Interviews

Die Rektorin der Wirtschaftsuniversität Wien über Herausforderungen, den Uni-Alltag in Corona-Zeiten und Konzepte für die Zukunft.

 

Ein Blick zurück auf das Vorjahr – gab es – trotz Corona – auch Lichtblicke?

Natürlich gab es auch Lichtblicke. Die WU hat z.B. auch 2020 ausgezeichnete Ranking-Erfolge gefeiert und damit Österreich im internationalen Umfeld einmal mehr positiv vertreten. Wir haben erneut das Gütesiegel als familienfreundliche Arbeitgeberin erhalten und unsere Studien waren auch 2020 sehr stark nachgefragt. Während Corona hat sich die Innovationskraft der WU als Ganzes gezeigt. Wir waren beispielsweise eine der ersten Universitäten europaweit, die digitale Großprüfungen mit über 12.000 Antritten inklusive Online-Aufsicht abgewickelt haben. 

Wieviel Prozent der aktuellen Lehrveranstaltungen finden derzeit online statt?

Die WU ist seit Anfang November des Vorjahres im Distanzmodus, d.h. die Lehre und auch Prüfungen finden online statt Bis Anfang November war die WU im Hybridmodus. Es gab Präsenzunterricht, bei denen die Lehre unter Einhaltung aller Sicherheitsabstände sowie Maximalbelegung von Räumen vor Ort am Campus stattfand, einige Lehrveranstaltungen (LV) fanden nur mit einem Teil der Studierenden vor Ort statt, ein Teil verfolgte LVs im Online-Stream. Aber auch im Hybridmodus waren viele LVs aufgrund der Größe der Teilnehmerzahl bereits im Distanzmodus. 

Gibt es – bedingt durch COVID-19 – einen Rückgang bei den Erstsemestrigen oder ist die Nachfrage an der WU zu studieren weiterhin groß?

Die WU verzeichnet bei den BachelorbeginnerInnen einen Anstieg im Vergleich zum vergangenen Wintersemester. Das muss aber nicht unbedingt ein Zusammenhang mit COVID-19 sein, sondern könnte auch durch den stärkeren Maturajahrgang 2020 erklärt werden. In den letzten Jahren gab es aufgrund demografischer Entwicklungen österreichweit einen kontinuierlichen Rückgang der Studierendenzahlen, wenn auch nicht an der WU. 

Bei der Auftaktveranstaltung für neue Studierende im Austria Center wurden erstmals im Rahmen einer Großveranstaltung Schnelltests durchgeführt. Wären Schnelltests nicht auch an der WU sinnvoll, um den Studienablauf vor Ort zu erleichtern?

Solche Schnelltests machen bei einmaligen Großveranstaltungen sicherlich Sinn. Bei mehrtätigen Veranstaltungen beispielsweise müssen sie aber jeden Tag durchgeführt werden. Das ist dann natürlich schnell auch eine Kostenfrage und die Logistik darf ebenfalls nicht unterschätzt werden. Wir haben täglich ca. 5.000 Studierende am Campus. Auch bei der Durchführung eines Schnelltests wird medizinisches Fachpersonal benötigt. Ein Test kostet ca. 15 Euro und diese müssten dann vor jeder Lehrveranstaltung durchgeführt werden. Das ist nicht leistbar. Aber natürlich würden wir uns auch eine zentrale Teststrategie für Universitäten, ähnlich wie jene für Schulen, wünschen.  

Wie sieht das aktuelle Sicherheitskonzept vor Ort aus?

Von der Ampelfarbenlogik ausgehend befinden sich Universitäten derzeit auf „Orange“. An der WU bedeutet das Distanzlehre und verstärktes Homeoffice der Mitarbeitenden. Für jene, die vor Ort tätig sind, gilt Maskenpflicht in allen Gebäuden, außer am Arbeitsplatz. Einige Prüfungen können derzeit noch vor Ort abgehalten werden, auch hier gelten strenge Sicherheitsvorkehrungen. Die Abstandsregeln zu anderen Personen müssen eingehalten werden, es gibt ein getrenntes Ein- und Ausgangsmanagement, in den Hörsälen wurden alle Plätze gemäß den aktuellen Hygienemaßnahmen reduziert, markiert und mit Nummern beklebt (Contact Tracing). Während der Prüfung gilt auch Maskenpflicht am Sitzplatz. Dies gilt auch in der Bibliothek. Projekträume und Lernzonen sind derzeit nicht geöffnet. 

Welche Strategien/Pläne gibt es für die Zeit nach Corona?

Wir wollen vor allem wieder auf einen vor Ort Betrieb zurückkehren, aber sicherlich auch Ideen aus dem Distanzbetrieb mit aufnehmen, die sich als bereichernd herausgestellt haben. Wichtig wird es sein, den internationalen Austausch wieder zu beleben. Derzeit findet dieser ja oftmals nur rein digital statt. Dabei soll durchaus auch kritisch hinterfragt werden, ob alle bisher üblichen Veranstaltungen und Meetings unbedingt Vororts stattfinden müssen oder nicht doch online möglich und somit umweltverträglicher und kostengünstiger durchgeführt werden können. Trotz legitimer Anliegen von Nachhaltigkeit und Sicherheit darf aber der globale Austausch nicht grundsätzlich in Frage gestellt werden.

Ihre Wünsche für dieses Jahr?

Ich wünsche mir, dass Internationalität gelebt werden kann und wir (wieder) zu einem positiven Verständnis vom Mehrwert von Diversität und Solidarität kommen. Außerdem möchte ich meinen Appell erneuern, dass wir evidenzbasierte Politik brauchen und keine Polemik oder Populismus. Die tragen in der Regel nicht zu ernsthaften Problemlösungen bei.

Foto: Klaus Vyhnalek

Zehn Positionen in zwölf Jahren: Diliane Snackers kann man getrost als „Highflyer“ bezeichnen. Begonnen hat sie ihre Karriere bereits während ihres Wirtschaftsstudiums beim IT-Unternehmen Tomtom als Content Analyst.

 

„Damals habe ich erkannt, dass mein Herz für Technologiebranche schlägt“, erzählt sie im Interview. Heute managt sie ein globales Sales-Team von rund hundert Mitarbeiter/-innen weltweit für den Cloudanbieter Netapp in Amsterdam.

Unglaubliche zehn Positionen innerhalb von zwölf Jahren hat sie für Netapp bisher innegehabt – zum Teil in den USA. Von Channel Business Analyst für EMEA über den Job als Sales Operations Manager bis hin zu ihrer jetzigen Position als Senior Director Go-To-Market Strategy and Customer Success ist sie sukzessive aufgestiegen. In ihrer derzeitigen Funktion beschäftigt sie mit dem Aufspüren und der Kapitalisierung neuer Marktchancen.

„Wir müssen smart sein und weiterdenken. Wir müssen permanent unser Business Modell und unsere Strategien adaptieren. Worauf soll der Fokus in den nächsten drei Jahren liegen, wo brauchen wir Investment, wo Weiterentwicklung? Innerhalb der Sales Organisation haben wir 2000 Mitarbeiter/-innen weltweit. Wir müssen sicherstellen, dass die Maschine läuft“, sagt sie.

Als Frau in der Tech-Branche möchte Diliane Snackers Mädchen und jungen Frauen mitgeben: „Nutzt eure Chancen und macht einfach. Es wird sich lohnen.“ Der herCAREER hat sie ein exklusives Interview zu ihrer besonderen Karriere, der Unternehmenskultur bei Netapp und ihren Learnings für junge Frauen gegeben.

Frau Snackers, zehn Funktionen in zwölf Jahren ist sehr ehrgeizig. Wie kommt das?

Diliane Snackers: Das stimmt, allerdings sagt das auch einiges über das Unternehmen aus. Wir agieren in einem hochdynamischen Umfeld: NetApp ist darauf spezialisiert, Kunden mit marktführenden Cloud-Datenservices, Storage- Systemen und Software dabei zu unterstützen, das Beste aus ihren Daten herauszuholen.

Denken Sie an Covid-19 und die damit einhergehenden Beschränkungen. Von zuhause zu arbeiten: wie soll das ohne Technologie, ohne Daten möglich sein? Wir arbeiten in einer superspannenden Welt. Ich habe von 2015 bis 2018 für Netapp in den USA gearbeitet und ganz anderes Umfeld erfahren. Dann kam ich zurück und nach einer Restrukturierung habe ich die Leitung für den Sales Strategy and Ops für EMEA übernommen.

Ihr Team ist also sehr global verstreut. Wie funktioniert die Zusammenarbeit?

Diliane Snackers: Mein Team aus hundert Mitarbeiter/-innen ist rund um die Welt verstreut, von Amsterdam nach Indien bis in die USA und Kanada. Das ist eine sehr diverse Gruppe hinsichtlich des Geschlechts, ihrer Erfahrungen und ihrer Position in ihrer Karriere.

Wie würden Sie die Kultur bei NetApp beschreiben? Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als collaborative.

Diliane Snackers: Es gibt immer Luft nach oben. Das hängt weniger von der Branche, sondern mehr von den Menschen ab. Allerdings erkennt Netapp das Potenzial, wenn Mitarbeiter/-innen kollaborieren. Das Unternehmen hat eine neue Initiative gestartet: Diversity, Inclusion and Belonging. Das nehmen wir sehr ernst und ist auch Teil der Unternehmensstrategie. Die Philosophie dahinter ist: Wir können niemals als einzelner Soldat einen Krieg gewinnen. Daher müssen wir die ganz unterschiedlichen Fähigkeiten der Leute anerkennen. Als Organisation ist es wichtig, ein kollaboratives Arbeitsumfeld für die Mitarbeiter/-innen zu schaffen. Ich finde wir machen das sehr gut. Die Talenteförderung hat mich auch stets im Unternehmen gehalten.

Inwiefern ist die GenY hier ein Thema?
Diliane Snackers: Als Organisation haben wir die Verantwortung, Talente anzuziehen, ihnen Perspektiven zu bieten und jungen Leuten zu ermöglichen, bei uns ihre Karriere zu starten. Dafür bieten wir ihnen geeignetes Programm. Wir 

haben bei Netapp ein tolles Programm für Studienabsolventen, die noch keine Erfahrung haben. Wir bringen etwa die jungen Sales-Einsteiger erfahrenen Account Executives zusammen, damit sie von ihnen lernen können. Sie betreuen gemeinsam unsere Kunden, das ist sehr erfrischend. Wir sind kein Startup mehr, haben wenig Fluktuation – unsere Belegschaft altert natürlich. Daher ist es so wichtig für uns, junge Mitarbeiter/-innen anzuziehen.

Was sind die drei Dinge, die Ihnen helfen, den Arbeitstag zu starten?

Diliane Snackers: Ich lebe in Amsterdam und liebe die urbanen Vibes. Früh am Morgen genieße ich meinen Kaffee und den Blick auf die Stadt. Ich bin ein Early Bird, auch Struktur ist mir sehr wichtig. Ich habe eine Assistentin, die sehr hilfreich ist und mein Kalender ist super gemanagt. Ich gehe auch zweimal die Woche ins Gym, um gesund und in Balance zu bleiben. Ich habe meine Gewohnheiten während des Lockdowns kaum verändert. Die einzige Veränderung ist, dass die Arbeitsumgebung immer zuhause ist. Vor der Pandemie bin ich häufig quer durch die Welt gereist.

Sie sind in Ihrer zehnten Position in zwölf Jahren. Haben Sie Ihre Karriere geplant?

Diliane Snackers: Schon als junges Mädchen habe immer gesagt: irgendwann will ich Geschäftsfrau werden, Rechtsanwältin. Ich habe das wirklich vor meinen Augen gesehen – ich wollte die Welt regieren (lacht). Den Plan habe ich abgeschrieben. Wenn man Karriere machen will, ist wichtig zu verstehen, was der nächste Schritt ist. Es ist wichtig, Chancen zu identifizieren, um den nächsten Meilenstein zu erreichen. Man sollte niemals aufhören zu lernen.

Was tun Sie, um weiterzulernen?

Diliane Snackers: Derzeit recherchiere ich viel, lese viele Bücher und beobachte Menschen, die es richtig gut machen. Je höher man in einer Organisation aufsteigt, desto schwieriger wird das Umfeld. Da gibt es einige harte Nüsse. Es ist nicht rau und respektlos, sondern oft einfach nur anders. Man muss neue Techniken entwickeln und Selbstvertrauen haben. Ich denke nicht, dass ich eine scheue Person bin, aber es ist nicht Teil meiner Komfortzone, laut Dinge anzusprechen.

Es ist immer wieder zu lesen, dass Frauen in der Tech-Branche durchaus zu kämpfen haben – Stichwort Sexismus im Silicon Valley. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Diliane Snackers: Ich habe in meiner Karriere nie negative Erfahrungen in Bezug auf das Geschlecht gemacht oder Nachteile empfunden, weil ich eine Frau bin. Das liegt vor allem daran, dass es bei Netapp eine wertschätzende, respektvolle Kultur gibt. Das Wichtigste ist der gegenseitige Respekt für Unterschiede, denn: Frauen und Männer sind sehr unterschiedlich.

In Ihrem LinkedIn-Profil hat ein Geschäftspartner über Sie geschrieben, Sie seien eine „natürliche Problemlöserin“. Netapp sucht auf seiner Karriereseite nach Problemlösern. Ist das eine zunehmend wichtige Fähigkeit für Sie und die Tech-Branche?

Diliane Snackers: Ich bin definitiv kein Troublemaker. Ich bin wahrscheinlich eine Problemlöserin und brauche in meiner Organisation definitiv auch Problemlöser/- innen. Ich denke sehr analytisch, das hilft dabei, bestimmte Muster und Anomalien festzustellen. Es ist meine natürliche Tendenz, auf Herausforderungen lösungsorientiert zu reagieren, um sie zu überwinden. Kreativ und lösungsorientiert zu sein, ist bei uns wichtig. Wenn Mitarbeiter/-innen ständig Hürden und Probleme sehen, bringt uns das nicht weiter. Besser ist zu sagen: ok, das ist nicht cool, wie können wir das ändern?

Ein sinnvolles Mindset für Führungskräfte, um besser mit großen Veränderungen und Krisen umzugehen?

Diliane Snackers: Ja, ich denke, das wird helfen. Es gibt immer ein Für und Wider. Aber in dem Moment, in dem wir vor den Schwierigkeiten weglaufen, bremsen wir den Fortschritt und das künftige Potenzial. Die erste Frage ist immer: wohin wollen wir? Und dann muss man sehen, ob es das Investment wert ist und wie man dahin kommt.

Netapp unterstützt auch die globale Initiative Women in Technology mit Events. Warum?

Diliane Snackers: Ja, ich habe dieses Jahr erstmals bei einem Event mitgemacht. Nicht, weil ich glaube, dass unsere Organisation einen negativen Gender-Bias gegen Frauen hat – meine Kolleginnen und ich werden gleichwertig wie Männer behandelt –, sondern weil es eine Gelegenheit ist, die Wichtigkeit von Inklusion und unterschiedlichen Ansichten in Organisationen hervorzuheben. Hier geht es nicht nur um Frauen, sondern prinzipiell darum, Andersartigkeit zuzulassen. Das beginnt bei unterschiedlichen Perspektiven auf individueller Ebene, die wir in Unternehmen zulassen sollten. Nicht jeder hat die ermutigenden Vorbilder, daher ist es gut, der jungen Generation, aber auch gleichaltrigen Frauen zeigen, dass es möglich ist, seine Ziele zu erreichen.

Welchen Rat geben Sie jungen Frauen und Mädchen?

Diliane Snackers: Beschränkt euch niemals selbst, was eure Ziele und Wünsche angeht. Verfolgt euren Weg und macht einfach. Schaut auf eure Stärken, Fähigkeiten und Potenziale und überlegt euch gut, wo ihr hinwollt. Lasst euch niemals durch andere Leute von eurem Weg abbringen. Und taucht in die Technologien ein: das ist unglaublich spannend, mit Daten ist so vieles möglich. Das Gesundheitssystem, das Finanzwesen, alles basiert auf Daten und Technologie. Es ist nicht langweilig, sondern supercool.

Über Diliane Snackers

Nach ihrem Wirtschaftsstudium an der Inholland Universität begann Diliane Snackers nach einem kurzen Abstecher in die Bankenbranche im Jahr 2006 ihre Tech-Karriere beim Navigationstechnologie-Anbieter TomTom als Content Analyst und Reporting Specialist. 2008 wechselte sie zum Cloudanbieter NetApp in Amsterdam in die Funktion des Channel Business Analyst EMEA und stieg rasant auf.

Seit Mai 2020 ist Diliane Snackers als Senior Director GTM Strategy and Customer Success für die Evaluierung der Marktchancen und der Markteintritte für NetApp weltweit zuständig.

Weltweit beschäftigt der im Jahr 1992 gegründete IT-Pionier mit Hauptsitz in Sunnyvale, Kalifornien, rund 10.500 Mitarbeiter/-innen, in der Sales-Organisation arbeiten global rund 2000 Mitarbeiterinnen.

Foto: NetApp, Quelle: herCAREER

Die Generaldirektorin und Vorstandsvorsitzende der VIG im ABW-Interview zur aktuellen Lage der Versicherungsbranche.

 

Bitte geben Sie uns eine kurze Einschätzung der aktuellen Situation – wie hat sich COVID-19 auf das vorige Geschäftsjahr ausgewirkt, welche Entwicklungen sehen Sie?

Die VIG-Gruppe hat die Ausnahmesituation bisher gut gemeistert. Wir haben ein sehr solides Halbjahresergebnis 2020 erzielt und wir sehen uns operativ derzeit in der Lage, die Auswirkungen von COVID-19 für die Versicherungsgruppe zu managen. Weit schwieriger ist die Einschätzung der mittel- und langfristigen Auswirkungen der Pandemie auf die Volkswirtschaften und damit verbunden die Reaktionen der Kapitalmärkte.

Wir wissen derzeit nicht, wie lange uns die Pandemie noch im Griff haben wird, welche Maßnahmen die unterschiedlichen Regierungen setzen. Wir müssen daher auch noch in den ersten Monaten des neuen Jahres mit weiteren negativen Einflüssen auf unsere Geschäftsentwicklung rechnen. Was sich aber generell gezeigt hat, dass sich unser Geschäftsmodell mit der sehr breiten Diversität über Länder, Marken, Vertriebswege und Produkte auch in schwierigen Phasen erfolgreich bewährt.

Das ermöglicht uns, weiterhin die sich bietenden Chancen optimal zu nutzen und unsere langfristigen Wachstumsambitionen fortsetzen zu können und diese Ambitionen haben wir auch weiterhin, unabhängig von Corona.

Sie ist die erste Frau, in dieser Position: Austrian Business Woman sprach mit Anna Parr, die als Generalsekretärin die Geschäfte der Caritas Österreich übernommen hat.

 

Bitte schildern Sie uns kurz Ihren bisherigen Werdegang?

Ich bin seit fast 22 Jahren beruflich im Gesundheits- und Sozialbereich tätig. Über sieben Jahre lang war ich Mitglied der Geschäftsleitung der Vinzenz Gruppe, einem der größten privaten Träger von gemeinnützigen Gesundheits- und Sozialeinrichtungen in Österreich. In dieser Funktion war ich für die Angebote in den Bereichen Rehabilitation, Pflege und ambulante Dienste verantwortlich. 

Zuletzt war ich Geschäftsführerin in zwei Unternehmen, unter anderem kardiologisches Reha-Zentrum, Ambulatorium für Menschen mit Essstörungen und verantwortlich für den gesamten Ausbau ambulanter Rehabilitationsangebote. Davor war ich unter anderem Verwaltungsdirektorin im Krankenhaus Göttlicher Heiland (Wien) und Geschäftsführerin der Pflegehäuser (Wien, Niederösterreich).

Valerie Pretscher, ehemalige Co-Founderin von Grapevine, hat die Leitung der Expansionssparte des Gastro-Startups Orderlion übernommen.

 

Orderlion, Österreichs Vorreiter von Online-Bestellsystemen für Lieferanten der Gastronomie, hat das Wein-Startup Grapevine übernommen. Mit 200 Winzern und Fach-Know-how im Weinhandel beschleunigt die Integration des jungen Startups den Expansionskurs von Orderlion.

 

Beschreiben Sie uns kurz Ihren Werdegang und Ihr neues Aufgabengebiet?

Nach dem Bachelor of Business Administration (BBA) an der Modul University in Wien hat es mich erst einmal ins Ausland gezogen - konkret nach Amsterdam. Im Zuge dieses dreijähren Aufenthaltes konnte ich wertvolle Erfahrungen bei der Hotelgruppe Zoku sammeln, wo ich für die junge Hotelbrand Verträge für neuer Standorte ausverhandelt habe. Da wurde mir auch bewusst, wie sehr mir das Verhandeln im Blut liegt und ich habe darin eine Stärke entdeckt, die mir anschließend beim Aufbau von grapevine sowie jetzt für die Expansion von Orderlion in die Hände spielt. 

Ihre beruflichen Ziele für dieses Jahr?

Meine Aufgabe bei Orderlion besteht darin, den bereits eingeschlagenen Expansionskurs nach Deutschland weiter auszubauen. Es gilt daher unser Online-Bestellsystem für Gastro-Lieferanten, auch in diesen schwierigen Zeiten, am Markt zu etablieren. Dabei handelt es sich um ein langfristiges Projekt, das natürlich nicht über Nacht realisiert werden kann. Mit unserem B2B-Shopsystem sind wir aber jedenfalls bestens aufgestellt, um auch über die Grenzen hinaus die Digitalisierung der Gastro erfolgreich voranzutreiben.

Während viele Unternehmen von der Krise schwer getroffen wurden, konnte Snackhersteller Kelly seine Umsätze im Coronajahr steigern.

 

Austrian Business Woman hat mit Marketing Director Petra Trimmel über die Fortsetzung der Erfolgsgeschichte von Kelly gesprochen.

Coronazeit ist Knabberzeit – die Menschen verbringen mehr Zeit vor dem Fernseher und greifen, nicht schwer zu erraten, vermehrt zu Chips und Co. Mag. Petra Trimmel, ihres Zeichens Marketingverantwortliche beim Snackhersteller Kelly, kann das bestätigen: „Der Konsum vieler Knabberprodukte ist seit dem März des Vorjahres deutlich gestiegen. Die Zahlen zeigen es ganz deutlich, speziell der Snackbereich ist zweistellig gewachsen.“ Ohnehin entwickle sich dieser Markt äußerst dynamisch, „aber im Endeffekt“, so Trimmel, „konnten wir im Vorjahr ein Wachstum von 13 Prozent verzeichnen, deutlich mehr, als in den Jahren zuvor.“

Unvergessen bleibt der Managerin der erste Lockdown im März des Vorjahres, als es zu Hamsterkäufen kam. „Die Regale in den Supermärkten waren leergeräumt, auch unsere Produkte waren in vielen Filialen nicht mehr zu haben.“ Das änderte sich schnell. Die Top-Seller wurden öfter produziert – in Tag- und Nachtschichten und auch an so manchen Wochenenden. Die Out of Stock-Situation war so nach kürzester Zeit wieder beendet. 

Nicole Rathgeb-Höll, die Geschäftsführerin von Comma PR, ist seit über zwanzig Jahren in der Branche überaus erfolgreich tätig und Spezialistin für die Bewerbung und Positionierung von Tourismusbetrieben.

 

Wie sie die Coronazeit erlebt, erzählt sie im ABW-Interview.

Wir haben gerade extrem viel zu tun, denn viele Betriebe planen derzeit ein neues Marketingkonzept oder müssen dieses ändern. Da wir uns als Agentur auf den DACH-Bereich spezialisiert haben, und der DACH-Raum heuer – und vermutlich auch die kommenden Jahre – sehr stark beworben wird, geht uns die Arbeit nicht aus“, sagt PR-Profi Nicole Rathgeb-Höll, vergisst dabei aber nicht, wie schwer der März des Vorjahres war.

„Anfangs gab es in der Branche eine absolute Schockstarre. Erst ab dem Zeitpunkt, als wieder klar wurde, dass die Hotels im Sommer öffnen dürfen, ist die Marketingschiene extrem stark angelaufen.“ Jeder Tourismusbetrieb wusste, so Rathgeb-Höll, dass neue Gästeschichten erreicht werden mussten – und zwar schnell. Die Buchungslage war sensationell. Natürlich sei derzeit wieder eine starke Resignation in der Branche zu spüren, da sich die Tourismusbetriebe natürlich die Frage stellen, ob die Schließungen berechtigt seien – denn es gebe gute Konzepte und alle Sicherheitsmaßnahmen würden eingehalten werden. Man füge sich und versuche, sich für die Zukunft zu positionieren, so Rathgeb-Höll.

Mit 40 Jahren beendete sie ihren sicheren Job, wagte den Schritt in die Selbstständigkeit und gründete das Bio-Snack-Start-Up Natural Crunchy.

 

Was Freunde und Familie dazu sagten und warum sie diesen Schritt nie bereut hat, erzählt Timea Hipf im ABW-Interview.

Wann und warum haben Sie den Entschluss gefasst, selbstständig zu werden?

Das erste Mal war 2008, als die Finanzkrise voll im Gange war und ich von meiner ersten Karenzzeit in die Marketingabteilung einer Bank zurückkehrte. Die Banken hatten einen schlechten Ruf aufgrund der Folgen der geplatzten Immobilienblase in den USA. Und obgleich die heimischen Banken dafür nichts konnten, mussten sie alle mit Staatshilfen gerettet werden. So haben sie zwar keine Mitarbeiter entlassen, aber Karenzrückkehrer konnten nur in Teilzeit arbeiten. So begann ich nebenbei für ungarische Produzenten Produkte zu entwickeln und in Europa zu vertreiben.

Über 40 Jahre alt, schwanger, sicheren Job aufgeben und Unternehmensgründung – wie hat Ihr Umfeld auf Ihren Entschluss reagiert?

Teils mit völligem Unverständnis und Teils mit Entsetzen. Natürlich wussten meine Kollegen und mein Arbeitgeber, dass ich „so eine Mini-Bio-Marke“ vorantreibe. Aber sie glaubten, es ist eine Art Hobby. 

Würden Sie Ihren Schritt in die Selbstständigkeit als sprichwörtlichen „Sprung ins kalte Wasser“ bezeichnen? 

Nein, es war gut überlegt. Der Job im Marketing war großartig. Ich habe es geliebt und ich hatte ein tolles Team, darunter auch gute Freunde. Aber in der Zwischenzeit war ich wieder Vollzeit eingestellt und habe für meine Firma jede Nacht, am Wochenende und im Urlaub gearbeitet. Ich musste eine Entscheidung treffen.

Daher schenkten mein Mann und ich mir zum 40. Geburtstag ein Jahr Sabbatical. Ich wollte herausfinden, wie gut meine Ideen und das Unternehmen funktionieren, wenn ich mich 100% darauf konzentriere. Ich gründete also meine EPU in ein GmbH um. Bereits nach wenigen Monaten war mir klar, wie viel ich schaffen kann, wenn ich die Firma nicht nebenbei betreibe und Mitarbeiter aufnehme. Ich entschied mich für NATURAL CRUNCHY und an dieser Entscheidung änderte sich auch nichts als wir erfuhren, dass wir noch ein Baby erwarten. 

Die traditionsreiche katholische Wochenzeitung „Der SONNTAG“ hat eine neue Chefredakteurin: Medienexpertin Mag. Sophie Lauringer hat die redaktionelle Leitung übernommen.

 

März 2021 – Sophie Lauringer ist ein Profi, wenn es um die Kommunikation von Werten und Glaubensfragen geht. Ihre berufliche Karriere startete im ersten Redaktionsteam von (damals) Radio Stephansdom, 2002 wechselte sie zur Öffentlichkeitsarbeit der Salesianer Don Boscos, wo sie bis 2020 das Medienreferat leitete. Zurück in der Erzdiözese Wien, wird sie in Zukunft die inhaltliche Ausrichtung der Print- und Onlineangebote der Wiener Kirchenzeitung verantworten.

Freude am Glauben

Unter dem Motto „Zeit für meinen Glauben“ setzt „Der SONNTAG“ auf Schwerpunkte und Themen, bei denen die Freude am Glauben für die Leserinnen und Leser spürbar wird. „Die Frohe Botschaft zu verbreiten und Antworten auf Lebens- und Glaubensfragen zu geben, ist Auftrag des katholischen Journalismus – beherzt, mutig und kompetent in allen herausfordernden Situationen kirchlichen Lebens“, zeigt sich die neue Chefredakteurin überzeugt und fügt hinzu: „Die Kirche ist nicht langweilig! Wir sind für Menschen in allen Lebenssituationen da.“

Digitale Ausrichtung und Vernetzung kirchlicher Medien

Neben der Schärfung des klassischen Printprodukts, das bereits 1848 gegründet wurde, wird „Der SONNTAG“ auch seine digitalen Angebote verstärken, erklärt Lauringer als Ziel. Denn „die Kirche ist immer bei den Menschen und in ihrer aktuellen und konkreten Lebenswelt“, so Lauringer, die durch ihr journalistisches Know-how zudem auf weitere Vernetzung kirchlicher Medien setzt.

Gottes Segen vom Erzbischof

„Sophie Lauringer ist eine erfahrene Journalistin, die nach einigen Jahren in anderen kirchlichen Bereichen wieder in den medialen Dienst der Erzdiözese Wien zurückkehrt. Ich freue mich, dass „Der SONNTAG“ eine kompetente und engagierte neue Chefredakteurin bekommt und ich wünsche ihr Gottes reichen Segen für ihren Dienst mit ihrem gesamten Team“, zeigt sich Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn über die Besetzung erfreut.

Foto: Erzdiözese Wien/Stephan Schönlaub

Seit November 2018 ist sie Mindshare CEO und blickt auf äußerst erfolgreiche Zeiten zurück – und dann kam Corona.

 

In der Krisenzeit wurden deshalb kurzerhand Strukturen und Arbeitsprozesse geändert. Mit Erfolg. Die Kunden voll des Lobes für die Agentur.


Der Ausblick auf das Geschäftsjahr 2020 war Anfang des Jahres sehr positiv und unsere Erwartungen lagen weit über dem Vorjahr. Da unsere Geschäftsentwicklung stark an die wirtschaftliche Entwicklung im Allgemeinen und die Werbebudgets unserer Kunden im speziellen abhängt, haben wir im Frühjahr Maßnahmen gesetzt, um den Geschäftserfolg zu stabilisieren. Die positive Entwicklung des Marktes vor allem im dritten und vierten Quartal hat uns ein Ergebnis gebracht, das über dem Vorjahr liegt“, fasst Ursula Arnold, das Corona-Geschäftsjahr zusammen.

Grayling CEO Sigrid Krupica im ABW-Interview über die Sehnsucht der Medienkonsumenten, Kommunikationsdefizite und unternehmerische Verantwortung. 

 

Planbarkeit ist in der jetzigen Situation Mangelware – quer durch alle Branchen. Umso wichtiger ist es mir, die wertvollen Kontakte zu Kunden, Partneren und auch allen Mitgliedern meines Teams aufrecht zu erhalten. Auch wenn die Menschen mehrheitlich im Homeoffice sind, ist ein möglichst persönlicher Austausch wichtig. Für das Business, für die Motivation und für das eigene Gemüt“, so Grayling CEO Sigrid Krupica. 

Jetzt sei auch die Zeit, mutig nach vorne zu schauen, zu agieren und nicht in der Schockstarre zu verharren. Gemäß dem Motto „Anders als bisher!“ fordere man derzeit die bestehenden Kunden und potenzielle Neukunden heraus, ihre Positionierung neu zu (über)denken. Damit sollen alte Denkmuster aufgebrochen und frische Ideen greifbar gemacht werden. 

Neue Stories sind gefragt

Gute Kommunikation nach innen und außen war noch nie wichtiger als jetzt, ist Krupica überzeugt. Darüber seien sich auch die Kunden einig. „Viele Unternehmen haben gerade in dieser Situation die Möglichkeit ganz neue Stories zu erzählen. Zum Beispiel alle jene, die selbst einen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie leisten oder mit Empathie und Humor beweisen, dass sie die schwierige Situation der Konsumenten verstehen und wirklich ernstgemeinte Abhilfe schaffen möchten.“

Sie ist Chief Marketing Officer der APA-Gruppe und Präsidentin der Österreichischen Marketing Gesellschaft (ÖMG). Ein ABW-Gespräch mit Barbara Rauchwarter über die Stimmungslage in der Branche.

 

Welche Businessstrategien verfolgen Sie in diesen herausfordernden Zeiten?

Wir unterstützen unsere Kunden bei ihren Informations- und Kommunikationsaufgaben sowohl inhaltlich als auch technologisch. Und wir treiben die Digitalisierung weiter und bieten entsprechende Lösungen an, wie sonst auch.

Wie gelingt es Ihnen in Corona-Zeiten, Kunden von der Sinnhaftigkeit der APA Lösungen und Produkte zu überzeugen?

Ich glaube, Produkte und Lösungen müssen grundsätzlich sinnvoll für Kundinnen und Kunden sein, eine ihrer Herausforderung lösen, vor allem im B2B-Geschäft. Ansonsten performen sie nicht, unabhängig davon, ob wir eine Pandemie oder sonstige Krisen haben. Insofern gelingt uns das derzeit mit ähnlichen Methoden wie sonst auch. Abgesehen davon, dass die generelle Kundenkommunikation natürlich zum größten Teil digital erfolgt – wie in sehr vielen Bereichen.

Jasminka Horvat Martinović, CEO der Wiener osiguranje, der kroatischen Versicherungsgesellschaft der österreichischen Vienna Insurance Group, im ABW-Interview.

 

ABW führt die Serie erfolgreicher Frauen in Toppositionen in der CEE-Region fort. Wir befragten Jasminka Horvat Martinović, CEO der Wiener osiguranje, der kroatischen Versicherungsgesellschaft der österreichischen Vienna Insurance Group, die kürzlich gleich dreifach ausgezeichnet wurde. 

Frau Horvat Martinović, wenn wir Ihr Team fragen würden, was sie an Ihnen besonders schätzen, was würden sie aus Ihrer Sicht antworten?

Aus dem Feedback, das ich erhalten habe, schätzt mein Team vor allem meine klare Kommunikation, die positive Einstellung zur Arbeit, die transparente Vision, die Ziele und das Vertrauen in sie, sowie die Schaffung einer inspirierenden Atmosphäre im Unternehmen.

Meine persönliche Meinung dazu ist, dass mein Team vor allem meine Lust, Menschen zu verbinden, schätzt - unsere Firmenveranstaltungen und Workshops sind bei den Mitarbeitern der Wiener osiguranje immer sehr beliebt. Natürlich müssen wir aufgrund der aktuellen COVID-19-Situation sehr geduldig sein und auf die neue Chance warten, dass wir alle wieder zusammenkommen können, was diese Veranstaltungen noch mehr schätzen lässt. 

Sind das Ihrer Meinung nach auch die Fähigkeiten, die eine Frau in einer solchen Spitzenposition haben muss? Was für Qualitäten braucht eine gute Führungskraft?

Ich glaube nicht, dass sich die Qualitäten einer guten Führungskraft unbedingt in männlich und weiblich aufteilen lassen. Bei der Führung geht es um Menschen. Eine gute Führungskraft inspiriert ihre Teamkollegen zu kreativen Ideen, befähigt sie durch neue Herausforderungen und ermöglicht es anderen, durchsetzungsfähiger zu handeln. Und ganz wichtig - man muss auch ein guter Zuhörer sein. Am Ende gibt das alles dem Team Energie und Motivation, die für harte Arbeit und großartige Ergebnisse notwendig sind.

Führen Frauen anders als Männer?

Ich denke, dass gute Führungsqualitäten universell sind, aber die Führungsstile sind wahrscheinlich unterschiedlich - Frauen neigen dazu, mit mehr Empathie zu führen, mehr zu kommunizieren und sind mehr auf die Menschen ausgerichtet. Aber wenn es um Entscheidungen im großen Ganzen geht, kommt es immer auf die Expertise des Einzelnen an.

Wie ist das Geschlechterverhältnis von männlichen und weiblichen Vorstandsmitgliedern in Kroatien im Allgemeinen oder in der Finanzbranche?

Wenn es um den kroatischen Anteil insgesamt geht, gibt es noch Raum für Verbesserungen - die Zahl der weiblichen Vorstandsmitglieder in kroatischen Unternehmen wächst langsam, derzeit sind es etwa 20 %. Wiener osiguranje ist ein großartiges Beispiel in Kroatien - von drei Vorstandsmitgliedern sind zwei Frauen, eine davon ist CEO und die andere CFO.

Darüber hinaus gibt es im gesamten Unternehmen ein ungefähr ähnliches Verhältnis von weiblichen und männlichen Kollegen. Wir sind besonders stolz darauf, dass wir diese Zahlen nicht durch Quoten erreicht haben - es ist auf natürliche Weise passiert, wobei das Fachwissen einer der entscheidendsten Faktoren war.

In Deutschland wurde gerade eine verpflichtende Quote für Frauen in den Vorständen börsennotierter Unternehmen eingeführt. Sind Sie für eine Frauenquote? Gibt es so etwas auch in Kroatien?

Eine Frauenquote ist in kroatischen Unternehmen nicht verpflichtend. Ich glaube aber, dass der Erfolg in der Schwebe ist. Wir sollten uns alle an der Chancengleichheit orientieren und mehr positive Beispiele für Gleichberechtigung, Inklusion und Balance zwischen Berufs- und Privatleben geben. Frauen sollten ermutigt werden, mehr Risiken einzugehen und aus ihrer Komfortzone herauszutreten.

Die Wiener osiguranje ist eines der Mitglieder des 30%-Clubs - einer Initiative zur Förderung einer stärkeren Repräsentation von Frauen in Top-Management-Positionen, mit dem Ziel, eine Quote von mindestens 30% Frauen in Vorständen zu erreichen. Ich bin auch ein aktives Mitglied von PWMN Zagreb - Professional man and women network. Es ist ein Teil der PWN globalen Familie - eine Bewegung von Menschen, die durch berufliche Entwicklung und Networking auf eine ausgewogene Geschlechterverteilung in Führungspositionen hinarbeiten.

Lassen Sie uns über Ihren persönlichen Karriereweg sprechen. Was war aus Ihrer Sicht förderlich, was hat Sie behindert?

Mathematik war schon immer meine erste Liebe, und sie hat mir während meiner gesamten Karriere sehr geholfen. Ich habe gelernt, systematisch zu sein, Schlussfolgerungen zu ziehen, genau zu sein, präzise zu sein und das große Ganze zu sehen. Letztendlich hat mich das dahin geführt, wo ich heute bin - zur Versicherung.

Kroatien wurde Ende 2020 und zu Beginn des Jahres von heftigen Erdbeben heimgesucht. Die Wiener osiguranje hat die Opfer finanziell unterstützt. Haben Sie auch andere Maßnahmen gesetzt? 

Aufgrund unserer Rolle in der kroatischen Wirtschaft sahen wir es als unsere Pflicht zu helfen - nicht nur als Unternehmen, sondern auch als Arbeitgeber. Wir spendeten 500.000 kroatische Kuna (ca. 66.000 Euro) für die betroffenen Gebiet um Sisak und Petrinja, sowie an das Krankenhaus der Stadt Sisak. Wir haben auch unseren Mitarbeitern aus dem betroffenen Gebiet finanziell geholfen, damit sie so schnell wie möglich wieder ein stabiles Leben führen können.

Wir waren auch sehr stolz auf den Rest unserer Mitarbeiter, die sich auf eigene Initiative engagierten, indem sie finanzielle Hilfe für ihre Kollegen sammelten, sowie freiwillig bei der Renovierung des betroffenen Gebietes mitarbeiteten. In der kommenden Zeit planen wir, unsere bisherigen Initiativen fortzusetzen, um die kroatischen Bürger über die Bedeutung der finanziellen Bildung und der Versicherung ihres Eigentums aufzuklären.

Der Anteil der versicherten Immobilien in Kroatien ist immer noch immens niedrig und eine gute Aufklärung über die Wichtigkeit kann dies ändern. Uns ist natürlich klar, dass eine Versicherung niemals ihre Erinnerungen und ihr Zuhause zurückbringen kann, aber sie kann zumindest für Stabilität und Sicherheit sorgen, wenn es am wichtigsten ist.

Wie wichtig ist die soziale und gesellschaftliche Verantwortung für Ihr Unternehmen und für Sie persönlich?

Gesellschaftliche Verantwortung hat in unserer Unternehmenskultur einen hohen Stellenwert. Unsere CSR-Strategie ist gründlich eingebettet in das Kerngeschäft des Unternehmens, in unsere Beziehung zu den Mitarbeitern sowie zu unseren Kunden und natürlich in unsere Sicht auf Gesellschaft und Umwelt. Wir erreichen unsere strategischen Ziele, indem wir den Prinzipien einer verantwortungsvollen und konsequenten Unternehmensführung folgen.

Dies ist die Voraussetzung für einen sicheren und stabilen Betrieb, für Wachstum und die Beziehungen zu unseren Kunden, Aktionären, Vertriebspartnern und Mitarbeitern.

Als Kunde selbst ist es mir sehr wichtig, dass die Marke, die ich verwende, mit meinen persönlichen und geschäftlichen Werten übereinstimmt - sie muss nachhaltig sein und einen Mehrwert bieten. Ich persönlich glaube, dass diese Eigenschaften des Unternehmens für seine erfolgreiche Zukunft und Geschäftsstrategie unerlässlich sind.

Sie haben kürzlich drei prestigeträchtige Auszeichnungen von verschiedenen Institutionen in Kroatien erhalten. Beste Managerin, Managerin des Jahres und eine der 10 erfolgreichsten Geschäftsfrauen in Kroatien. Wie gehen Sie mit einer solchen Fülle an Auszeichnungen um? Welche Bedeutung haben diese Auszeichnungen für Sie?  

Während es für mich persönlich eine große Ehre und Freude ist, wäre ich ohne all die erfolgreichen und inspirierenden Kollegen, die Teil meines Teams sind, nicht da, wo ich heute bin. Ich betrachte diese Auszeichnungen nicht nur als meine, sondern als die aller Mitarbeiter der Wiener osiguranje- es ist die Anerkennung für alles, was wir seit Jahren aufbauen, und steht in Korrelation mit unseren Unternehmenswerten, vor allem unserer Kompetenz und Ergebnisorientierung.

Wie wichtig ist für Sie die berühmte Work-Life-Balance? Wie gehen Sie mit Familie und Beruf um?

Eine Zauberformel für die perfekte Balance und den Erfolg gibt es nicht. Was ich allerdings für entscheidend halte, ist die große Unterstützung meiner Familie, zusammen mit der Liebe zu meiner Arbeit. Herausforderungen anzunehmen, Verantwortung zu übernehmen, sowie Teamgeist sind gleichermaßen wichtige Komponenten im Berufs- und Privatleben.

Es ist extrem wichtig, kontinuierlich an sich selbst zu arbeiten, sich von Freunden und Kollegen inspirieren zu lassen und sich über deren Erfolge zu freuen. Die größte Hilfe ist meiner Meinung nach, sich mit Menschen zu umgeben, die die gleiche positive Einstellung zu Ausbildung, Karriere und Lebensbalance im Allgemeinen haben. Ich habe zwei Kinder, einen Jungen und ein Mädchen, und ich sehe sie als meine größte Stärke an. Die Zeit, die ich mit ihnen verbringe, inspiriert mich und ermöglicht es mir, meine Batterien wieder aufzuladen, sodass ich wieder bereit bin, mich den Herausforderungen des Arbeitsalltags zu stellen.

Zur Person

Jasminka Horvat Martinović studierte Mathematik und IT an der Fakultät für Naturwissenschaften in Zagreb sowie Versicherungsmathematik und genoss eine Ausbildung zum Aktuar. Während ihrer geschäftlichen Laufbahn absolvierte sie Business Performance Management am Management Center Europe in Brüssel. Seit 1998 ist sie in der Versicherungsbranche tätig.

Von 2003 bis 2013 war sie Vorstandsmitglied der Generali Gruppe, seit November 2013 ist sie Vorstandsmitglied und seit Mai 2018 Vorstandsvorsitzende der Wiener osiguranje VIG d.d. Im Dezember 2020 wurde sie in die Liste der zehn mächtigsten Frauen in der kroatischen Wirtschaft des Magazins Lider aufgenommen, und der Verband MBA Croatia ernannte sie zur Managerin des Jahres 2020. Sie wurde auch als Managerin des Jahres in der Kategorie Großunternehmen von CROMA, dem kroatischen Verband für Manager und Unternehmer, ausgezeichnet. 

Fotocredit: Wiener osiguranje

Neue Kunden, neue Herausforderungen – trotz Coronakrise ist die PR-Agentur Himmelhoch auf Erfolgskurs. Maßgeblich dafür verantwortlich: Gründerin und Geschäftsführerin Eva Mandl.

 

Himmelhoch PR ist eine der erfolgreichsten Agenturen Österreichs – wie hat sich Covid19 auf das Geschäft ausgewirkt?

Am Beginn der Krise war bei einigen Unternehmen dahingehend Überzeugungsarbeit notwendig, dass es gerade jetzt wichtig ist, mit den relevanten Dialoggruppen kontinuierlich, ehrlich und informativ zu kommunizieren, damit die eigenen Kunden, Mitarbeiter und Lieferanten Sicherheit erhalten, dass das eigene Unternehmen handlungsfähig bleibt und erfolgreich bestehende und auch zusätzliche Konzepte umgesetzt werden.

Nachdem wir Kunden aus den vielen unterschiedlichen Branchen betreuen und die Auswirkungen sehr branchenspezifisch sind, gleicht sich das aus. Kunden aus dem Tourismus, der Hotellerie, Gastronomie, Handel, Events haben reduziert oder wir setzen neue Aktivitäten für sie um als vor Corona.

Andere Branchen wie Medizin, Gesundheit, Logistik, IT, Technik setzen sogar mehr mit uns um. Wir bekommen auch laufend neue Kunden dazu. Denn immer mehr Unternehmen merken, dass es gerade jetzt wichtig und der richtige Zeitpunkt ist zu kommunizieren und sich auch auf die Zeit nach der Krise vorzubereiten.  

Sie kennt sowohl die Kunden- als auch die Agenturseite. Seit einigen Monate ist sie wieder im Kreativbusiness tätig. Ein ABW-Interview mit Claudia Froschauer, Head of Strategy bei primeconcept+.

 

Seit bald einem halben Jahr sind Sie Head of Strategy bei primeconcept+ – was fasziniert Sie an Ihrer neuen Tätigkeit? 

Filme waren immer schon meine Leidenschaft. Und die Abwechslung ist einfach großartig. Besonders gefällt mir an dieser Position, dass ich mich um die Transformationsprojekte im Unternehmen kümmern kann. Nach 15 Jahren in leitender Funktion in verschiedensten Branchen (Media, Stahlindustrie und zuletzt Bank- und Finanzdienstleistung), widme ich mich jetzt voll und ganz dem Kernthema Markenaufbau  und -führung.

Ich kann kreativ sein, bei Filmproduktionen mitwirken und hier eben auch meine Expertise als Markenspezialistin ausleben. Wir verwandeln uns gerade von der Filmproduktionsfirma zur Agentur für bewegende Markenführung. Am Unternehmen zu arbeiten, die zwei Geschäftsführer dabei zu unterstützen den Wandel so effizient wie möglich zu gestalten, das Team ins Boot zu holen, sich weiter zu entwickeln: All das sind spannende Herausforderungen, die sich mit meiner Leidenschaft für Strategiearbeit und Geschäftsmodell-Entwicklung sowie für den Aufbau von integrierter Kommunikation in Unternehmen optimal ergänzt. Zu gestalten, etwas zu bewegen, etwas Wertvolles zu erschaffen, macht eben nicht nur Sinn, sondern auch verdammt viel Spaß. ;) 

EPAMEDIA CEO Brigitte Ecker über die Kraft der Außenwerbung, persönliches Kundenservice und transparente Kommunikation.

 

Wie geht EPAMEDIA mit den schwierigen Marktbedingungen um?

EPAMEDIA ist sowohl national als auch regional ein führender Anbieter von Außenwerbung in Österreich. Die aktuelle Situation fordert die Medien-Branche, im Speziellen die Außenwerbung, stark heraus. Wir prüfen derzeit unsere strategischen Entscheidungen der Vergangenheit, um zukünftig als starker Partner für unsere Kunden weiterhin am Markt eine stabile vertrauensvolle Konstante zu sein.

Dennoch ist es auch heute noch unser Grundverständnis, eingeschlagene Wege und getroffene Entscheidungen soweit wie möglich konsequent umzusetzen. So haben wir uns im vergangenen Jahr den Widrigkeiten der Marktentwicklung bewusst entgegengestellt und sind den bereits 2019 eingeschlagenen Weg der Digitalisierung unserer Außenwerbeflächen weiter vorangegangen: Wir haben im Herbst 2020 digitale Citylights in Salzburg und Innsbruck gelauncht und möchten diesen Kurs auch in weiteren Städten fortsetzen. Gerade in schwierigen Zeiten wollen wir damit in die regionale Wirtschaft investieren. Die Optimierung und Erweiterung unseres Tafelparks hinsichtlich Qualität und Bedürfnisse der Zielgruppen ist ein laufender Prozess, welcher 2021 ebenfalls im Fokus liegt.

Neben der strategischen Entwicklung der Produkte haben wir auch interne Strukturen und Teams wie geplant weiterentwickelt, u.a. mit der Entscheidung, die Region Wien, NÖ und Süd mit einem Head of Regional zu besetzen, um mittel- und langfristige unsere Ziele zu erreichen.

 

Die gebürtige Wienerin und alleinerziehende Mutter von vier Kindern kann auf einen steilen Karriereweg in der von Männern dominierten Bau- und Immobilienbranche zurückblicken.

 

Wann und wodurch erwachte Ihr Interesse an der Bau- und Immobilienbranche?

Aus mir hätte gar nichts Anderes werden können als eine Baumeisterin. Schon mein Urgroßvater, DI Friedrich Heller, war eine Größe seines Fachs und war an der Planung des alten Westbahnhofs beteiligt. Mein Großvater war Bauamtsleiter in Salzburg, auch mein Vater war dann graue Eminenz am Bauamt und auch selbständig in diesem Bereich. Mir wurde das Bauen in die Wiege gelegt. Bevor ich noch wusste, was ein Mascara ist, wusste ich, was ein Meißel oder ein Mischer ist.

Wie haben Sie, als alleinerziehende Mutter von vier Kindern, Familie und Karriere gemanagt?

 Es war tatsächlich nicht immer einfach, alles unter einen Hut zu bringen. Doch man wächst an seinen Herausforderungen. Erfolgserlebnisse bestärken einen auf diesem Weg immens. Man wird zum multiplen Projektmanager in allen Lebensbereichen und findet kreative Wege und Lösungen – aus dieser Zeit habe ich viele wertvolle Erfahrungen mitgenommen. Inzwischen sind meine Kinder bereits erwachsen und stehen auf eigenen Beinen. Somit ist es um einiges leichter geworden. 

Dr. Christina Meinl hat die Geschäftsführung der Julius Meinl Austria GmbH übernommen. Damit leitet erstmals seit Jahrzehnten wieder ein Familienmitglied das heimische Traditionsunternehmen.

 

Seit 2010 ist Christina Meinl im Unternehmen tätig. Dafür beendete die studierte Ärztin und Mikrobiologin ihre Karriere in der Medizin: „Ich bin eine Meinl. Ich stehe für Kaffee in der 5. Generation. Kaffee ist in meiner DNA, ist meine Leidenschaft. Ich möchte traditionelle Kaffeekultur mit den neuen Spezialitäten am Kaffeemarkt verbinden.“

In den vergangenen 10 Jahren standen Marketing und Innovation im Fokus der 43-jährigen. Vor ihrer Übernahme der Geschäftsführung in Österreich leitete Christina Meinl den Bereich Global Innovation und Digital Marketing der Julius Meinl Coffee Group. 2020 wurde sie zudem zur Präsidentin der Speciality Coffee Association (SCA), des weltweit größten Kaffee-Verbandes gewählt. In dieser Funktion setzte Meinl auf eine „Sustainable Coffee Agenda“ – eine Initiative für mehr Nachhaltigkeit und Fair-trade Qualität am globalen Kaffeemarkt. Ein Ansatz, den Christina Meinl auch bei Julius Meinl Österreich verfolgt. Als Innovationschefin hat sie biologisch abbaubare Kaffeekapseln in Fair-trade-Qualität sowie kompostierbare Coffee2Go-Becher eingeführt.

Ein großes Anliegen ist Meinl das partnerschaftliche Verhältnis zu den oftmals auch eigentümergeführten Kunden in der Top-Gastronomie und Hotellerie: „Als Familienunternehmen in fünfter Generation sind wir uns unserer Verantwortung gegenüber unseren Kunden, auch in schwierigen Zeiten, bewusst. Vielen von ihnen sind wir bereits seit Generationen verbunden. Unsere Marke steht seit 158 Jahren für Premium-Qualität, bestes Service und Wiener Kaffeehauskultur.“ Wichtig ist Meinl, dass das traditionsreiche Unternehmen an den neuen Entwicklungen am internationalen Kaffeemarkt partizipiert: „Heute verbinden wir Kaffeehaustradition mit der „New Wave“. In unserer Julius Meinl Academy steht die erste Modbar Österreichs, wir bieten SCA Trainings und Workshops zu alternativen Brühmethoden und unsere Speciality Coffees erzielen höchste Bewertungen. Ich freue mich, Julius Meinl Austria in eine spannende Zukunft begleiten zu dürfen.“

Über Christina Meinl

Dr. Christina Meinl wurde 1978 in Wien geboren. Sie studierte medizinische Mikrobiologie in Schottland und London, gefolgt von Medizin in Wien. Sie spezialisierte sich auf Infektiologie und arbeitete bis zu ihrem Eintritt in das 1862 von Julius Meinl I. in Wien gegründete Unternehmen im Wiener St. Anna Kinderspital.

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