandeln oder wenn Menschen, die das Mandat dafür haben, Entscheidungen für größere Gruppen treffen. Das beginne in der Familie, das passiere innerhalb staatlicher Institutionen und ziehe sich hin bis zu internationalen Organisationen.

Politik im besten Sinne heiße also, gemeinschaftliches Handeln zum Wohle seiner Mitmenschen, sowohl im persönlichen als auch im öffentlichen Bereich. Die Nationalrätin hält es hier mit Hannah Arendt, die da meinte: „Der Sinn von Politik ist Freiheit“ – sie verstehe diese Freiheit als eine, die es den Menschen ermöglicht, ihre unmittelbare Welt nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten. „Würde niemand die Regeln des Zusammenlebens ausbilden, würden pures Chaos und Anarchie herrschen. Politik gehört also zum Menschen wie das Fliegen zum Vogel und kann daher per se einmal nichts Schlechtes sein“, so die gebürtige Polin.

Bewusste Manipulation zum eigenen Vorteil

Zugleich kann sie aber die Enttäuschung vieler Menschen mit so manchen Politikern gut nachvollziehen. Nicht, weil diese einen anderen politischen Standpunkt vertreten, sondern weil es leider viele Vertreter der Zunft gebe, die z.B. über eine bewusste Manipulation der Öffentlichkeit vorrangig zu ihrem eigenen Vorteil arbeiten oder eine Gruppe von Menschen gegen die andere auszuspielen versuchen.

„Wie sehr sich ein Politiker an ausgemachte demokratische Grundwerte hält, mag dabei eine gute Richtschnur in der Beurteilung sein“, meint die studierte Politikwissenschaftlern, die mit Negativmeldungen selbst relativ gut umgehen kann in dem sie versucht, diese aus der Perspektive der Sender zu verstehen, sie nicht persönlich zu nehmen, sondern den wahren Ursprung der Kritik zu hinterfragen.

Ihr Rat an alle Bürger: „Werden Sie selbst politisch aktiv. Sei es indem man sich in der eigenen Gemeinde engagiert, im Rahmen einer Bürgerinitiative oder vielleicht auch in der Hausgemeinschaft. Ein erfolgreiches Zusammenleben von Menschen in einem demokratischen Staat lebt schließlich von der Beteiligung möglichst vieler Menschen an der Ausgestaltung ebendieses Zusammenlebens.“

Foto: Christopher Glanzl

„Ich bin eine Feministin“, sagt sie von sich selbst und setzt sich für die Gleichwertigkeit von Frauen in unserer Gesellschaft ein.

 

Von der Notwendigkeit für Kinderbetreuungsplätze über den gleichen Lohn für gleiche Leistung bis hin zur Befürwortung der Quotenregelung in hohen Führungsfunktionen.

„Derzeit sind wir als Gesellschaft mit einer Reihe an Krisen und den damit einhegenden wirtschaftlichen, politischen und emotionalen Herausforderungen konfrontiert – Coronakrise, Klimakrise, Krieg in Europa, Energiekrise. Die 20iger Jahre unseres Jahrhunderts werden wohl als die Krisenjahre in die Geschichte eingehen. Wir alle sind von diesen Entwicklungen nicht nur wirtschaftlich, sondern auch emotional oft tief betroffen. Und wir lesen tagtäglich davon in allen verfügbaren Medien, sodass die positiven Errungenschaften unserer Gesellschaft und der Politik ins Hintertreffen geraten. Oft erscheint mir das wie ein News-Hurrikan, dem man nicht entkommen kann. Aber gerade in diesen Zeiten ist es besonders wichtig, dass wir uns stets die Stärken unserer Demokratie, die Solidarität der Menschen und die positiven Errungenschaften der Gesellschaft vor Augen führen. Wie gehe ich persönlich damit um? Ich drehe den Fernseher ab, ich meide ein Zuviel an Nachrichten und lese ein Buch, ich genieße unsere wunderbare Natur und ich umgebe mich mit wohlwollenden Menschen. Und ich vertraue auf uns Menschen, dass wir diese Herausforderungen gemeinsam meistern werden und dieses Vertrauen hilft“, so Alexandra Tanda.

Wettbewerb der Gehässigkeit

Mit ihrer politischen Arbeit will sie alle Anforderungen und Erwartungen, die oft divergierend sind, unter einen Hut zu bringen, so dass sich die Mehrheit mitgenommen fühlt. Eine aktuell akute Herausforderung sei die extreme Teuerung für die Bevölkerung, die es gelte möglichst abzufedern und mit unbürokratischer Unterstützung zu helfen.

Hier habe man als Regierungspartei bereits umfassende Unterstützungen auf den Weg gebracht, die bereits bei den Menschen ankommen. Daneben bestehen jedoch weitere wichtige Aufgaben wie z.B. Pflege, Wohnen, Sicherheit, die aufgrund der aktuellen Krisen nicht in den Hintergrund rücken dürften. „Eine weitere Herausforderung für mich persönlich ist auch, den verbalen und pauschalen Angriffen mit Gelassenheit zu begegnen. Es ist zeitweise wirklich schwierig vom medialen Pranger und dem Wettbewerb der Gehässigkeiten unberührt zu bleiben“, sagt die gebürtige Innsbruckerin.

Erneuerung der Debattenkultur

„Ich bin davon überzeugt, dass man nur urteilen kann, wenn man selbst in den Schuhen gegangen ist, über die man spricht. Der Unterschied zwischen beurteilen und verurteilen ist wesentlich. Diesem Umstand wird in Debatten und Berichten kaum mehr Rechnung getragen. Oppositionspolitik ist ein wesentlicher Bestandteil einer Demokratie und ich möchte sie nicht missen. Aktuell trägt sie aber leider auch dazu bei, dass die Politik so stark in Verruf gekommen ist. Sprache schafft Wirklichkeit und wenn die Opposition immer von zu wenig Unterstützung, von Korruption und Spaltung spricht, dann ist es nicht verwunderlich, dass gute Entscheidungen der Regierung nicht mehr gesehen werden. Und hier spreche ich fraktionsunabhängig, denn egal wer regiert, es ist immer die falsche Partei. Es hat sich eine Debattenkultur eingeschlichen, die ihren Fokus mehr auf den Aufgeregtheitspegel legt als auf den sachlichen Inhalt der Debatte. Diese kontraproduktive Debattenkultur ist meiner Meinung nach mitverantwortlich für die Politikverdrossenheit."

Foto: ÖVP 

Sie will etwas bewegen, weiterbringen. Ihre Hauptziele: Familien, die von der Teuerungswelle betroffen sind, zu unterstützen und ein Tourismus, der auf Qualität statt Quantität setzt.

 

Ich kämpfe zusammen mit meinem Team und mit meiner Partei jeden Tag dafür, dass wir Maßnahmen umsetzen können, die unser Leben verbessern. Das ist ein besonderes Privileg. Denn jedes Mal, wenn uns etwas gelungen ist, mag es jetzt groß in der Zeitung stehen oder nicht, bekomme ich ein tiefes Gefühl von Zufriedenheit und dieses Gefühl ist unersetzbar“, sagt Barbara Neßler.

Psychotherapie auf Krankenschein

„Insgesamt erleben wir keine einfache Zeit. Von der Klimakrise, wo es um nichts Geringeres als um die Überlebensfrage geht, bis hin zur Teuerungskrise. Klar ist, dass vor allem jene darunter leiden, die es davor schon nicht einfach hatten. Darum ist es mir als Familiensprecherin so wichtig, dass wir Familien so gut wie möglich unterstützen und nicht noch mehr in die Armutsfalle abrutschen lassen, aus der sie nur schwer wieder rauskommen“, so die Politikerin. Gleichzeitig würde man bemerken, dass es vielen Menschen derzeit auch psychisch nicht gut gehe. „Wir müssen verstehen, dass das Leben mit einer psychischen Erkrankung keine Schwäche ist, sondern im Gegenteil viel Kraft kostet. Hier führt kein Weg an Psychotherapie auf Krankenschein vorbei“, meint die gebürtige Dornbirnerin.

Tourismus neu gedacht

Als Tourismussprecherin setzte sie sich dafür ein, in diesem Bereich wieder Pioniere zu werden und Tourismus neu zu denken. Ihr Ziel: Ein Tourismus, unter dem die Natur nicht leidet, von dem die Bevölkerung profitiert und der Wertschöpfung im Sinne von Qualität statt Quantität generiert. „Um ein Beispiel aus meiner Tiroler Heimat zu nehmen: Der Kaunertaler Gletscher schmilzt im Zuge der Erderwärmung dahin, sodass Schifahren vor und nach der Wintersaison nicht mehr möglich ist. Nun gibt es auch ein Problem mit der Liftanlage, weil die Stützen aufgrund der Eis- und Schneeschmelze nicht mehr stabil stehen. Was wird nun überlegt? Die Liftstützen zu versetzen, damit es möglichst gleich weitergehen kann wie bisher. Das ist teuer, aber nicht nachhaltig, denn wir haben Prognosen, dass in ein paar Jahrzehnten die Alpengletscher weitgehend abgeschmolzen sein. Anstatt zu überlegen, wie sinnvoll in einen zukunftsträchtigen Tourismus investiert werden kann, fließen die Ressourcen aber in naturschädigende Maßnahmen, die keine Zukunft haben“, mahnt Neßler.

Gesetze gegen das Gift im System

Leider sei das politische Klima wesentlich rauer geworden und vielen Politikern gehe es um schnelle Schlagzeilen, anstatt zusammen daran zu arbeiten, wie gemeinsam Verbesserungen umgesetzt werden könnten. „Für mich ist wichtig, dass wir etwas weiterbringen und uns nicht in internen Machtkämpfen verlieren“, meint die Nationalrätin, deren Engagement von Gerechtigkeit, Empathie und Feminismus geprägt ist. Um das schlechte Image der Politik zu bekämpfen, setzt sie sich für Gesetze ein, „die das Gift aus dem System bekommen, im Sinne von Transparenz und Antikorruption. Daran arbeiten wir.“ Im persönlichen Gespräch geht sie auf Wünsche und Sorgen der Bevölkerung ein, denn: „Nur wenn wir wirklich zuhören, werden wir verstehen, was die Leute beschäftigt. Und dabei können wir auch vermitteln, dass wir nicht alle so sind, wie viele denken.“

Foto: Die Grünen

Standort- und Lebensqualität in Niederösterreich sind hoch. Damit es so bleibt, sollte mit Zuversicht und Optimismus nach vorne geschaut werden, empfiehlt die NÖ Landeshauptfrau.

 

Zuerst Corona, dann der Krieg in der Ukraine – die (wirtschaftlichen) Folgen für die Bevölkerung sind deutlich spürbar. Was konkret (und in welchen Bereichen) wird für die Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher seitens des Landes getan, um die Belastungen abzufedern?

Die Teuerung ist in allen Lebensbereichen spürbar. Daher haben sowohl der Bund wie auch die Länder bereits zahlreiche Hilfen auf den Weg gebracht, um die Menschen zu entlasten. Ganz konkret haben wir in Niederösterreich parteiübergreifend bereits fünf Maßnahmen beschlossen – beim Strom, Heizen, Wohnen, Pendeln und auch zum Schulstart. All diese Hilfen sind wichtig, weil es unser Anspruch ist, die Menschen gut durch diese Krise zu führen.

Die Krise der Globalisierung setzte mit Corona ein und verschärfte sich mit dem Ukraine-Konflikt. Der unberechenbaren Abhängigkeit vom Welthandel kann jedoch teilweise mit Regionalität entgegengewirkt werden. Welche Konzepte/Projekte gibt es diesbezüglich in NÖ? 

In einer Zeit wie jetzt ist es wichtig, verstärkt darauf zu setzen, Schlüsselindustrien und -produkte im eigenen Land zu haben bzw. herstellen zu können. Das gilt zum Beispiel für die kritische Infrastruktur, für Medizinprodukte oder auch für die Lebensmittelversorgung. Umso erfreulicher ist daher etwa die Ansiedelung des Pharmakonzerns Boehringer Ingelheim in Bruck an der Leitha. Das Unternehmen errichtet hier einen neuen Produktionsstandort. Mit einer Investitionssumme von rund 1,2 Milliarden Euro und 800 neuen Arbeitsplätze ist es das größte Ansiedlungsprojekt in der niederösterreichischen Geschichte. Ein weiteres Erfolgsbeispiel ist Ankerbrot – das Unternehmen errichtet mit 30 Millionen Euro in Lichtenwörth die größte Bäckerei Österreichs. 

Tatsache ist, Niederösterreich ist bereits jetzt ein attraktiver Standort für Betriebe und mit weiteren Initiativen wollen wir unser Land zu einer Vorzeigeregion für Kreislaufwirtschaft in ganz Europa machen.   

Angesichts der Knappheit an fossilen Brennstoffen und der hohen Preise für Gas: Werden künftig auch Gasvorkommen in Niederösterreich erschlossen?

Was wir brauchen, ist rasch mehr grünes Gas, nämlich Biogas. Experten schätzen das Potenzial bis zum Jahr 2030 auf zehn Prozent des Gasverbrauchs, bis 2040 auf ein Drittel. Immer auf Basis der Verwendung von landwirtschaftlichen Abfällen, aber auch des Bioanteils am Hausmüll. Dafür ist es wichtig, dass vor allem das Klimaministerium endlich Initiativen setzt. 

Müssen sich die Niederösterreicherin und Niederösterreicher vor einem kalten Winter fürchten? Ist die Energieversorgung der Haushalte und Betriebe gewährleistet?

Das Parlament hat im Mai ein Gasbevorratungsgesetz beschlossen und damit Vorsorge getroffen. Auch hier ist vorrangig das Klimaministerium am Zug, diese Bevorratung umzusetzen und genug Gas einzuspeichern. 

Strichwort Pflege: Seit drei Wochen gibt es die 600 Euro Prämie für die Pflegeausbildung. Gibt es bezüglich dieser Initiative schon Feedback? Was tut NÖ noch, um dem Mangel an Pflegekräften entgegenzuwirken?

Niederösterreich tut alles, was ein Land tun kann, um das wertvolle Berufsfeld der Pflege zu attraktivieren. Aus diesem Grund hat das Land Anfang des Jahres das „Blau-gelbe Pflegepaket“ ins Leben gerufen. Der Bund ist mit dem ersten Teil der Pflegereform nachgezogen und hat dabei weite Teile des blau-gelben Modells übernommen. Seit 1. September erhalten alle, die im 1. Bildungsweg eine Ausbildung im Pflegeberuf absolvieren, 600 Euro Pflegeausbildungsprämie. Außerdem übernehmen wir auch das Schulgeld an Schulen für Sozialbetreuungsberufe, der Höheren Lehranstalt für Sozialbetreuung und Pflege sowie an Fachschulen für Soziale Berufe mit Schwerpunkt im Bereich Pflege, sowie künftig auch die Studiengebühren im Bereich der Pflegeausbildung auf der Fachhochschule. 

Darüber hinaus arbeitet der Bund gerade für Umsteigerinnen und Umsteiger sowie für Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger in einer vom AMS geförderten Ausbildung an einem Pflegestipendium in Höhe von 1.400 Euro pro Monat. Bis zum Start des Pflegestipendiums des Bundes werden wir die betroffenen Personen an NÖ Bildungseinrichtungen mit der NÖ Pflegeausbildungsprämie von 420 Euro pro Monat unterstützen. Diese Pflegeausbildungsprämie kommt natürlich sehr gut an, auch weil das Berufsbild der Pflege jetzt auch in der Ausbildung einen höheren Stellwert erhält. Neben diesen Ausbildungsmaßnahmen setzen wir viele weitere Schwerpunkte, um den Pflegeberuf noch attraktiver zu machen.

Wie schaffen Sie es, in schwierigen Zeiten, in welchen Politiker verstärkt mit Frust und Ärger der Bevölkerung konfrontiert werden, auf Kurs zu bleiben?

Wir befinden uns derzeit in der herausforderndsten Zeit unserer Generation. Und ein Blick zurück in die Geschichte zeigt, dass wir schwierige Situationen immer dann am besten gemeistert haben, wenn wir als Gesellschaft zusammengestanden sind. Bei all dem Frust und Ärger, den es in der Bevölkerung gibt, sollten wir nie die Zuversicht und den Optimismus verlieren. Denn nur so können wir die Standort- und Lebensqualität in unserem Bundesland vorantreiben. 

Was sagen Sie Menschen, die ausschließlich negativ über Politik und Politiker sprechen?

Im direkten Gespräch mit den Bürgerinnen und Bürgern habe ich selten das Gefühl, dass über die Politik oder Politiker geschimpft wird, weil hier die Sorgen und Anliegen der Menschen direkt an- und ausgesprochen werden. Darum ist gerade der direkte Kontakt und die Nähe zu den Menschen so wichtig, um das Vertrauen in die Politik zu stärken. Im Übrigen sollten sich alle politischen Verantwortungsträger - egal auf welcher Ebene - bewusst sein, dass ständiges Hick-Hack und Anpatzen nicht nur einer Partei, sondern der gesamten Politik schadet. 

Sie sind nun seit 27 Jahren aktiv in der Politik und haben vermutlich mit Krisen, wie wir sie seit einigen Jahren erleben, bestimmt nicht gerechnet. Wagen Sie eine Prognose, welche Auswirkungen diese auf das heimische politische System haben werden?

Jede und jeder in der Politik trägt besondere Verantwortung, unsere Gemeinschaft vor Radikalisierungen schützen. Und das schafft man vor allem mit Zusammenarbeit und nicht mit gegenseitigen Beschimpfungen - dafür sind die Zeiten zu ernst und ist die Situation zu sensibel. 

Politiker setzen sich auch für das Wohl der Menschen ein. Welche positive Botschaft können Sie den Menschen in diesen Zeiten mitteilen?

Wie sie wissen, feiern wir heuer 100 Jahre Niederösterreich. Und wenn wir daran denken, was heute anders ist als damals, komme ich zu einem Befund: Auf der einen Seite haben wir heute im Vergleich zu früher ganz bestimmt mehr Wohlstand und Lebensqualität, mehr Sicherheiten und Freiheiten. Auf der anderen Seite haben wir heute viele Menschen, die sich große Sorgen machen - aufgrund der weltpolitischen Situation und wie es mit Inflation, Teuerung und der eigenen Lebenssituation weitergeht. Diese Sorgen sind berechtigt. Aber blicken wir ernsthaft zurück, dann erkennen wir, dass es uns über die letzten Jahrzehnte betrachtet als Land, als Gesellschaft immer bessergeht - jeder Generation besser als der vorigen. Weil wir uns gemeinsam viel aufgebaut haben und fleißig waren. In diesem Bewusstsein sollten wir alle für die Zukunft viel Kraft schöpfen und mit Optimismus nach vorne blicken.

Foto: NLK/Burchhart

Seit zwanzig Jahren arbeitet Helga Krismer in der Politik für eine bessere Zukunft – und ist noch immer zuversichtlich.

 

„War Energie- und Klimapolitik vor zehn Jahren noch etwas für den politischen Sandkasten, ist es heute der Kernbereich. Jetzt müssen wir als Gesellschaft eine Änderung von Gesellschaft, vor allem von Wirtschaft, in kürzester Zeit in einem Kraftakt schaffen, weil jahrelang zu wenig passiert ist. Die Komfortzone wird für uns alle kleiner. Die gute Nachricht: Es wird anders und wir schaffen es, unsere Lebensgrundlagen zu erhalten“, sagt Helga Krismer, die in ihrer Funktion als Vizebürgermeisterin von Baden die Stimmung der Bevölkerung hautnah mitbekommt. Und auf den Frust der Menschen entsprechend reagiert: „Ich frage dann gerne nach den Alternativen: Starker Mann und Diktatur? Das wollen die wenigsten“, so die gebürtige Tirolerin. 

Wir müssen handlungsfähig bleiben

Demokratie heiße Mehrheiten suchen, was anstrengend und alternativlos sei. In Krisen gäbe es zudem keine einfachen Rezepte und kein Nachschlagwerk. „In den sozialen Medien ist oft so viel negative Energie, dass ich da schon mal einfach direkt zum Kaffee einlade. Wir sollten uns gegenseitig wieder mehr respektieren und letztendlich lockerer bleiben“, rät die studierte Veterinärmedizinerin. Und wie geht sie selbst mit den vielen negativen Meldungen um?

„Das Wichtigste ist, handlungsfähig zu bleiben. Daher versuche ich in jenen Bereichen, die ich direkt beeinflussen kann, notwendige Veränderungen durchzuführen oder zu veranlassen und möglichst viele Menschen in Gesprächen und Diskussionen zu erreichen. Persönlich habe ich das Glück, keine existenziellen Sorgen zu haben, wie doch nicht wenige Mitmenschen. Aber die Frage, wie es meinem heute 16-jährigen Sohn in den nächsten Jahrzehnten gehen wird, treibt mich an, mit aller Kraft gegen einen Gefühlssog nach unten zu arbeiten. Angst und Raunzen sind nur Negativenergie.“

NÖ muss seiner Rolle als Energieland gerecht bleiben

Als Politikerin gestaltet Sie wesentlich die Zukunft der Republik mit, Helga Krismer ist, darauf angesprochen, bescheidener: „Mein Handlungsspielraum ist Niederösterreich. Die Republik wird von anderen gelenkt, denen ich aber immer gerne mitgebe, was sich die Leute in Niederösterreich und in meiner Heimatstadt denken. Ich bin für klare Worte: Wir haben jetzt zehn Jahre für eine Energie-Transformation und um die Klimakrise abzuwenden. Alles, was wir heute kennen, steht auf dem Spiel. Die Szenarien erspare ich uns hier. Niederösterreich ist nicht nur die Wiege der Republik. Niederösterreich ist auch das Energieland Nummer eins. Und dem muss es endlich gerecht werden. Da möchte ich die Ärmel aufkrempeln und nicht nur der ÖVP über die Schulter schauen müssen.

Foto: Grüne

Ihr Rezept für erfolgreiche, bürgernahe Politik: Zunächst zuhören, dann nachdenken, dann viel laufen und Überzeugungsarbeit leisten. 

Die scharfen Gegensätze und tiefen Gräben in der Gesellschaft gelte es zu überwinden. „Ich fühle seit dem Beginn der Corona-Krise immer stärker, dass sich die Menschen voneinander entfernen. Für mich war es schockierend, wie sich Corona-Leugner, Impfgegner, Impfbefürworter, Quarantänebrecher, Wissenschaftler und Politiker begegnet sind. Von verbalen Entgleisungen, zu körperlichen Übergriffen. Letztlich verlief die Diskussion über Sinnhaftigkeit und Zweckmäßigkeit im Umgang mit der Krise hin zu einer nie für möglich gehaltenen Spaltung in der Gesellschaft. Dieser Konflikt muss aus meiner Sicht gelöst werden. Auch wenn es den Anschein hat, als wäre das Corona-Problem aus dem Alltag verschwunden, so bleibt dieser Riss bestehen“, sagt Cornelia Hagele, die auch einen Krieg vor unserer Haustüre für gänzlich ausgeschlossen hielt.

„Der Angriff Russlands auf die Ukraine hat mein Weltbild gänzlich auf den Kopf gestellt. Europa, als prosperierender Ort des ewigen Friedens und des Wohlstands für alle Bürger, gehört wohl für immer der Vergangenheit an. Dieser Krieg betrifft uns alle. Wir alle müssen uns nun auf die drastisch geänderten Verhältnisse einstellen.“

Dabei müssten auch ungemütliche Wahrheiten angesprochen werden. Etwa von Wohlstandsverlust und Konsumverzicht. „Wir müssen uns gegen aggressive Kriegstreiber wehren. Diese Haltung ist unumstößlich. Umso widerlicher empfinde ich es, wenn nach dem 24. Februar 2022 so mancher Opportunist sich weiterhin an den Despoten im Kreml anbiedert und dessen Handeln verteidigt. Entweder wird verteidigen unsere Werte oder wir geben sie von vornherein auf. Aufgeben kommt für mich nicht in Frage“, sagt die Juristin.

Sorgen erkennen und handeln

Als Politikerin kümmert sie sich um die Sorgen, Ängste und Probleme der Menschen. Daher sieht sie auch Negativschlagzeilen als Anregung, Probleme zu erkennen und zu handeln.

„Ich empfinde es als Ansporn, Dinge besser zu machen und zu verbessern. Gerade die Politik-Verdrossenheit der Bevölkerung motiviert mich dazu, auf die Wählerschaft zuzugehen und sie davon zu überzeugen, dass nicht alle Politiker schlecht sind. Ich trachte danach, die Mitmenschen davon zu überzeugen, dass die schlechten Eigenschaften, welche auf Grund der vielen Schlagzeilen zu geschehenen oder lediglich erschriebenen Skandalen beinahe allen Politiker zugeschrieben werden, nicht richtig sind. Schwarzen Schafe mag es geben; diese gab es schon im antiken Athen. Von den schwarzen Schafen darf man aber nicht auf die weiße Schafherde schließen.“

Eine negative Haltung habe nie etwas zum Besseren gewandt. „Daher fordere ich alle Mitmenschen, die negativ über Politik sprechen, auf, sich selbst zu engagieren und Veränderung zu bewirken.“

Foto: Tiroler Volkspartei

  

Die Grüne sind mit einem progressiven Programm angetreten und wollen es so gut wie möglich umsetzten. Vieles sei bereits gelungen, vieles werde noch gelingen, allen Krisen zum Trotz, ist die Nationalrätin überzeugt.

 

Als größte Herausforderung empfinde ich, dass derzeit mehrere Krisen, die alle unsere Aufmerksamkeit wie auch geeignete Gegenmaßnahmen erfordern, gleichzeitig ablaufen. Dabei versuchen wir als Regierungspartei aber nicht nur Krisenfeuerwehr zu sein, sondern trotz der schwierigen Umstände auch weiterhin gestalterisch und in die Zukunft gerichtet zu handeln“, so Prammer. 

Standpunkte und Einschätzungen der Menschen berücksichtigen

Als gewählte Mandatarin habe sie die Ehre, als einer von 183 Menschen Bundesgesetze mitbeschließen zu dürfen. Als Mitglied einer Regierungspartei habe sie noch dazu die Möglichkeit, viele dieser Gesetze auch inhaltlich aktiv mitgestalten zu können. „Ich empfinde das als große Verantwortung, denn mit diesen Gesetzen schaffen wir einen gesellschaftlichen Rahmen, in dem alle gut miteinander leben können. Deshalb ist es mir auch so wichtig, mich im Vorfeld von Entscheidungen mit so vielen Menschen wie möglich auszutauschen, um auch möglichst viele Standpunkte und Einschätzungen zu den jeweiligen Materien zu hören“, so die Nationalrätin, die davon überzeugt ist, Politik sei viel mehr, als man vielleicht aus den Nachrichten im Fernsehen mitnehmen könne.

Politik, so Prammer, berühre zutiefst unser aller Zusammenleben. In einem demokratischen Staat wie Österreich funktioniere Politik umso besser, je mehr Menschen sich auf welcher Ebene auch immer an ihrer Ausgestaltung beteiligen. In Österreich gäbe es für Bürger viele Möglichkeiten, den eigenen Anliegen Gehör und Beachtung zu verschaffen. „Schimpfen, um Dampf abzulassen, kann schon reinigend sein, aber es muss letzten Endes auch in ein aktives Tun übergehen. Wer es beim Schimpfen belässt, überlässt gesellschaftliche Entscheidungen ausschließlich den anderen“, so Prammer.

Je schwieriger die Zeiten, desto negativer die Schlagzeilen

In diesem Zusammenhang spart die studierte Juristin nicht mit leiser Kritik an den Medien: „Leider gibt es die Tendenz, dass es bad news leichter in die Meldungen schaffen als good news. Ich nehme zum Beispiel wahr, dass viele im Nationalrat beschlossenen Gesetze, welche die Lebensumstände der Menschen in Österreich verbessern, selten in den Nachrichten aufschlagen. Hinzu kommt: je schwieriger die Zeiten, desto negativer die Schlagzeilen. Warum? Die Krisen unserer Zeit machen es manchmal notwendig, unpopuläre Entscheidungen zu treffen, denken Sie hier nur an die Corona-Gesetzgebung der vergangenen Jahre. Ich halte es hier aber mit Walter Scheel, einst Bundespräsident in der Bundesrepublik Deutschland, der in einem mittlerweile berühmt gewordenen Ausspruch folgendes von sich gab: Es kann nicht die Aufgabe eines Politikers sein, die öffentliche Meinung abzuklopfen und dann das Populäre zu tun. Aufgabe des Politikers ist es, das Richtige zu tun und es populär zu machen. Negativkritik versuche ich nicht allzu persönlich zu nehmen. Gleichzeitig höre ich aber genau hin, um die Bedürfnisse dahinter zu verstehen. So kann ich im Rahmen der Gesetzgebung darauf reagieren und allenfalls korrigieren.“

Foto: Max Mayrhofer

Als politischer Mensch ist ihr Stillstand unerträglich. Die Parteivorsitzende und Klubobfrau im Nationalrat ist davon überzeugt, die Krisen mit Entschlossenheit und guten Entscheidungen überstehen zu können.

 

Politik darf nicht immer nur reaktiv sein und lediglich Krisen nachhecheln. Wir müssen die großen Reformen, etwa im Bildungsbereich, bei den Pensionen oder auch beim Klimaschutz, angehen – stets mit Blick auf die nächsten Generationen und nicht auf die nächsten Wahlen. Und wir müssen es schaffen, das Vertrauen der Menschen in die Politik, das in den letzten Jahren unter ÖVP-Regierungen schwer gelitten hat, wieder zurückzubekommen. Die Bürgerinnen und Bürger müssen darauf vertrauen können, dass Politikerinnen und Politiker mutige, nachhaltige und transparente Entscheidungen treffen, die Österreich voranbringen“, so Beate Meinl-Reisinger.

Dinge offen und ehrlich aussprechen

Sie verstehe, dass angesichts des Missmanagements der Bundesregierung, sei es nun während der Corona-Pandemie oder jetzt angesichts der Teuerung, die Menschen frustriert seien, weil sie das Gefühl haben würden, von der Politik nicht ausreichend ernstgenommen zu werden.

„Oft hilft es dann, die Dinge offen und ehrlich anzusprechen, Kritik sachlich zu äußern, aber auch sich selbst politisch zu engagieren, um so den eigenen Input einbringen zu können, damit wir Österreich gemeinsam besser machen können. So können wir das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Politik wieder stärken“, meint die NEOS-Parteichefin.

Auf europäische Werte vertrauen

Die aktuelle Situation sei bedrückend und äußerst ernst, so die Politikerin. Umso wichtiger sei es aber, gerade in herausfordernden Zeiten mit Mut und Zuversicht in die Zukunft zu blicken.

„Das dürfen wir uns nicht nehmen lassen. Wir kommen nur gemeinsam durch diese Krise, als Österreich, als Europa, mit klugen, treffsicheren und nachhaltigen Maßnahmen. Und mit strukturellen Reformen, die die Weichen stellen, damit jeder Mensch ein selbstbestimmtes Leben führen kann. Das bedeutet: Steuern runter, Einkommen rauf, damit sich jede und jeder aus eigener Kraft wieder etwas aufbauen kann. Die Spaltung innerhalb der Gesellschaft noch anzuheizen, wie es etwa rechte Parteien wie die FPÖ machen, wird uns nur zusätzlich schwächen. Wir müssen auf unsere europäischen Werte vertrauen, die uns auch bisher geeint und stark gemacht haben: Freiheit, Demokratie, Gerechtigkeit, Solidarität.“  

Österreich müsse insgesamt sauberer und transparenter werden. „Wir NEOS wünschen uns ein Land, das die beste Bildung an erste Stelle stellt, den Menschen die Freiheit lässt, ihr Leben eigenverantwortlich zu gestalten und beim Klima- und Umweltschutz als zentrale Herausforderung unserer Zeit endlich Meter macht. Wir sehen es als unseren Auftrag, jedem Menschen alle Chancen zu ermöglichen. Heute und in Zukunft“, sagt die studiert Juristin. 

Foto: Parlamentsdirektion / Johannes Zinner

   

Lange bevor es die anderen getan haben, hat sie vor der Teuerung und den Folgen gewarnt. Nun gehe es darum, sich den Krisen gemeinsam zu stellen und den Menschen rasch zu helfen.

 

Ich sehe es als meine Aufgabe, auch aus der Opposition heraus sachliche Lösungen zu erarbeiten und Druck für deren Umsetzung zu machen. Aber klar ist, dass es in der Opposition weitaus schwieriger ist, zu gestalten als in der Regierung. Deshalb ist es auch mein Ziel, dass die SPÖ die künftige Regierung anführt, um das Land noch besser mitgestalten zu können. Ich will ein Österreich, dass auch in Krisenzeiten von einer hohen sozialen Sicherheit und einer hoch dynamischen Wirtschaft geprägt ist. Das fällt nicht vom Himmel, das muss hart erarbeitet werden. Die Teuerungskrise muss mit vollem Einsatz angegangen werden, auch um die Mittelschicht im Land zu schützen. Weitere zentrale Aufgaben sind die Energiewende, der Pflegenotstand und eine moderne Bildungspolitik. Es gibt viel zu tun“, sagt Pamela Rendi-Wagner.

Die Bevölkerung erwartet sich Lösungen

Eine der größten Herausforderungen sei der Ukraine-Krieg. Hier müssten dieselben Anstrengungen in diplomatische Bemühungen für den Frieden gesteckt werden wie ins Ausverhandeln der Sanktionen. Die Sicherheit Europas sei in Gefahr. Die zweite riesige Herausforderung sei die aktuelle Rekordteuerung. 

„Viele Menschen stürzen in existenzielle Probleme und können sich das Leben nicht mehr leisten. Sie wissen nicht, ob sie die Gasrechnung oder den täglichen Lebensmitteleinkauf bezahlen sollen. Die Inflation trifft auch Industrie und Wirtschaft massiv. Vor Monaten hat die Regierung noch von Teuerungshysterie gesprochen, weil wir diese Probleme schon früh aufgezeigt haben, aber mittlerweile ist allen klar, dass es so nicht weitergehen kann. Die positive Nachricht ist: es gibt Möglichkeiten, die Teuerung zu drücken. Es muss in den Strommarkt auf EU-Ebene eingegriffen und der Gas- und damit auch der Strompreis gedeckelt werden“, sagt die Parteivorsitzende und spricht sich in Zeiten wie diesen klar gegen eine Schönwetter-Politik aus: „Es ist die Aufgabe von Politikern, egal ob in Regierung oder in Opposition, sich diesen Krisen zu stellen und Lösungen zu erarbeiten. Die Bevölkerung erwartet sich Lösungen für ein leistbares Leben, für eine sichere Energieversorgung, für eine funktionierende Wirtschaft. Worum es mir geht, ist konstruktive Arbeit für unser Land. Den Kopf in den Sand zu stecken und zu hoffen, dass sich die Krisen schon von selbst lösen werden, hilft hingegen niemandem“, sagt Rendi-Wagner, die nach all den Skandalen, Korruptionsverdachtsfällen und Streitereien, die die Regierungen der letzten fünf Jahre geliefert haben, jeden versteht, der von der Regierung enttäuscht ist. Gerade deshalb ist ihr wichtig zu betonen: „Es sind nicht alle so! Für mich zählen Anstand und Moral.“

Foto: Visnjic

Im Sommer des Vorjahres wurde die WKÖ-Vizepräsidentin als Bundesvorsitzende von Frau in der Wirtschaft bestätigt. 

 

Es ist eine verantwortungsvolle Aufgabe und eine Herzensanliegen für Martha Schultz sich – gemeinsam mit ihrem Team – für die Interessen der rund 130.000 Unternehmerinnen und Frauen in der Wirtschaft einzusetzen. „Gerade jetzt, in besonders herausfordernden Zeiten, beweisen unsere Unternehmerinnen einmal mehr, was sie tagtäglich leisten. Sie trotzen der Krise, finden Lösungen und antworten mit neuen, flexiblen und innovativen unternehmerischen Ideen“, so die WKÖ-Vizepräsidentin.

Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung 

Die Pandemie, davon ist die Unternehmerin überzeugt, werde uns leider noch länger begleiten. Dementsprechend brauche es für die Betriebe dringend ein vorausschauendes Krisenmanagement, um zumindest Planungssicherheit zu gewährleisten. Es dürfe zu keinen weiteren Lockdowns mehr kommen! Außerdem sei eine konsequente Umsetzung der Steuerreform notwendig.

„Für die Wirtschaft sind hier drei Punkte von zentraler Bedeutung: den Standort zu stärken, die Betriebe zu entlasten und Ökologisierung mit Hausverstand umzusetzen. Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist und bleibt ein brennendes Thema. Hier setze ich mich seit Langem für einen flächendeckenden Ausbau der Kinderbetreuung in ganz Österreich – ganztägig, qualitätsvoll und leistbar – ein. Damit verbunden einen Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz ab dem 1. Geburtstag bis zum 14. Lebensjahr“, so Schultz. 

Starke Interessensvertretung 

Ihr Tipp für Frauen, die den Sprung in die Selbständigkeit wagen möchten: „Trauen Sie sich und setzen Sie Ihre Idee um. Sie sind in bester Gesellschaft: Fast jedes zweite Unternehmen in Österreich wird von einer Frau gegründet. Klar ist: Um unternehmerisches Potenzial auch entfalten zu können, braucht es eine starke Interessenvertretung, kompetentes Service und ein attraktives Netzwerk“, sagt Martha Schultz.

Die Wirtschaftskammer stünde hier – mit dem Gründerservice, der „Jungen Wirtschaft“ und „Frau in der Wirtschaft“ – als starke Partnerin zur Seite. Beim Schritt in die Selbständigkeit würden zudem die rund 90 Gründerservice-Stellen in ganz Österreich hilfreich sein. 

So viele Impfungen wie möglich 

Ihre Wünsche für dieses Jahr? „Ich wünsche mir, dass wir so rasch als möglich das momentan dramatische Infektionsgeschehen in den Griff bekommen und dass sich so viele Menschen wie möglich impfen lassen. Denn die Impfung ist der wichtigste Hebel im Kampf gegen die Pandemie. Wenn uns das gelingt, blicke ich – trotz fordernder Rahmenbedingungen – optimistisch in die Zukunft.“

Foto: Inge Prader

In ihrer Familie wurde oft über politische Themen diskutiert. Das hat sie geprägt und zu einer kleinen Revoluzzerin gemacht.  Das Feuer entfacht schließlich Matthias Strolz mit seinem Politikverständnis. 

 

Wir haben uns zu einem Zeitpunkt getroffen, an dem ich echt erschüttert war, wie wenig das alte politische System an morgen denkt. Seit dem Gründungstag von NEOS war ich dann über fünf Jahre mit voller Leidenschaft ehrenamtlich beim Aufbau unseres Polit-Start-Ups mit dabei. Bis ich mich dann vor der letzten NÖ-Landtagswahl dazu entschieden habe, selbst aktiv in den politischen Ring zu steigen“, so die Betriebwirtin und Mutter zweier Kinder.  

Alte Parteien machen uralte Politik

„Mein Fokus liegt natürlich auf Niederösterreich, wo alte Parteien uralte Politik machen, Lösungen für die Zukunft aber fehlen. Mir liegen die besten Chancen für alle unsere Kinder durch Bildung ebenso am Herzen wie das wohl brennendste Thema der Jungen – der Klimaschutz. Und auch was die Entfaltung von Unternehmertum anbelangt sehe ich großen Handlungsbedarf, denn gerade unsere Klein- und Mittelbetriebe sind der Garant für Wohlstand und Arbeitsplätze. Was ich wirklich schmerzlich vermisse, ist eine Politik, die die besten Lösungen für die Menschen in den Mittelpunkt stellt. Stattdessen geht es oftmals um den eigenen Machterhalt und um die eigene Familie“, kritisiert Collini, die sich Politiker wünscht, die alle Aufträge ernst nehmen, die sie durch die Bürger bekommen haben.

Es dürfe nicht nur geredet, sondern müsse angepackt werden. Gut sei auch Expertise von außen. „Ich selbst bin eine Quereinsteigerin, war vorher lange in der freien Wirtschaft und habe auch ein Unternehmen aufgebaut. Ich kenne deshalb die echten Sorgen und Probleme der Menschen. Das etablierte System hat leider schon lange die Bodenhaftung verloren, die politische Aufgabe wird zum Selbstzweck und es geht nicht mehr um die Menschen“, so die gebürtige Vorarlbergerin. 

 

Politiker müssen Vorbilder sein

Um die Menschen wieder zu gewinnen, müsse endlich eine Politik mit Anstand gemacht und mit der Freunderlwirtschaft aufgehört werden. Transparenz sie hier ein Schlüssel. Politiker müssten Verantwortung für ihr Tun übernehmen. „Sie sind in gewisser Weise auch Vorbilder, darum finde ich es äußerst bedenklich, wie selbstverständlich in Österreich Anklagebank und Regierungsbank zusammengehen.

Und es braucht eine große Portion Ehrlichkeit. Wenn wir so weitertun wie bislang, werden wir die Klimaziele nicht erreichen und mit Strafzahlungen in Milliardenhöhe konfrontiert“, warnt die Abgeordnete, die sich bereits heute Politik für die Welt von morgen wünscht. Für die Jungen und für die Kindeskinder. Alle Kinder sollten zudem die Chance haben, die für sie passende Bildung zu bekommen und so ihre Talente zu entfalten. Denn das sei der Schlüssel für ein gelingendes, selbstbestimmtes und somit glückliches Leben. 

Foto: Karl Stadler

Warum der klassische 9-to-5-Job heute nicht mehr der Realität vieler Wienerinnen entspricht, weiß Elisabeth Hakel.

 

„Der klassische 9-to-5-Job entspricht heute nicht mehr der Realität vieler Wienerinnen. Viele sind selbstständig, arbeiten im Schichtbetrieb, arbeiten in der Nachtschicht oder haben Spätdienste bzw. 10- bis 12 Stunden Tage. Wenn die Kinderbetreuungseinrichtungen hier nicht mitgehen, geht dies zu Lasten der Frauen, der Wirtschaft und vor allem der Kinder“, so die Landesdirektorin des SWV WIEN Elisabeth Hakel am heutigen Weltfrauentag.

Einmal mehr wird es Zeit, dass wir uns an den skandinavischen Ländern ein Vorbild nehmen. Das fängt bei der Bezahlung von Pädagoginnen und Pädagogen an, geht über die Ausstattung von Kindergärten und Schulen – Stichwort Digitalisierung und schließt das wichtige Thema der Betreuungszeiten mit ein. 

100.000 Selbstständige massiv benachteiligt

„Besonders hart trifft es die Selbstständigen. In Wien gibt es rund 100.000 Frauen, die selbstständig erwerbstätig sind. Das ist rund die Hälfte aller Selbstständigen in dieser Stadt. Trotzdem ist eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie für selbstständige Frauen oft ein unlösbares Problem bzw. ein ständiges Balancieren zwischen dem Kampf um den nächsten Kundenauftrag und der nicht ausreichend vorhandenen Kinderbetreuung. Die Betreuungszeiten müssen den Arbeitszeiten angepasst werden“, fordert Hakel. 
Nicht vergessen ist die Sabotage der Kurz-ÖVP im Jahr 2016, die damit zusätzliche 1,2 Milliarden Euro für eine bessere Kinderbetreuung verhindert hat.

Kinderbetreuung kein reines Frauenthema

In Österreich sind mit 49% fast die Hälfte aller Frauen in Teilzeit. Daraus resultieren für Frauen Gehaltseinbußen und geringere Pensionen. Ein wichtiger Schritt in Richtung "Female Empowerment", also der Selbstermächtigung und Stärkung der Chancengleichheit von Frauen, ist der Ausbau der Kinderbetreuung und ein Rechtsanspruch bis zum Ende der Schulpflicht. 

Trotzdem stellt Hakel fest: „Kinderbetreuung ist kein reines Frauenthema! Auch Männer mit Betreuungspflichten sind auf offene Betreuungseinrichtungen angewiesen.“

Für Wien dürfen die Bundesländer kein Maßstab sein

In Wien leben insgesamt 481.500 Familien, davon 170.500 mit Kindern unter 15 Jahren. Die Verfügbarkeit, Zugänglichkeit und Bezahlbarkeit hochwertiger Betreuungseinrichtungen für Kinder ist daher ein Schlüsselfaktor, um am Erwerbsleben teilnehmen zu können. „Als Interessenvertretung der Unternehmerinnen und Unternehmen fordern wir den Rechtsanspruch auf kostenlose Kinderbetreuung bis zum Ende der Schulpflicht.

Zudem müssen die Betreuungslücken in den Ferien & an Fenstertagen geschlossen werden“, fordert Marcus Arige, Präsident des SWV WIEN.

Foto: Vicky Posch

Mit acht Jahren schrieb sie einen Beschwerdebrief an den Landeshauptmann wegen der schlechten Luft in Linz. Mit 13 sammelte sie Geld für den „Regenwald der Österreicher“.

 

Mit 16 organisierte sie Schüler-Busreisen, um vor dem AKW Temelin zu demonstrieren. Mit 18 war sie auf der Welternährungskonferenz als Journalismus-Praktikantin. An der Politik führte also kein Weg vorbei.

„Jedes Lebewesen braucht ihm eigene ökologische Rahmenbedingungen. Auch für Menschen und deren Gemeinschaft gäbe es eine Art „Ökologie“: „Der Mensch braucht ein Umfeld, indem er sich entfalten kann. Beste Rahmenbedingungen schon in der Kindheit, Chancen, Bildung, Infrastruktur. Der Mensch braucht Freiheit, Menschenrechte, Familie – Zeit mit- und füreinander anstatt nur im Hamsterrad zu rennen – und ein gerechtes Steuersystem, das ausreichend Spielraum lässt, das eigene Leben selbst gestalten zu können. Dafür setze ich mich ein“, so Gudrun Kugler, die meint, Politiker müssten selbst kein Lexikon sein, aber komplexe Themen verstehen und Prozesse moderieren können. Dazu brauche es außerdem einen guten Draht zu allen beteiligten Stakeholdern. Unerlässlich seien Ausdauer und Biss – denn an manchen Themen müsse man sehr lange dranbleiben. 

Schwierige Themen beherzter angehen

„Politik ist ein schöner, herausfordernder Beruf und die allermeisten üben ihn mit großem Engagement und Liebe zum Menschen aus“, sagt die Abgeordnete, die auf Authentizität schwört und überzeugt davon ist, dass man als Politiker für Ideale eintreten und auch mal Fehler eingestehen müsse. „Außerdem sollten wir manchmal unpopuläre und schwierige Themen beherzter angehen, wenn sie wichtig sind und dabei weniger an die nächste Wahl denken. Wir müssen darauf achten, im Wettbewerb der Ideen immer sachlich und mit Respekt vor Andersdenkenden zu bleiben“, sagt die Theologin und Juristin.

Die Meinungsfreiheit schützen 

Die großen Themen der nächsten Jahre seien nicht nur Corona und Klima, sondern auch demographische Fragen und die damit einhergehenden Lebensumstände für Familien. Kinderwunsch und seine Realisierung würden auseinanderklaffen.“ Jedes Kind soll willkommen sein! Derzeit arbeiten wir an einer Regelung zum assistierten Suizid. Das besorgt mich sehr – ich wünsche mir ein restriktives Gesetz und wirksame Präventionsmaßnahmen.

Geopolitisch besorgt mich unter anderem der Vormarsch Chinas. In Zeiten von Cancel Culture müssen wir besonders wieder die Meinungsfreiheit schützen“, so die bekennende Christin und Initiatorin der ersten katholischen Heiratsplattform im deutschsprachigen Internet.

Foto: photonews.at/Georges Schneider

Als Volksschullehrerin hat sie tagtäglich miterlebt, was im Schulsystem falsch läuft. Dagegen wollte sie etwas unternehmen und wurde politisch aktiv. Heute setzt sie sich für Menschen mit Behinderung ein.

 

Aktuell arbeite ich für Menschen mit Behinderungen und sehe den akutesten Handlungsbedarf darin, in Österreich in einer inklusiven Gesellschaft zu leben. Ich will einfach nicht akzeptieren, dass Menschen mit Behinderungen ihr Leben nicht selbstbestimmt leben können und tagein tagaus immer zu Bittstellern gemacht werden. Mein Ansatz ist, dass ich, sollte ich morgen mit einer Behinderung leben müssen, so gut wie möglich mein Leben weiterleben kann und nicht auf die Barmherzigkeit von anderen angewiesen bin. Und das will ich für alle Menschen mit Behinderungen erreichen“, so Fiona Fiedler, die folgende wichtige Eigenschaften bei vorbildlichen Politikern voraussetzt: Wichtig ist es, sich selbst treu zu bleiben und nicht einer Machtposition nachzueifern, sondern sich für die Menschen in unserem Land einzusetzen, denn wir sind Volksvertreter. Dafür wurden wir gewählt und das sollte man nicht aus den Augen verlieren.“

Um der um sich greifenden Politikverdrossenheit entgegenzuwirken, müsse ordentliche, anständige Politik gemacht werden. Mit den Menschen müsse gesprochen, ihnen zugehört und auf ihre Wünsche eingegangen werden, meint Fiedler, die sich wünscht, dass Österreich endlich inklusiv lebt und alle Menschen am gemeinsamen selbstbestimmten Leben teilhaben sollen.

Foto: NEOS

Ihre politische Karriere startete höchst ungewohnt, bereits im zarten Alter von acht Jahren.

 

Als Achtjährige schrieb die gebürtige Polin dem damaligen Staatsoberhaupt General Jaruzelski einen Brief, weil es für die Schule keine Stifte zu kaufen gab und sie sich bei ihm über diese „Ungerechtigkeit“ beschwerten wollte. Der Anfang einer beachtlichen politischen Karriere.

„Die Grünen sind prinzipiell eine Vollsortimentspartei und decken mit ihren Inhalten und ihrer Arbeit alle gesellschaftlichen Bereiche ab, so Ewa Ernst-Dziedzic.  Klar sei aber, dass die drohende Klimakatastrophe das dringlichste Problem unserer Gegenwart sei. „Die voranschreitende Zerstörung unseres Planeten zieht einen Rattenschwanz an Problemen nach sich, von dem kein Lebensbereich ausgenommen ist. So hat etwa die Erderhitzung eine unmittelbare Auswirkung auf die weltweite Migration, weil gerade die Menschen in den ärmeren vom Klimawandel betroffenen Ländern in ihrer Existenz bedroht sind. Demokratie ist hier stets das wichtigste Gerüst, wenn wir eine gute Gesellschaft bauen wollen. Wir brauchen heute in der Politik also mehr denn je weitsichtige, ganzheitliche und globale Lösungsansätze“, so die studierte Politologin, in deren idealen Welt alle Menschen die gleichen Rechte haben und die gleichen Chancen zur Entfaltung ihrer Lebensträume.

Diese Vision ist auch das Leitmotiv ihrer politischen Arbeit als Grüne Sprecherin für Außenpolitik, Menschenrechte, Migration und LGBTIQ. Wie sie sich den idealen Politiker vorstellt, kann sie genau definieren: Er oder sie sollte so leidenschaftlich sein wie ein Prediger, so gründlich wie ein Finanzbeamter und so selbstlos wie Robin Hood. „Für mich persönlich bedeutet das auch, Menschen zu mögen, sie zu verstehen, mit ihnen gemeinsam an Zielen arbeiten.“ 

Vertrauen beruht auf Lösungskompetenz  

Ihr Rezept gegen Politikverdrossenheit? „Politische Repräsentanten sollten sich durch persönliche Integrität und eine vorbildhafte Lebensführung auszeichnen. Die Verhaltensforschung zeigt, dass die Mehrheit der Menschen dann solidarisch handelt, wenn andere dies auch tun. Wenn also Politiker ihren Einfluss, den sie kraft ihres Amtes besitzen, vorrangig zu ihrem persönlichen Vorteil nutzen, ist das ein fatales Signal für die gesamte Gesellschaft. In unserer immer komplexer und undurchschaubarer werdenden Welt vertrauen die Menschen jenen Politikern am meisten, denen sie die größte Lösungskompetenz zuschreiben. Deshalb ist Vertrauen das größte Kapital, das eine Politiker haben kann“, so die Frauensprecherin der Grünen. Man könne sich dieses Vertrauen erarbeiten, indem man glaubwürdig und konsequent seine Standpunkte vertrete, anstatt seine Politik wie ein Fähnchen im Wind nach aktuellen Mehrheitsmeinungen auszurichten. „Die Menschen wünschen sich authentische Politiker, die sagen, was sie denken, und tun, was sie sagen“, meint Ernst-Dziedzic, die sich freien Zugang zu Bildung für jedes Kind und gerechten Zugang zu Ressourcen für jede Frau wünscht.

Foto: Christopher Glanzl

 

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