Interviews

Tatjana Oppitz steht seit rund sechseinhalb Jahren an der Spitze von IBM Österreich. Die Topmanagerin im Austrian Business Woman-Gespräch.

 

Vor zehn Jahren erschien die erste Ausgabe ABW. Ein Blick zurück: Wo standen Sie beruflich vor zehn Jahren und hätten Sie sich gedacht, dass Sie einmal an der Spitze von IBM Österreich stehen würden?

Vor zehn Jahren hatte ich eine internationale Rolle bei IBM inne. In meiner Verantwortung als Executive lag der Vertriebsbereich CEMEA. Anfang des Jahres 2011 kehrte ich beruflich nach Österreich zurück und übernahm die spannende Rolle der General­direktorin. Es war schon immer meine Aspiration, in den österreichischen Markt zurückzukehren und eine verantwortungsvolle Aufgabe zu übernehmen. Ein Erfolgsfaktor, um dies zu erreichen, war, stets offen für Neues und Veränderungen zu sein.

Seit mittlerweile zehn Jahren ist sie bei der Quality Austria – nun wurden Sie Leiterin der Abteilung Marketing Communications. ABW sprach mit Marisa Offner über ihr neues Aufgabengebiet.

 

Der Bereich Marketing Communications, den ich seit Februar 2022 leite, steht mit vielen Disziplinen eng in Kontakt und gilt somit als operative Schnittstelle im Unternehmen. Zum Bereich Marketing Communications gehört unter anderem die Verantwortung über Kommunikationskanäle und -instrumente wie die Öffentlichkeitsarbeit und die Verantwortung über unser gesamtes operatives Marketing, beispielsweise unsere Website, die Social Media-Kanäle, die Drucksorten oder unseren YouTube-Kanal. Auch in der Produktentwicklung sind wir involviert und gestalten so das Leistungsangebot der Quality Austria mit. Die Vor- und Nachbereitung von Veranstaltungen fällt ebenfalls in das Aufgabengebiet des Marketing-Teams und wir veranstalten regelmäßige Fachevents zu Themen wie Nachhaltigkeit, Gesundheit oder Lebensmittelsicherheit. Ganz aktuell befinden wir uns auf der Zielgeraden zu unserem jährlichen Event-Highlight, demqualityaustria Forum, welches am 16. März sowohl im Salzburg Congress als auch online stattfinden wird“, sagt Marisa Offner, der es ein persönliches Anliegen ist, die Quality Austria weiterhin als die Instanz für System-, Produkt- und Personenzertifizierungen am Markt zu platzieren, die Markenbekanntheit noch weiter auszubauen und dabei unterschiedliche Marketinginstrumente einzusetzen. „Selbstverständlich freue ich mich auch nach einer ersten Einarbeitungsphase immer mehr Fuß in meiner neuen Rolle zu fassen und gemeinsam mit meinem Team neue Ideen zu verfolgen“, so die Marketing-Spezialistin. 

Gemeinsam kreativ

An ihrem Job gefällt Marisa Offner besonders, die verschiedenen Aufgabengebiete des Marketing-Mix zu verantworten und unter einen Hut zu bringen. Gleichzeitig könne es natürlich herausfordernd sein, die vorhandenen Ressourcen bestmöglich einzusetzen – wenn beispielsweise von den vielen tollen Ideen, die im Team entwickelt würden, am Ende des Tages nur ein Teil davon umgesetzt werden könne. Damit müsse man umgehen können. 

Breite Produktpalette & umfangreiches Programm

Und welche Marketing- bzw. Kommunikationsschwerpunkte haben 2022 für die Quality Austria Priorität? „In unserem eingespielten Marketing-Team verfügen alle Mitarbeiterinnen in ihren jeweiligen Bereichen über umfassendes Know-how und Expertise. Somit können wir übers Jahr hinweg unterschiedliche thematische Schwerpunkte setzen, was bei der breiten Produktpalette, die die Quality Austria bietet, auch notwendig ist. Neben der Planung unserer Events und wiederkehrenden Projekten wie etwa unserem qualityaustria Kursprogramm widmen wir uns heuer unter anderem auch der Produktgestaltung in Anlehnung an aktuelle Themen, wie im Bereich Digitalisierung oder Kreislaufwirtschaft. Ein Augenmerk möchten wir heuer auch auf das breitgefächerte Trainingsangebot der Quality Austria legen, also auf die Ausbildungsvielfalt, die internationale Anerkennung und die vielen Angebote in den unterschiedlichsten Branchen“, so Offner, die ihren Arbeitsstil als sehr strukturiert und organisiert beschreibt. 

„Mir ist wichtig, nie das große Ganze aus den Augen zu verlieren. Andererseits gehe ich aber auch gerne neue und kreative Wege mit dem im Marketing so wichtigen Blick über den Tellerrand. Das Wohl und der Zusammenhalt des Teams haben für mich auch Priorität und mir ist ein vertrauensvoller, wertschätzender Umgang untereinander bzw. zu meinem Team sehr wichtig.“ 

Leidenschaft für Marketing

Schon vor ihrer Zeit bei Quality Austria hat Marisa Offner erste Erfahrungen in der Marketing-Assistenz bei diversen Betrieben in Wien und Kärnten gesammelt und gemerkt, dass es sich bei Marketing um ein Gebiet handelt, in dem sie sich wohlfühlt. Ihr Tipp für alle junge Menschen, die gerne in der Marketing-Branche durchstarten möchten: Einfach ausprobieren. Erst durch das „Schnuppern“ in diversen Bereichen, durch Praktika und erste Praxiserfahrungen lässt sich erkennen, wofür man brennt und auch was einem mehr oder weniger liegt.  

Foto: Quality Austria

Die Geschäftsführerin der Wien Holding blickt im ABW-Interview auf ein bewegtes Jahr zurück und appelliert in diesen schwierigen Zeiten zusammenzuhalten.

 

Ihr Blick zurück auf das Jahr 2020: Gab es – trotz Corona – auch Grund zur Freude?

Die Corona-Krise war und ist natürlich auch in den rund 75 Unternehmen der Wien Holding spürbar. Aber es hat trotzdem auch Grund zur Freude gegeben. Wir konnten in diesem Jahr wieder mehrere Wiener Schulen – unter anderem in der Novaragasse, der Carlbergergasse, der Grundäckergasse und an der Erlaaer Schleife – eröffnen, die von unserem Unternehmen WIP realisiert wurden.

In Neu Leopoldau wurden weitere Wohnbauten fertig gestellt und mit dem neuen Quartierzentrum das erste denkmalgeschützte Gebäude am Areal saniert. Die ARWAG und GESIBA konnten zahlreiche Bauten fertigstellen und in der Therme Wien wurde in Kooperation mit Wien Energie ein Projekt zur Fernwärmegewinnung gestartet.

Sind Sie zufrieden mit den bisher getroffenen Maßnahmen der Regierung? 

Die Zahlen zeigen, dass die Einschränkung der sozialen Kontakte, die Abstandsregeln und Hygienevorschriften dazu beitragen, den Anstieg der Infizierungen abzuflachen. Die Maßnahmen der Regierung zeigen also Wirkung. In dieser, für uns alle neuen, Situation ist es wichtiger denn je, aufeinander zu achten und Rücksicht zu nehmen. Daher unterstützen wir die Maßnahmen unserer Bundesregierung. 

Ein ABW-Gespräch mit Dipl. Ing. Sigrid Oblak, seit zehn Jahren Geschäftsführerin der Wien Holding, über Geschäftshighlights, ihre Erwartungen an die Politik und Pläne für dieses Jahr.

 

Sind Sie zufrieden mit dem Geschäftsjahr 2019 gewesen?

Wir sind sehr zufrieden. Wir gehen davon aus, unser Rekordergebnis vom letzten Jahr nicht nur zu halten, sondern weiter steigern zu können. Im Jahr 2018 konnten wir ja das beste Ergebnis unserer Unternehmens­geschichte vorlegen mit rund 552 Millionen Euro Umsatz im Gesamtkonzern, einer Bilanzsumme von rund einer Milliarde Euro und einem Gesamt-Konzernergebnis von 64,6 Millionen Euro. 

Welche Projekt Highlights gab es?

Besonders gefreut hat mich, dass wir 2019 wieder zahlreiche Projekte im Immobilien- und Medienbereich erfolgreich abschließen konnten. Die WIP Wiener Infrastruktur Projekt GmbH, die für uns im Auftrag der Stadt Wien Schulerweiterungs- und -neubauten realisiert, konnte gleich mehrere Schulen fertigstellen, in Neu Leopoldau wurden die ersten 220 Wohnungen fertig und Anfang November konnten die ersten Mieterinnen und Mieter den ersten „Gemeindebau NEU“ in der Fontanastraße beziehen. Bei so vielen erfolgreichen Projektabschlüssen habe ich keinen Grund zur Klage.

Die Neurowissenschafterin gehört seit September zum Managementteam des Institute of Science and Technology Austria und verrät im ABW-Interview, warum das Forschungszentrum neue Zielgruppen ansprechen möchte.

 

„Ich bin froh, dass das IST Austria sich entschlossen hat, sein Engagement für Science Education zu stärken. Die ersten Monate dienen der strategischen Orientierung – zunächst gilt es, sich mit wichtigen Stakeholdern zu vernetzen und gemeinsam Ideen zu entwickeln. Mit manchen Ideen konnten wir auch schon in die Umsetzung gehen, zum Beispiel mit einer neuen Fortbildungsreihe für Lehrende. Das macht Freude“, erzählt Gaia Novarino über ihre neue Aufgabe als Vizepräsidentin.

In ihrer Haupttätigkeit als Professorin am IST Austria leitet die Wissenschaftlerin eine Forschungsgruppe zu genetischen Einflussfaktoren von Autismus. „Wir hoffen, darauf aufbauend personalisierte Medikamente für schwere Formen von Autismus entwickeln zu können, deswegen bin ich auch einem Start-up involviert. Seit kurzem verfolge ich in meiner neuen Rolle als Vizepräsidenten unseres Instituts für Science Education das Ziel, naturwissenschaftliche Bildung in Österreich zu verbessern und zugänglicher zu machen“, so Novarino, die als Wissenschaftlerin vor allem der einzigartigen Möglichkeit angetan ist, das Unbekannte zu erforschen und grundlegende Mechanismen aufzudecken, nach denen unser Gehirn funktioniert.

„Ich betrachte dies als ein unglaubliches Privileg. Ich hatte wirklich das Glück, die Ausbildung zu erhalten, die mir dies ermöglichte. Zwar muss nicht jeder diesen Weg einschlagen, aber jeder sollte die Möglichkeit dazu haben. Darüber hinaus ist die Wissenschaft in unserem täglichen Leben allgegenwärtig. Kritisches Denken und wissenschaftliches Grundverständnis sind eine Schlüsselkompetenz, um sich in der Welt zu orientieren, und beispielsweise Pandemien zu verstehen. Dazu muss man wissen: Wie interpretieren wir Daten und einfache Statistiken? Wie wirken Impfstoffe? Wir möchten auch, dass mehr Menschen die wissenschaftliche Erkenntnismethode schätzen lernen“, sagt die mehrfach ausgezeichnete Spitzenforscherin.

Aktivitäten für Schüler und Pädagogen

Ihre Ambitionen für die kommenden Jahre sind groß. „Mit dem Science Education Team am IST Austria planen wir eine wachsende Zahl von Aktivitäten, die auf verschiedene Gruppen, von Pädagogen bis zu Schülern zugeschnitten sind. Wir denken, dass das IST Austria in ein paar Jahren nicht nur als exzellentes Forschungsinstitut, sondern auch als Drehscheibe für wissenschaftliche Bildung anerkannt sein kann. Wenn wir ein bisschen träumen dürfen, dann wünschen wir uns in ein paar Jahren, dass es Menschen gibt, die in ihrem Leben andere Entscheidungen treffen, weil sie Zugang zu einer besseren Ausbildung hatten.“

Ihre Wunschliste für das 2022 ist lang: „Zunächst einmal gilt es, unser Team auszubauen und zu etablieren, und dann wollen wir natürlich auch mit Experten im Bildungsbereich in Kontakt treten und uns ein besseres Bild davon machen, was benötigt wird und wie wir helfen können. Und dann ab an die Arbeit!“

Foto: IST Austria

Ihre Politisierung war ein langsamer, unaufhaltsamer Prozess der stark durch ihre alleinerziehende Mutter geprägt war. 

 

„Wir wohnten im Karl-Marx-Hof, einem in den 1930er Jahren entstanden Gemeindebau im 19. Wiener Bezirk, in welchem meine Mutter als Hausmeisterin tätig war. Für jüngere Leser ist die Rolle der Hausmeisterin möglicherweise schwer vorstellbar, aber neben den klassischen Aufgaben, die dieser Beruf mit sich bringt, war auch die soziale Komponente sehr wichtig. Meine Mutter mit ihrem offenen und herzlichen Wesen war daher Ansprechpartnerin für vielfältige Sorgen und Probleme aus der Nachbarschaft. Durch ihre Handlungen und ihre fürsorgliche Art prägte sie früh meine Vorstellungen von Zusammenhalt, Offenheit und Respekt. Werte, die mich seither begleiten, und Werte, die mich antrieben, zunächst als Schulsprecherin und anschließend Landesschulsprecherin tätig zu werden. Mit dem Start der Tätigkeit als Schulsprecherin erwachte mein politisches Interesse vollends“, erzählt die Soziologin.

Seit November 2020 setzt sie sich in der Wiener Fortschrittskoalition, bestehend aus SPÖ und NEOS, für eine soziale, innovative und nachhaltige Stadt ein, in der der Mensch im Mittelpunkt steht. „Dabei wollen wir die außergewöhnlich hohe Lebensqualität für alle Wiener langfristig garantieren. Als Digitalisierungssprecherin liegt mein Hauptaugenmerk auf den umfassenden Digitalisierungsschritten, welche wir in Wien bis 2025 umsetzen werden. Von der digitalen Stadtverwaltung, welche den Bürgern die Behördenwege erleichtern soll, bis zu der Etablierung einer digitalen Datenstrategie, haben wir uns einiges vorgenommen.“

Gute und weniger gute Wege

Drei Qualitäten, die Max Weber definiert hat, zeichnen für Barbara Novak einen guten Politiker aus: Leidenschaft, Verantwortungsgefühl und Augenmaß. Persönlich kann sie diesen Eigenschaften viel abgewinnen – speziell wenn damit der Politikverdrossenheit entgegengewirkt werden soll.

„Ich denke, dass man hierbei stark differenzieren muss. Einerseits gibt es ein vollkommen berechtigtes Misstrauen gegenüber Politikern, welche das Vertrauen der Bevölkerung in der Vergangenheit aufs Spiel gesetzt haben. Andererseits sehe ich in der jetzigen Corona-Pandemie ein großes Vertrauen und einen starken Zuspruch der Wiener Bevölkerung zu dem Weg, den unser Bürgermeister Michael Ludwig eingeschlagen hat. Ich denke daher, dass der Wiener Weg ein gelebtes Beispiel dafür ist, dass sich mit offener und ehrlicher Politik die besten Brücken bauen lassen und genau durch dieses Verantwortungsbewusstsein wird das Vertrauen in die Politik gestärkt“, ist Novak überzeugt.

Gleiches Recht für alle

Was steht bei der Politikerin ganz oben auf der Wunschliste? „Mein politischer Weg führte mich von der Bildungspolitik, über die Gewerkschaftsarbeit bis zu den Digitalisierungs- und Wirtschaftsagenden. Dabei durfte ich viele politische Maßnahmen diskutieren und umsetzen. Ein Überbegriff, welcher mich bei vielen dieser Maßnahmen begleitete, ist die Chancengerechtigkeit, also der gerechte und faire Zugang zu unterschiedlichen Ressourcen. Mein Wunsch ist die Umsetzung der Chancengerechtigkeit. Von gerechten Bildungschancen beim Zugang zu frühkindlicher, Schul-, Erwachsenen- und Hochschuldbildung, über gerechte Chancen zwischen den Geschlechtern, bis zum gerechten Zugang in der Gesundheitspflege."

Fotot: SPÖ Wien / Sibrawa 

Sie kennt die Wünsche und Sorgen der heimischen Touristiker genau. Austrian Business Woman sprach mit der Obfrau der Bundessparte Tourismus in der WKO.

 

Hat sich der heimische Tourismus zu spät mit dem Thema Digitalisierung auseinandergesetzt? 

Ich glaube, dass sich gerade der Tourismus in Sachen Digitalisierung früher und intensiver als viele andere Branchen mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Wir sind sofort auf den Zug aufgesprungen, denken Sie beispielweise an digitale Buchungsplattformen, die seit vielen Jahren am Markt präsent sind und sowohl auf das Buchungsverhalten der Gäste, aber auch auf die Gastgeber großen Einfluss haben. Gäste buchen immer kurzfristiger, abhängig von Wetterlage und vorhandenem Budget, oftmals drückt der Gast auf den Buchungsknopf am Handy und steht schon an der Rezeption. Das erfordert viel Planung und Flexibilität seitens der Gastgeber. 

Seit dem Vorjahr steht Petra Nocker-Schwarzenbacher an der Spitze der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft. Mit ABW spricht sie Klartext über Beamte und Bürokratie.

Ein erstes Resümee als Obfrau?
Es ist schön, sagen zu können: Ich bereue diesen Schritt sicherlich nicht. Viel Freude an der Arbeit, aber auch viele Termine, dafür aber gute Gespräche. Doch abgerechnet wird bekanntlich erst am Schluss. Ich weiß, dass wir auf einem sehr guten Weg sind! Erst zu Beginn dieses Jahres haben wir unser 8- Punkte Programm für einen nachhaltigen Erfolg der Tourismus- und Freizeitwirtschaft präsentiert, in dem die Schwerpunkte meiner Arbeit definiert werden. Themen wie die Verbesserung des Image der Branche, Entbürokratisierung, Betriebsübergaben, die Senkung der Arbeitskosten sind nur einige meiner Themen für die nahe Zukunft.

Das Interesse für Politik wurde im Elternhaus, später dann durch Jörg Haider, geweckt. Ausschlaggebend für Mag. Ulrike Nittmann sich in der Politik zu engagieren, war H.C. Strache. 

 

Die Politik habe noch sehr viel zu tun, was, stehe in dunkelblauer Handschrift im Regierungsprogramm: „Vor allem im Bereich der Bildungs-, Gesundheits- und Sicherheitspolitik.“ Dazu komme die Bewahrung der österreichischen Identität: „Viele, die von der Bereicherung durch außereuropäische Kulturen phantasieren, kennen die Vielfalt der eigenen Kultur nicht oder sind daran – oftmals aus ideologischer Borniertheit – nicht interessiert“, so Mag. Ulrike Nittmann, die an der politischen Arbeit vor allem schätzt, die eigene Gesinnung einbringen zu können und mit interessanten, umsetzungsstarken, mutigen Leuten in Verbindung zu kommen. „Allen voran in Wien Vizebürgermeister Dominik Nepp, geschäftsführender Landesparteiobmann Mag. Johann Gudenus und Stadträtin Ursula Stenzel.“

Ihr Rezept gegen Politikverdrossenheit: „Eine bürgernahe Politik nicht als Populismus verunglimpfen; mehr auf die Menschen hören, statt ihnen das Gefühl zu geben, sie seien ohnmächtig und die „da oben“ könnten sich alles richten. Nicht nur Toleranz einfordern, sondern auch üben: das gilt insbesondere für die „weltoffene“ Linke, deren Toleranz schon beim Nachbarn aufhört, der es wagt, eine vom „Gutmenschen-Mainstream“ abweichende Meinung zu haben.“

Frauen, sagt die Rechtsanwältin, hätten es vor allem in der FPÖ nicht schwerer als Männer. „Hier haben Frauen in Spitzenfunktionen eine lange Tradition: ob als Bundespräsidentenkandidatin, Vizekanzlerin, Parteichefin, Landesparteiobfrau, Bundesministerin, Wiener Bürgermeisterkandidatin, oder Nationalratspräsidentin – wenn eine Frau in der Politik wirklich hoch hinaus will, dann kann sie es am ehesten bei den Freiheitlichen.“

Foto: FPÖ

 

Der Karriereweg von Mag. Renate Niklas ist eindrucksvoll. Seit zwei Jahren ist sie Geschäftsführerin der Friedhöfe Wien GmbH und liebt ihren Job – nicht nur, weil sie gerne Schwarz trägt. 

 

Die Büros der Friedhöfe Wien GmbH befinden sich vis a vis des altehrwürdigen Zentralfriedhofes in einem modernen Gebäude, dessen Erscheinungsbild von einer statischen, aber äußerst sehenswerten Fassade geprägt ist. In der weitläufigen Eingangshalle befindet sich der Kundenbereich mit großzügigen Beratungsschaltern, sowie Ausstellungsbereiche für Grabsteine, Urnen und Särge. Düstere Gedanken kommen dennoch nicht auf, denn Oblichtdecken sorgen dafür, dass genügend Tageslicht seinen Weg in die Räumlichkeiten findet.

Hier, wo sich alles ausschließlich um die letzte Ruhestätte dreht, ist das Reich von Mag. Renate Niklas. Sie ist seit zwei Jahren bei den Friedhöfen Wien tätig. Als Geschäftsführerin obliegt ihr die Verwaltungshoheit über 46 Friedhöfe mit insgesamt rund fünf Millionen Quadratmeter Fläche sowie die Verantwortung für rund 400 Mitarbeiter. Für Renate Niklas ein Betrieb überschaubarer Größe, war sie als Leiterin der Human Relations bei den Wiener Linien doch für immerhin 8.000 Mitarbeiter zuständig. 

Mag. Renate Niklas, Geschäftsführerin der Friedhöfe Wien GmbH

Christine Niedereder hat die Leitung von Vertrieb und Marketing bei GRIFFNER übernommen. Sie trägt damit Verantwortung für den Erfolg der Premium-Marke in Österreich und Deutschland.

 

Niedereder (35) kommt aus der Automobilwirtschaft. Sie startete ihre Karriere vor zehn Jahren bei Porsche Austria, wo sie in so unterschiedlichen Bereichen wie Marketing, Werbung, Service und Finanzen tätig war. 2013 wechselte sie zu Seat und 2015 weiter zu Jaguar Land Rover. In beiden Unternehmen war sie für die Vertriebsagenden zuständig.

„Nach zehn sehr schönen Jahren in der Autobranche war es Zeit für einen Perspektivenwechsel“, begründet Niedereder ihren Quereinstieg in die Bauwirtschaft. „Ist schon ein Auto ein sehr emotionales Thema, so gilt das noch viel mehr für das private Einfamilienhaus. Der große Unterschied ist allerdings, dass das Haus meist eine Lebensentscheidung ist.“ 

Neben der Branche baut Niedereder auch ihren Arbeitsbereich um. „Anders als in internationalen Konzernstrukturen kann ich hier, in einem eigentümergeführten österreichischen Unternehmen, Vertrieb und Marketing verbinden – eine unbedingte Notwendigkeit aus meiner Sicht“, so die ambitionierte Allrounderin.

Sie folgt in dieser Position Dr. Stefan Jausz nach, der das Unternehmen nach vielen erfolgreichen Jahren im Sommer dieses Jahres verlassen hat.

Foto: Griffner

Sie ist nicht nur eine der renommiertesten Ernährungswissenschafterinnen in Österreich, sondern auch die aktuell erfolgreichste. 

 

Dr. Claudia Nichterl hat bereits mehr als 8.000 Beratungen und 1.000 Kochkurse geführt, hunderte Ernährungsexperten ausgebildet und über 30 Fachbücher publiziert. Und ausgerechnet im „Corona-Jahr“, als viele ihre berufliche Existenz massiv bedroht sahen, startete die 50-Jährige ein neues Online-Business.

Sie konzipierte ein innovatives, zeitgemäßes und qualitativ hochwertiges Ausbildungsprogramm, gründete die „Dr. Claudia Nichterl – Akademie für integrative Ernährung“ und legte sogleich mit dem ersten Lehrgang los. 

Das war vor genau einem Jahr – und das Konzept ging mehr als auf: Über 100 Absolventen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz wurden seither zu zertifizierten Ernährungsexperten ausgebildet, der dritte Lehrgang läuft derzeit, im Oktober startet der vierte. Dr. Claudia Nichterl ist dabei nicht nur die Top-Expertin und Business-Mastermind, sondern zugleich ein Role-Model: Sie macht anhand der eigenen Geschichte klar, dass es neben der Ernährung auch um eine Lebenseinstellung geht, seinen eigenen Weg abseits von Modetrends und Diätvorgaben zu finden.

Oberstes Ziel ist es, sich gesund zu fühlen und dabei alle zur Verfügung stehenden Hilfsmittel zu Rate zu ziehen. Gesundheit und Lebensfreude für mindestens eine Million Menschen – das ist ihre Mission. 

„Ich wusste schon immer, was ich vermitteln will: Dass Ernährung „leicht“ ist, „Einfach essen – leichter leben“. Die Rechnung ist einfach: Wenn ich an der Akademie 1.000 Menschen ausbilden, ihnen alles beibringe, was ich selbst gelernt habe, ihnen den Weg verkürze, damit sie rasch und punktgenau die besten Ernährungstipps geben können, und wenn diese Menschen im Laufe ihrer Tätigkeit auch 1.000 Menschen betreuen, dann machen wir gemeinsam eine Million Menschen gesünder“, so Dr. Nichterl, die sich noch genau an den ersten Lockdown erinnern kann: „Er war mein Highlight. Irgendwie verrückt. Doch in dieser Zeit bekam ich viel positives Feedback. Warum? Eigentlich habe ich bloß täglich mein Mittagessen gekocht – live auf Facebook. Die Rezepte und Tipps zur Vorratshaltung gab es zum Download. Ich fühlte mich nicht alleine – ich kochte, was ich liebe, und wurde von vielen begleitet. Das Feedback war unglaublich – wenn ich daran denke, bin ich noch immer tief bewegt.“

Win-Win-Perspektive

Neben profundem Ernährungswissen wird den Teilnehmern von Claudia Nichterls Kursen auch ein neues berufliches Standbein ermöglicht. So ist die 8-monatige berufsbegleitende Ausbildung geeignet für allgemein ernährungsinteressierte Menschen jeden Alters, für Menschen, die mit einer gesundheitsorientierten Ausbildung einen beruflichen Weg einschlagen möchten und als Fortbildung bzw. Zusatzkompetenz für bildungsinteressierte Menschen aus dem Gesundheitsbereich, wie z. B. Ärzte, Physiotherapeuten, Psychotherapeuten, Krankenschwestern und -pfleger, Hebammen, Heilpraktiker, Diätologen und Ernährungsberater, aber auch Kosmetikerinnen, Friseure, Masseure, Fitnesstrainer, Coaches etc.

„Wir unterstützen einerseits die Zielgruppe der hilfesuchenden Privatpersonen, wir tragen aber auch mit fast ausschließlich digitalen Medien und Bildungsangeboten zur Professionalisierung von selbstständig wirkenden Unternehmen bei und decken deren Informationsinteressen nach Integrativer Ernährung auf wissenschaftlichem und praktikablen Niveau ab“, so Dr. Claudia Nichterl.

Die Ausbildung

  • Know-how. „Wichtig ist uns, dass wir komplexe Zusammenhänge auf eine leicht verständliche, praktikable und alltagstaugliche Weise vermitteln. Wir geben ernährungswissenschaftliches Wissen auf höchstem Niveau weiter und beziehen dabei tradiertes Volkswissen aus unterschiedlichen Kulturen mit ein. Die psychologische Komponente in Bezug auf Ernährung, aber auch das Wissen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und Traditionellen Europäischen Medizin (TEM) sowie Heilkräuterkunde spielen dabei eine große Rolle“, erklärt Dr. Claudia Nichterl. „Wir sind innovativ, vielseitig vernetzt, medial präsent und haben den Anspruch, dass unsere Online-Bildungsveranstaltungen zu den besten im deutschsprachigen Raum gehören.“
  • Digitalisierung. „Wir unterstützen unsere Teilnehmer in einer digitalisierten Welt. Wir verwenden die modernsten unternehmerischen Ansätze und lassen uns durch die Digitalisierung inspirieren.“
  • Respekt & Chancengleichheit. „Bei der Vermittlung von Wissen ist uns ein wertschätzender und respektvoller Umgang mit Menschen und Themen sehr wichtig. Die Akademie steht allen Menschen offen, unabhängig von Geschlecht, politischer Gesinnung, Religion, Hautfarbe oder anderen individuellen Faktoren.“
  • Qualifikation & Mehrwert. „Wir wollen in den nächsten fünf Jahren mindestens 1.000 Lehrgangsteilnehmer ausbilden, damit sie das „1000x1000 Movement der Integrativen Ernährung” verbreiten können. Die Absolventen sollen das erlernte Wissen und die dahinter liegende Einstellung im Rahmen der Erwachsenenbildung ebenfalls in ihren eigenen Ordinationen, Praxen, Organisationen und Studios nachhaltig weitergeben.“
  • Female Entrepreneurs. „Ein großer Schwerpunkt neben der Wissensvermittlung ist die Stärkung von Frauen zum erfolgreichen Führen ihres Unternehmens. Aus der eigenen Erfahrung des Teams wollen wir den Female Entrepreneurs Werkzeuge in die Hand geben, damit sie sich unnötige Umwege auf dem Weg ins Unternehmertum ersparen. Wir unterstützen daher unsere TeilnehmerInnen – mehr als 95 % sind weiblich – u. a. dabei, eine bedeutende Playerin im Ernährungsektor zu werden, ohne den Fehler zu begehen, sich selbst und ihre eigenen Ressourcen auszubeuten. Unser Ziel ist es, mit integrativer Ernährung den Weg von der One-Woman-Show zur Unternehmerin mit Angestellten vorbildlich zu unterstützen. Als Werte in unserer Erwachsenenbildung stehen Gesundheit, Selbstliebe und Erfolg.“

Foto: Claus Ranger

Kerstin Neumayer wird Marketingleiterin der Wiener Traditionsbrauerei Ottakringer. Bis Anfang 2019 war sie Vorstandsvorsitzende der MERKUR Warenhandels AG , davor 20 Jahre Billa Marketingleiterin.

 

Matthias Ortner, Geschäftsführer der Ottakringer Brauerei: "Ich bin davon überzeugt, dass wir mit ihr die Marke Ottakringer auf ein neues Level heben werden. Sie passt perfekt zu uns und ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit.“

Kerstin Neumayer: „Ich freue mich sehr darüber, Teil eines innovativen, österreichischen Traditionsunternehmens zu werden und meine langjährigen Erfahrungen im Bereich Management und Markenführung einbringen zu können. Meine Aufgabe ist es, Ottakringer als Marke für die Menschen erlebbar zu machen. Ich mag das Bier, ich mag die Marke und ich freue mich darauf, die Zukunft maßgeblich mitzugestalten.“

Über die Ottakringer Brauerei: Die Ottakringer Brauerei gibt es seit 1837. Sie ist die letzte große Wiener Brauerei und gleichzeitig eine der letzten großen unabhängigen Brauereien Österreichs. Als mittelständischer Familienbetrieb ist diese Unabhängigkeit besonders wichtig. Markenzeichen sind der kompromisslos hohe Qualitätsanspruch, die reiche Bier-Vielfalt von mehr als 15 verschiedene Biersorten und die urbane Lebensfreude. Die Ottakringer Brauerei beschäftigt rund 180 Mitarbeiter, braut jährlich 490.000 Hektoliter Bier und erzielte im Jahr 2018 einen Umsatz von rund 80 Millionen Euro. Dank der einmaligen Eventlocations am Brauereigelände ist sie auch ein fester und nicht mehr wegzudenkender Teil des Wiener Stadtlebens.

Kerstin Neumayer begann ihre berufliche Laufbahn 1993 bei der Billa AG im Bereich Vertrieb. Bereits ein Jahr später übernahm sie die Leitung des Marketings, im Jahr 2000 wurde ihr die Prokura übertragen. In ihrer Funktion als Marketingleiterin zeichnete sie für die strategische Markenführung, die gesamte Werbekampagne, sämtliche Kundenbindungsprogramme, New Media und E-Commerce verantwortlich. 2014 wechselte sie in den Merkur-Vorstand, 2016 wurde sie zur Vorstandsvorsitzenden der Merkur Warenhandels AG ernannt und war im Wesentlichen für Strategie, Business Development, Marketing, Einkauf, Category Management, Human Resources und Controlling verantwortlich.

Foto: Rewe

Sie will etwas bewegen, weiterbringen. Ihre Hauptziele: Familien, die von der Teuerungswelle betroffen sind, zu unterstützen und ein Tourismus, der auf Qualität statt Quantität setzt.

 

Ich kämpfe zusammen mit meinem Team und mit meiner Partei jeden Tag dafür, dass wir Maßnahmen umsetzen können, die unser Leben verbessern. Das ist ein besonderes Privileg. Denn jedes Mal, wenn uns etwas gelungen ist, mag es jetzt groß in der Zeitung stehen oder nicht, bekomme ich ein tiefes Gefühl von Zufriedenheit und dieses Gefühl ist unersetzbar“, sagt Barbara Neßler.

Psychotherapie auf Krankenschein

„Insgesamt erleben wir keine einfache Zeit. Von der Klimakrise, wo es um nichts Geringeres als um die Überlebensfrage geht, bis hin zur Teuerungskrise. Klar ist, dass vor allem jene darunter leiden, die es davor schon nicht einfach hatten. Darum ist es mir als Familiensprecherin so wichtig, dass wir Familien so gut wie möglich unterstützen und nicht noch mehr in die Armutsfalle abrutschen lassen, aus der sie nur schwer wieder rauskommen“, so die Politikerin. Gleichzeitig würde man bemerken, dass es vielen Menschen derzeit auch psychisch nicht gut gehe. „Wir müssen verstehen, dass das Leben mit einer psychischen Erkrankung keine Schwäche ist, sondern im Gegenteil viel Kraft kostet. Hier führt kein Weg an Psychotherapie auf Krankenschein vorbei“, meint die gebürtige Dornbirnerin.

Tourismus neu gedacht

Als Tourismussprecherin setzte sie sich dafür ein, in diesem Bereich wieder Pioniere zu werden und Tourismus neu zu denken. Ihr Ziel: Ein Tourismus, unter dem die Natur nicht leidet, von dem die Bevölkerung profitiert und der Wertschöpfung im Sinne von Qualität statt Quantität generiert. „Um ein Beispiel aus meiner Tiroler Heimat zu nehmen: Der Kaunertaler Gletscher schmilzt im Zuge der Erderwärmung dahin, sodass Schifahren vor und nach der Wintersaison nicht mehr möglich ist. Nun gibt es auch ein Problem mit der Liftanlage, weil die Stützen aufgrund der Eis- und Schneeschmelze nicht mehr stabil stehen. Was wird nun überlegt? Die Liftstützen zu versetzen, damit es möglichst gleich weitergehen kann wie bisher. Das ist teuer, aber nicht nachhaltig, denn wir haben Prognosen, dass in ein paar Jahrzehnten die Alpengletscher weitgehend abgeschmolzen sein. Anstatt zu überlegen, wie sinnvoll in einen zukunftsträchtigen Tourismus investiert werden kann, fließen die Ressourcen aber in naturschädigende Maßnahmen, die keine Zukunft haben“, mahnt Neßler.

Gesetze gegen das Gift im System

Leider sei das politische Klima wesentlich rauer geworden und vielen Politikern gehe es um schnelle Schlagzeilen, anstatt zusammen daran zu arbeiten, wie gemeinsam Verbesserungen umgesetzt werden könnten. „Für mich ist wichtig, dass wir etwas weiterbringen und uns nicht in internen Machtkämpfen verlieren“, meint die Nationalrätin, deren Engagement von Gerechtigkeit, Empathie und Feminismus geprägt ist. Um das schlechte Image der Politik zu bekämpfen, setzt sie sich für Gesetze ein, „die das Gift aus dem System bekommen, im Sinne von Transparenz und Antikorruption. Daran arbeiten wir.“ Im persönlichen Gespräch geht sie auf Wünsche und Sorgen der Bevölkerung ein, denn: „Nur wenn wir wirklich zuhören, werden wir verstehen, was die Leute beschäftigt. Und dabei können wir auch vermitteln, dass wir nicht alle so sind, wie viele denken.“

Foto: Die Grünen

Mit Dr. Ulrike Mursch-Edlmayr steht erstmals in der 70-jährigen Geschichte der Apothekerkammer eine Frau an der Spitze. ABW sprach mit der Pharmazeutin über ihre Tätigkeit.

 

Sie sind die erste Frau an der Spitze der Apothekerkammer – war es schwierig, sich gegen die männliche Konkurrenz durchzusetzen?

Ich setze mir klare Ziele und versuche, meine Ziele mit Teamgeist und Ausdauer auch zu erreichen. Seit ihrem 70-jährigen Bestehen bin ich die erste Frau an der Spitze der Apothekerkammer. Damit wird endlich die Wirklichkeit abgebildet, denn unser Berufsstand ist zu 90 Prozent weiblich. Jede zweite Apotheke wird von einer Frau geführt. Trotzdem war die Standesvertretung auch bei uns männlich dominiert.

Wie würden Sie Ihre Arbeitsweise beschreiben?
Ich bin ein strukturiert arbeitender Mensch. Die Struktur schafft die Freiheit und den Rahmen, kreativ an neue Lösungswege heranzugehen. Meine Devise: Gemeinsam kämpfen – gemeinsam siegen! Ich bin ein überzeugter Teamplayer, Synergien und Stärken der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter richtig einzusetzen ist enorm wichtig, wenn man langfristig Erfolg haben möchte.

Sie ist für die strategische Geschäftsentwicklung von IKEA Österreich verantwortlich. ABW sprach mit der Managerin über Umsatzrekorde, Nachhaltigkeitspläne und veränderte Kundenbedürfnisse.

 

Ein Blick zurück auf das Geschäftsjahr 2020 – Ihr Résumé?

Wir waren wie so viele andere in diesem Jahr mit unzähligen Herausforderungen durch die Coronakrise konfrontiert. Unsere Einrichtungshäuser waren sieben Wochen lang geschlossen – eine Bewährungsprobe, die wir gemeinsam und weil wir alle an einem Strang gezogen haben, gemeistert haben. Als wir dann Anfang Mai wieder unsere Tore öffnen konnten, waren wir erleichtert: Denn die Woche nach dem Lockdown, Anfang Mai, war die Beste aller Zeiten in Österreich. Der Umsatzausfall während der Corona-bedingten Schließung konnte in dem Zeitraum von Anfang Mai bis Ende August aufgeholt und sogar ausgebaut werden. 

2011 schloss Stefanie Mösl das Studium „Molekulare Biologie“ ab. Seit 2018 ist sie Abgeordnete des Salzburger Landtags und Sprecherin für Bildung, Kunst & Kultur, Wissenschaft & Forschung. 

 

Für Stefanie Mösl ist Europa das größte Friedensprojekt der Welt und der Beweis, dass die Grundsätze der Demokratie Länder einen, sie dabei aber trotzdem ihre eigene Identität und Vielfalt bewahren. „Es ist einstarkes Zeichen, dass Probleme länderübergreifend gelöst werden, dass gemeinsames Diskutieren und Reden zu Lösungen führt, die nachhaltig und erfolgreich sind.“

Den „Brexit“ sieht sie deshalb als Mahnung, der die Notwendigkeit zeigt, mit aller Kraft weiter an Europa zu arbeiten. „Daran erkennt man, was herauskommt, wenn schamloser Populismus und ungeprüfte Falschnachrichten das Handeln übernehmen.Nur eine Zusammenarbeit innerhalb der europäischen Mitgliedstaaten auf Augenhöhe kann Wohlstand und ein gutes Leben für alle EuropäerInnen garantieren“, so Mösl.

Standort- und Lebensqualität in Niederösterreich sind hoch. Damit es so bleibt, sollte mit Zuversicht und Optimismus nach vorne geschaut werden, empfiehlt die NÖ Landeshauptfrau.

 

Zuerst Corona, dann der Krieg in der Ukraine – die (wirtschaftlichen) Folgen für die Bevölkerung sind deutlich spürbar. Was konkret (und in welchen Bereichen) wird für die Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher seitens des Landes getan, um die Belastungen abzufedern?

Die Teuerung ist in allen Lebensbereichen spürbar. Daher haben sowohl der Bund wie auch die Länder bereits zahlreiche Hilfen auf den Weg gebracht, um die Menschen zu entlasten. Ganz konkret haben wir in Niederösterreich parteiübergreifend bereits fünf Maßnahmen beschlossen – beim Strom, Heizen, Wohnen, Pendeln und auch zum Schulstart. All diese Hilfen sind wichtig, weil es unser Anspruch ist, die Menschen gut durch diese Krise zu führen.

Die Krise der Globalisierung setzte mit Corona ein und verschärfte sich mit dem Ukraine-Konflikt. Der unberechenbaren Abhängigkeit vom Welthandel kann jedoch teilweise mit Regionalität entgegengewirkt werden. Welche Konzepte/Projekte gibt es diesbezüglich in NÖ? 

In einer Zeit wie jetzt ist es wichtig, verstärkt darauf zu setzen, Schlüsselindustrien und -produkte im eigenen Land zu haben bzw. herstellen zu können. Das gilt zum Beispiel für die kritische Infrastruktur, für Medizinprodukte oder auch für die Lebensmittelversorgung. Umso erfreulicher ist daher etwa die Ansiedelung des Pharmakonzerns Boehringer Ingelheim in Bruck an der Leitha. Das Unternehmen errichtet hier einen neuen Produktionsstandort. Mit einer Investitionssumme von rund 1,2 Milliarden Euro und 800 neuen Arbeitsplätze ist es das größte Ansiedlungsprojekt in der niederösterreichischen Geschichte. Ein weiteres Erfolgsbeispiel ist Ankerbrot – das Unternehmen errichtet mit 30 Millionen Euro in Lichtenwörth die größte Bäckerei Österreichs. 

Tatsache ist, Niederösterreich ist bereits jetzt ein attraktiver Standort für Betriebe und mit weiteren Initiativen wollen wir unser Land zu einer Vorzeigeregion für Kreislaufwirtschaft in ganz Europa machen.   

Angesichts der Knappheit an fossilen Brennstoffen und der hohen Preise für Gas: Werden künftig auch Gasvorkommen in Niederösterreich erschlossen?

Was wir brauchen, ist rasch mehr grünes Gas, nämlich Biogas. Experten schätzen das Potenzial bis zum Jahr 2030 auf zehn Prozent des Gasverbrauchs, bis 2040 auf ein Drittel. Immer auf Basis der Verwendung von landwirtschaftlichen Abfällen, aber auch des Bioanteils am Hausmüll. Dafür ist es wichtig, dass vor allem das Klimaministerium endlich Initiativen setzt. 

Müssen sich die Niederösterreicherin und Niederösterreicher vor einem kalten Winter fürchten? Ist die Energieversorgung der Haushalte und Betriebe gewährleistet?

Das Parlament hat im Mai ein Gasbevorratungsgesetz beschlossen und damit Vorsorge getroffen. Auch hier ist vorrangig das Klimaministerium am Zug, diese Bevorratung umzusetzen und genug Gas einzuspeichern. 

Strichwort Pflege: Seit drei Wochen gibt es die 600 Euro Prämie für die Pflegeausbildung. Gibt es bezüglich dieser Initiative schon Feedback? Was tut NÖ noch, um dem Mangel an Pflegekräften entgegenzuwirken?

Niederösterreich tut alles, was ein Land tun kann, um das wertvolle Berufsfeld der Pflege zu attraktivieren. Aus diesem Grund hat das Land Anfang des Jahres das „Blau-gelbe Pflegepaket“ ins Leben gerufen. Der Bund ist mit dem ersten Teil der Pflegereform nachgezogen und hat dabei weite Teile des blau-gelben Modells übernommen. Seit 1. September erhalten alle, die im 1. Bildungsweg eine Ausbildung im Pflegeberuf absolvieren, 600 Euro Pflegeausbildungsprämie. Außerdem übernehmen wir auch das Schulgeld an Schulen für Sozialbetreuungsberufe, der Höheren Lehranstalt für Sozialbetreuung und Pflege sowie an Fachschulen für Soziale Berufe mit Schwerpunkt im Bereich Pflege, sowie künftig auch die Studiengebühren im Bereich der Pflegeausbildung auf der Fachhochschule. 

Darüber hinaus arbeitet der Bund gerade für Umsteigerinnen und Umsteiger sowie für Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger in einer vom AMS geförderten Ausbildung an einem Pflegestipendium in Höhe von 1.400 Euro pro Monat. Bis zum Start des Pflegestipendiums des Bundes werden wir die betroffenen Personen an NÖ Bildungseinrichtungen mit der NÖ Pflegeausbildungsprämie von 420 Euro pro Monat unterstützen. Diese Pflegeausbildungsprämie kommt natürlich sehr gut an, auch weil das Berufsbild der Pflege jetzt auch in der Ausbildung einen höheren Stellwert erhält. Neben diesen Ausbildungsmaßnahmen setzen wir viele weitere Schwerpunkte, um den Pflegeberuf noch attraktiver zu machen.

Wie schaffen Sie es, in schwierigen Zeiten, in welchen Politiker verstärkt mit Frust und Ärger der Bevölkerung konfrontiert werden, auf Kurs zu bleiben?

Wir befinden uns derzeit in der herausforderndsten Zeit unserer Generation. Und ein Blick zurück in die Geschichte zeigt, dass wir schwierige Situationen immer dann am besten gemeistert haben, wenn wir als Gesellschaft zusammengestanden sind. Bei all dem Frust und Ärger, den es in der Bevölkerung gibt, sollten wir nie die Zuversicht und den Optimismus verlieren. Denn nur so können wir die Standort- und Lebensqualität in unserem Bundesland vorantreiben. 

Was sagen Sie Menschen, die ausschließlich negativ über Politik und Politiker sprechen?

Im direkten Gespräch mit den Bürgerinnen und Bürgern habe ich selten das Gefühl, dass über die Politik oder Politiker geschimpft wird, weil hier die Sorgen und Anliegen der Menschen direkt an- und ausgesprochen werden. Darum ist gerade der direkte Kontakt und die Nähe zu den Menschen so wichtig, um das Vertrauen in die Politik zu stärken. Im Übrigen sollten sich alle politischen Verantwortungsträger - egal auf welcher Ebene - bewusst sein, dass ständiges Hick-Hack und Anpatzen nicht nur einer Partei, sondern der gesamten Politik schadet. 

Sie sind nun seit 27 Jahren aktiv in der Politik und haben vermutlich mit Krisen, wie wir sie seit einigen Jahren erleben, bestimmt nicht gerechnet. Wagen Sie eine Prognose, welche Auswirkungen diese auf das heimische politische System haben werden?

Jede und jeder in der Politik trägt besondere Verantwortung, unsere Gemeinschaft vor Radikalisierungen schützen. Und das schafft man vor allem mit Zusammenarbeit und nicht mit gegenseitigen Beschimpfungen - dafür sind die Zeiten zu ernst und ist die Situation zu sensibel. 

Politiker setzen sich auch für das Wohl der Menschen ein. Welche positive Botschaft können Sie den Menschen in diesen Zeiten mitteilen?

Wie sie wissen, feiern wir heuer 100 Jahre Niederösterreich. Und wenn wir daran denken, was heute anders ist als damals, komme ich zu einem Befund: Auf der einen Seite haben wir heute im Vergleich zu früher ganz bestimmt mehr Wohlstand und Lebensqualität, mehr Sicherheiten und Freiheiten. Auf der anderen Seite haben wir heute viele Menschen, die sich große Sorgen machen - aufgrund der weltpolitischen Situation und wie es mit Inflation, Teuerung und der eigenen Lebenssituation weitergeht. Diese Sorgen sind berechtigt. Aber blicken wir ernsthaft zurück, dann erkennen wir, dass es uns über die letzten Jahrzehnte betrachtet als Land, als Gesellschaft immer bessergeht - jeder Generation besser als der vorigen. Weil wir uns gemeinsam viel aufgebaut haben und fleißig waren. In diesem Bewusstsein sollten wir alle für die Zukunft viel Kraft schöpfen und mit Optimismus nach vorne blicken.

Foto: NLK/Burchhart

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