Interviews

Die Vorstandsvorsitzende der Zürich Versicherungs AG im ABW-Gespräch über nachhaltige Investments, besonderes Kundenservice und moderne Unternehmenskultur.

 

Gibt es für Ihr Unternehmen neue Bereiche, in denen ein Engagement lohnenswert wäre, sind Produktinnovationen geplant?

Als Zurich wollen eines der verantwortungsvollsten und wirkungsvollsten Unternehmen weltweit sein. Und wir wollen eine bessere Zukunft gestalten, für uns alle. Daher engagieren wir uns stark beim Thema Nachhaltigkeit. Wir tun dies als Investor im operativen Bereich und bei unseren Produkten und Services. Bei der Veranlagung verfolgen wir den Ansatz des „Responsible Investment”. Das heißt, wir finanzieren Institutionen und Maßnahmen, die der Umwelt, unseren Kundinnen und Kunden, Mitarbeitenden und der breiteren Gesellschaft zugutekommen. In unserem Betrieb achten wir darauf, möglichst ressourcenschonend zu agieren. So beziehen wir unseren Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen und sind mit unserer Zentrale im Vorjahr in eines der nachhaltigsten Bürogebäude Österreichs übersiedelt. Und für unsere Kundinnen und Kunden bieten wir beispielsweise Ablösen im Schadensfall an, wenn sie sich fürs Reparieren entscheiden und damit ressourcenschonend agieren.

Welche Themen kommen bei den Versicherungskunden derzeit besonders gut an?

Versicherungskundinnen und -kunden erwarten denselben Servicegrad, den sie aus anderen Branchen kennen. Dazu zählt, dass sie Produkte komfortabel online kaufen können. Auch Top-Kundenservice steht ganz oben in der Rangordnung. Als Zurich legen wir ein großes Augenmerk darauf, ein tolles Kundenerlebnis zu bieten. Dass uns das gelingt, zeigen die Auszeichnungen, die wir immer wieder erhalten. So haben wir erst kürzlich den Recommender für unsere Direktmarke Zurich Connect erhalten. Ein weiteres großes Thema für unsere Kundinnen und Kunden ist die Nachhaltigkeit. Diese hat in alle Lebensbereiche Einzug gehalten, auch in die Vorsorge. Mit unserer Lebensversicherung Zurich For Future Invest haben wir ein attraktives Produkt, das mit dem österreichischen Umweltzeichen für Finanzprodukte ausgezeichnet wurde. 

Welche unmittelbaren Auswirkungen haben Corona, Ukrainekrieg und hohe Rohstoffpreise auf das Versicherungsgeschäft?

In unserem operativen Geschäft spüren wir natürlich – so wie jede und jeder von uns - die Inflation. Jeder Schaden, den wir für Kundinnen und Kunden erledigen, wird aktuell entsprechend teurer. Dennoch haben Versicherungen gerade jetzt einen hohen Stellenwert. Denn in unruhigen Zeiten suchen die Menschen Sicherheit und Stabilität. Und da ist es unsere wichtigste Aufgabe, für unsere Kundinnen und Kunden da zu sein, sie zu begleiten und ihnen die Sorgen um ihre Existenz abzunehmen. Wir geben unseren Kundinnen und Kunden die Sicherheit, dass sie im Fall des Falles finanziell abgesichert sind. Es ist unser Auftrag und damit tragen wir soziale Verantwortung, die wir sehr ernst nehmen. 

Welche Anreize kann man schaffen, um neue, engagierte Mitarbeiter zu finden?

Mit der Pandemie hat sich auch unsere Arbeitswelt verändert. Arbeitgeber müssen sich anstrengen, um gute Mitarbeitende zu finden und zu halten. Menschen erwarten heute Angebote, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen. Auch die betriebliche Gesundheitsförderung ist sehr gefragt und ein Arbeitsumfeld, das mit Flexibilität und einer kollegialen Unternehmenskultur punktet. Bei Zurich sind wir bei all diesen Themen Vorreiter, auch mit unserer modernen Unternehmenskultur. Wir pflegen untereinander seit mehreren Jahren das Du-Wort. Das überrascht viele neue Kolleginnen und Kollegen und kommt sehr gut an 

Stichwort Gender-Pension-Gap: Welche Produkte empfehlen Sie Frauen zur ergänzenden Altersvorsorge?

Frauen tun gut daran, ihre eigene Vorsorge und ihre Finanzen selbst in die Hand zu nehmen. Denn leider sind in Österreich die Unterschiede zwischen den Pensionen von Frauen und Männern immer noch sehr hoch. Jungen Frauen rate ich, möglichst bald damit zu beginnen, für die Zukunft finanziell vorzusorgen. Schon mit einem kleineren monatlichen Betrag kann über die Jahre ein guter Polster aufgebaut und finanzielle Unabhängigkeit erreicht werden.

Ihre Wünsche für das Geschäftsjahr? 

Was ich mir wünsche, wäre ein Ende des Ukraine-Konfliktes, der ja quasi vor unserer Haustüre stattfindet. Ein weiterer Wunsch von mir wäre, dass wir bald ernsthafte Fortschritte bei der Eindämmung des Klimawandels sehen. Hier braucht es die Anstrengung aller und ein seriöses Commitment zur Erreichung der Ziele. Als Zurich Gruppe sind wir der Net Zero Alliance beigetreten, die sich der Reduktion der CO2-Emissionen verpflichtet hat. Wir werden es nur gemeinsam schaffen, die richtigen Schritte zu setzen.

Foto: Zurich Österreich

Die Vorstandsvorsitzende von Zurich Österreich kann zufrieden sein: Ein gutes Geschäftsjahr, boomende Produkte und schon demnächst wird in das nachhaltigste Bürogebäude Österreichs übersiedelt.

 

2020 war ein außergewöhnliches Jahr. Wir bei Zurich waren trotz Corona-Pandemie immer für unsere Kundinnen und Kunden da. Das haben sie zu schätzen gewusst. So konnten wir trotz COVID-19 und den damit verbundenen Einschränkungen die Kundenzufriedenheit weiter erhöhen und unseren Kundenstock ausbauen.

Auch die Geschäftsergebnisse waren sehr erfreulich. Wir sind also gut durch diese schwierige Zeit gekommen“, sagt Andrea Stürmer, Vorsitzende des Vorstandes von Zurich Österreich, die eventuelle Risiken stets im Blick behält.

Schon in den letzten Jahren hätten die Umweltrisiken an Bedeutung gewonnen. Die Folgen des Klimawandels stünden auf der Liste ganz oben, sei es in Form von extremen Wetterereignissen, Hitzewellen oder Überflutungen.

„COVID-19 hat uns gezeigt, dass auch Pandemien ein wesentliches Risiko sind. Als Versicherungswirtschaft leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung von Risiken. Zum Beispiel mit Versicherungsschutz, der die finanzielle Existenz absichert“, so Stürmer.

Die Vorsitzende des Vorstandes von Zurich, Andrea Stürmer, im ABW-Talk über Kundenbindung in schwierigen Zeiten, beliebte Produkte und innovative Ansätze.

 

Strenge regulatorische Vorgaben, niedrige Zinsen, unerwartete Entwicklungen – wie bleibt man im Versicherungssektor bei rauer See auf sicherem Kurs?

Es stimmt, das aktuelle Umfeld ist herausfordernd. Aber wir sind als Zurich Versicherung schon über 140 Jahre alt und haben damit schon öfter schwierige Zeiten erfolgreich überstanden.

Kundinnen und Kunden können darauf vertrauen, dass wir als Versicherung besonders umsichtig agieren, damit wir auch in den kommenden Jahrzehnten weiterhin für sie da sind. Gerade in der Lebensversicherung ist dies wichtig, da wir die Altersvorsorge vieler Österreicherinnen und Österreicher über die nächsten Jahrzehnte verantworten. 

Welche Versicherungen werden zurzeit besonders nachgefragt? Gibt es hier eine spezielle Entwicklung zu beobachten?

Versicherungsschutz ist gerade in Zeiten wie diesen besonders wichtig. Gefragt sind Produkte, die langfristig die Existenz absichern – im Privatkundenbereich genauso wie im Firmenbereich. Für jene, deren finanzielle Lage jetzt schwierig ist, bieten wir aktuell Erleichterungen.

Beispielsweise Prämienstundungen oder den unkomplizierten Wechsel auf andere Versicherungsvarianten. Es ist uns ein Anliegen, dass wir unsere Kundinnen und Kunden in ihrer aktuellen Lebenssituation gut unterstützen und sie weiter gut geschützt sind.

Sie hat Meilensteine für die Brau Union Österreich gesetzt, die zu zahlreichen Auszeichnungen geführt haben, 2021 wurde die Wirtschaftswissenschaftlerin Teil des Management Teams der Brau Union Österreich.

 

Sie sind seit März 2021 in der Geschäftsleitung der Brau Union und das als erste Frau in der Geschichte – wie lief es bisher?

 Spannend, bereichernd, einfach bierig. Und im Gegensatz zum Hopfen, „der Seele des Bieres“, wo nur die weiblichen Blütendolden ins Bier kommen dürfen, setzen wir im Unternehmen bewusst auf diverse Teams. Bier ist jedoch ein ursprünglich weibliches Handwerk und das älteste Grundnahrungslebensmittel der Welt.

Schon seit jeher haben die Frauen Brot gebacken und daraus ist Bier entstanden als „unser flüssiges Brot“. Seit März dieses Jahres besinnt man(n) sich wieder auf diese Traditionen J (schmunzelnd) und daher wurde ich im März in die Geschäftsleitung berufen.  

Jetzt, nach einem halben Jahr, feiern wir Brauer den „Brausilvester“, das Oktoberfest. Auch das hat Tradition: Früher war das Bier auf dem Oktoberfest ein Märzenbier, da das im März gebraute stärkere Bier am längsten haltbar war, wurde dieses zuletzt – eben am Oktoberfest - genossen. Und so spannt sich der Bogen der Brauer vom März bis Oktober. Nach dem Brausilvester ist vor dem Brausilvester und nun beginnt das neue Braujahr.

Was schätzen Sie an Ihrem Job?

Zunächst begeistert mich das Produkt Bier in seiner gesamten Vielfalt und regionalen Wertschöpfung. Schon Paracelsus nannte es „eine wahrhaft göttliche Medizin“, denn der Gerstensaft begleitet den Menschen, seit er sesshaft ist – als Haus-, Heil- und Lebensmittel – und will gut gemanagt werden.

Und diesen Beitrag als Mitglied eines innovativen und erfolgreichen Management Teams zu leisten, das sich sowohl dem ökonomischen als auch ökologischen Erfolg verschrieben hat, ist eine spannende Herausforderung. Mein Ziel ist es, Katalysator für Neues zu sein. Daher arbeite ich mit Leidenschaft daran, Österreich zur nachhaltig besten Bierkultur Europas zu machen.

Nachhaltigkeit ist für alle Unternehmen ein großes Thema, was tut die Brau Union in diesem Bereich?

Unsere Strategie „Brewing a better world“ orientiert sich an der im September 2015 von den Vereinten Nationen formulierten „2030 Agenda für Nachhaltige Entwicklung“. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, den 17 globalen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals) gerecht zu werden.

Mit unserer Strategie „Brew a Better World“ b(r)auen wir eine bessere Welt. So werden wir als erstes Brauereiunternehmen weltweit bis zum Jahr 2030 in der gesamten Produktion CO2-neutral sein, bis 2040 in der gesamten Wertschöpfungskette. Damit sind wir sogar zehn Jahre vor dem Pariser-Klimaabkommen.

In Österreich habe ich die Strategie und Umsetzung mit meinem Team vor neun Jahren aufgegriffen und umgesetzt. Wir haben es geschafft, in der Grünen Brauerei Göss in Leoben und in der Brauerei Schladming CO2-neural zu brauen. Die Grüne Brauerei Göss setzte als weltweit erste CO2 neutrale Grossbrauerei Meilensteine in der Kreislaufwirtschaft. Wir beheizen ganze Stadtteile mit Bier, d.h. mit der biogenen Abwärme aus der Bierproduktion. Seit 2018 wird für die Wärmeversorgung von 800 Wohnungen und 17.000m2 Gewerbe- und Büroflächen des Brauquartiers Puntigam in Graz Abwärme aus unserem Brauprozess genützt. Dieses innovative Konzept wurde 2019 auch in Schwechat vor den Toren Wiens installiert. Über eine Wärmepumpe wird die Abwärme aus dem Brauprozess zu Heizwärme und Warmwasser für 900 Wohnungen.

Weiters zählen wir auf enge Zusammenarbeit mit den Landwirten und den Hopfenbaugenossenschaften, um den gesamten Hopfenbedarf mit heimischen Rohstoffen abzudecken. Aufgrund des fortschreitenden Erderwärmung haben wir rechtzeitig auf die Winterbraugerste als Klimagewinner gesetzt, die derzeit ca. 40 Prozent des österreichischen Braugerstenbedarfs deckt.

Die Wintergerste reift deutlich früher als die Sommerform und ist der extremen Hitze damit weniger stark ausgesetzt. Die Winter in Österreich sind wegen des Klimawandels ebenfalls spürbar milder geworden, dadurch kann Wintergerste inzwischen überall in Österreich ausgesät werden. Als Mitglied des UN Global Compact Österreich und als Vorsitzende der respACT Oberösterreich treibe ich die Entwicklung der österreichischen Nachhaltigkeitsagenda voran.

Ihre persönlichen Wünsche und Ziele für dieses Jahr?

Bierkultur ist mehr als mein tägliches Brot, es ist meine Leidenschaft und Passion. Im nächsten Jahr stehen die heimischen Rohstoffe im Fokus meines Bierkulturberichts, den ich jährlich mit einem Leitthema herausgebe. Die Coronapandemie bestärkte meine Bedürfnisse nach Regionalität – nicht nur beim Biergenuß.

Konsequenter Klimaschutz ist mein Herzensanliegen, denn es gibt keinen Planeten B. Die Emissionen von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen sind für den Klimawandel und die globale Erwärmung verantwortlich. Diese Emissionen zu begrenzen, ist eine der größten Herausforderungen für die Menschheit. Daher habe ich mir mit meinem Team zum Ziel gesetzt 2022 die Brau Union Österreich zur Gänze klimapositiv zu gestalten. 

Abschließende Frage: Welche Biersorte favorisieren Sie als Biersommeliére? 

In Österreich haben wir eine bunte Vielfalt von mehr als 1000 Biere zur Auswahl. Was für ein voller Genuß! Und am liebsten kombiniere ich Biergenuß zu meinen Lieblingsspeisen. Das heißt: zum Aperitif ein schlankes, appetitanregendes Pilsbier, untertags zum Mittagessen ein alkoholfreies Märzenbier und abends kann’s schon ein Bockbier zum deftigen Bauernschmaus sein.

Zur Person

Dr. Gabriela Maria Straka ist seit mehr als 20 Jahren in Führungspositionen in der internationalen und nationalen Markenartikelindustrie tätig und leitet seit 2013 die Unternehmenskommunikation & Nachhaltigkeit in der Brau Union Österreich, Teil der HEINEKEN Familie. Dr. Straka steuert in der Brau Union Österreich, im Europa Team von HEINEKEN und im „United Nations Global Compact Steering Committe Austria“ die Umsetzung der nationalen Agenden und der SDG’s (Sustainable Development Goals) in Österreich. Sie übernahm den Vorsitz der RespACT Oberösterreich, um die nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben. 

Foto: Dreher

15 Jahre lang stand sie an der Spitze der Österreich Werbung, heute, am 1. Juni 2021, wird sie von Lisa Weddig, ehemalige TUI-Österreich Geschäftsführerin, abgelöst.

 

Dr. Petra Stolba über die schönsten Momente Ihres Jobs und die Entwicklung des heimischen Tourismus nach Corona.

Ein Blick zurück: Was waren die Highlights Ihrer 15-jährigen Tätigkeit als Geschäftsführerin der Österreich Werbung?

Einem Unternehmen so lange anzugehören, heißt auch am und mit dem Unternehmen zu wachsen, zu reifen. Daher blicke ich auf die letzten 15 Jahre als eine kontinuierliche Entwicklung zurück, geprägt von permanenter Weiterentwicklung. Besonders schöne Momente waren, wenn alle fünf Jahre sämtliche weltweit tätigen Kolleginnen und Kollegen für drei Tage zusammenkamen.

Dieses Gefühl von Gemeinschaft bei gleichzeitiger Diversität, von Heimat bei gleichzeitiger Weltumspanntheit, war jedes Mal sehr besonders. 

Wie sehen Sie die Entwicklung des Urlaubslandes Österreich nach Corona?

Tourismus wird sich – wie alle anderen Lebensbereiche auch – der Frage stellen müssen, ob man zurück in ein „altes Normal“ oder auf ins „neue Normal“ will. Für mich ist es keine Frage, dass die kommenden Veränderungstreiber – allen voran die green transition – einen enormen Veränderungsbedarf bedeuten, dem sich natürlich auch die Branche nicht entziehen wird können.

MMag. Dr. Petra Stolba, Geschäftsführerin der Österreich Werbung, im ABW-Interview über den Zusammenhalt der Branche, Lehren aus der Krise und die schwierige Wintersaison.

 

Gab es – trotz Corona – 2020 auch Grund zur Freude?

Freude ist vor dem Hintergrund der Pandemie, die den Tourismus nach wie vor so fest im Griff hat, fürchte ich der falsche Ausdruck. Aber natürlich bin ich stolz darauf, wie die Österreich Werbung die Branche in dieser schwierigen Zeit ohne Unterbrechung unterstützen konnte. Wir versorgen die Branche mit tagesaktuellen Informationen aus unserem weltweiten Netzwerk, etwa was Reisewarnungen angeht oder die Lage vor Ort, oder auch die generelle Einstellung zum Reisen angesichts der Pandemie. Wir führen Umfragen auf unseren wichtigsten Herkunftsmärkten durch und haben damit ziemlich gut die Urlaubspräferenzen für den Sommer vorhergesagt.

Und wir haben im Frühjahr in Rekordzeit gemeinsam mit den Bundesländern und den Städten die Inlandskampagne mit dem Claim „Auf Dich wartet ein guter Sommer. Entdecke Dein eigenes Land“ auf die Beine gestellt. Im Nachgang sehen wir, dass die Kampagne exzellent performt hat und auch die Rückmeldungen unserer Partnerinnen und Partner waren sehr gut. Tatsächlich ist der Sommertourismus vielerorts – leider nicht überall, speziell nicht in den Städten – sehr viel besser gelaufen, als noch zu Beginn der Pandemie zu befürchten war. Also ja, ich bin stolz, dass die Österreich Werbung für die Branche in dieser schwierigen Zeit das ein konnte und auch weiter da sein wird.

Sind Sie zufrieden mit den bisher getroffenen Hilfsmaßnahmen der Regierung? Was würden Sie sich diesbezüglich wünschen?

Die österreichische Bundesregierung hat schon im Frühjahr sehr schnell und unbürokratisch reagiert. Der im Zuge des zweiten Lockdowns beschlossene Umsatz-Ersatz für Gastronomie- und Beherbergungsbetriebe ist für das Überleben der schon jetzt stark betroffenen Betriebe essenziell und sicher eine richtige Maßnahme. Ich bin zuversichtlich, dass die Bundesregierung weiterhin helfen wird, wo es nötig ist.  

Die Vorstandsvorsitzende der BKS Bank im Austrian Business Woman-Intervew über „grüne“ Finanzprodukte,  Frauenförderung und das bevorstehende Firmenjubiläum.

 

Wie verlief das Geschäftsjahr 2021? 

Wir können bisher auf ein sehr zufriedenstellendes Geschäftsjahr zurückblicken. Die Wirtschaft hat sich von der Pandemie sehr gut erholt, die Unternehmen investieren wieder, der private Hausbau boomt, auch die Kapitalmärkte haben sich gut entwickelt. Daher konnten wir im Zwischenbericht zum dritten Quartal über eine erfreuliche Geschäftsentwicklung berichten.

Unser Periodenüberschuss von 66 Millionen Euro liegt um 28,2 Millionen Euro über dem Vorjahreswert, die Bilanzsumme wuchs um 5,9 % auf 10,4 Milliarden Euro. Bei den Primäreinlagen übertrafen wir erstmals die 8-Milliarden-Euro-Marke und auch die Forderungen an Kunden von 6,8 Milliarden Euro lagen um 4,2 % über dem Jahresendwert von 2020. Ich blicke daher optimistisch auf das restliche Jahr. Die Prognosen sind aber durch das erhöhte Infektionsgeschehen wieder sehr unsicher geworden. 

Nachhaltigkeit ist für die meisten Unternehmen eine wesentliche Säule – was tut die BKS Bank in diesem Bereich?

Die BKS Bank engagiert sich seit vielen Jahren für Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility. Daher haben wir schon seit langem ein breites Leistungsspektrum zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie zur Gesundheitsförderung unserer Mitarbeiter etabliert und sind ein verlässlicher Partner für die Gesellschaft.

Aktuell liegt der Fokus unserer Nachhaltigkeitsstrategie auf dem weiteren Ausbau unserer nachhaltigen Produkte und auf dem Klimaschutz. Wir bieten unseren Kunden Green und Social Bonds, eine nachhaltige Vermögensverwaltung, eine breiteAuswahl an Nachhaltigkeitsfonds und ein Grünes Sparbuch zur Geldanlage. Das Natur & Zukunft-Konto unterstützt die Wiederaufforstung heimischer Schutzwälder.

Wir trachten danach, möglichst viele nachhaltige Finanzierungen zu vergeben und unsere Kunden auf dem Weg in eine klimafreundlichere Zukunft zu begleiten. Weiters setzen wir viele Maßnahmen zur Verbesserung der Betriebsökologie. Beispielsweise sind wir nach dem Umweltmanagementsystem EMAS und als Green Brand zertifiziert, betreiben selbst drei Photovoltaikanlagen, haben bei 70 Immobilien den Ausstieg aus Ölheizungen fast abgeschlossen und unsere Dienstreisen stark durch Videokonferenzen ersetzt.  

Auf welche Weise unterstützt die BKS Bank Mitarbeiterinnen bei ihrem beruflichen Fortkommen?

Die BKS Bank unterstützt Mitarbeiterinnen bei ihrem beruflichen Fortkommen mit vielen Leistungen, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessern und mit einem eigenen Frauenkarriereprogramm. Im Zuge des Programms werden typische Frauenrollen und die Kommunikation von Frauen genauso analysiert, wie Verhaltensformen und Dynamiken von Teams.

Zusätzlich begleiten Mentorinnen und Mentoren die Mentees während des gesamten Lehrganges. Vor kurzem wurde der sechste Turnus abgeschlossen. Insgesamt haben bisher 72 Mitarbeiterinnen dieses Programm absolviert, mehrere davon haben seither Führungspositionen bis hin zur Abteilungsleitung übernommen.  

In welchen Bereichen sehen Sie die größten Herausforderungen? 

Die größten Herausforderungen im Bankengeschäft ergeben sich aus der uferlosen Regulierung, die jetzt auch den Nachhaltigkeitsbereich voll erfasst haben. Auch die Digitalisierung und auf gesellschaftlicher Ebene der Klimawandel schaffen neue Anforderungen und lösen zum Teil umfangreiche Change-Prozesse aus. 

Ihre Wünsche und Ziele für 2022? 

Ein großer Wunsch ist, dass wir die Covid-19-Pandemie endlich hinter uns lassen können. 2022 wird für die BKS Bank ein besonderes Jahr. Wir feiern unser 100-jähriges Bestehen und freuen uns schon auf viele Aktivitäten anlässlich dieses Jubiläums. Abseits der Feierlichkeiten bleibt unser Projektportfolio prall gefüllt.

So wollen wir einen weiteren Schritt in Richtung Klimaneutralität gehen, das nachhaltige Produktangebot ausbauen und grüne Immobilienprojekte entwickeln. Im Bereich der Digitalisierung steht unter anderem der Ausbau des digitalen Produkt- und Serviceangebotes bis hin zu einer personalisierten und individualisierten Kundenansprache am Programm. 

Foto: Gernot Gleiss 

Ein ABW-Interview mit der Vorstandsvorsitzenden der BKS Bank über gute Geschäftsergebnisse in nicht unbedingt einfachen Zeiten und die allgemeine Aufbruchsstimmung bei vielen Kunden. 

 

Lockdowns, Niedrigzinsumfeld, anhaltender Wettbewerbsdruck und Inflationsgerüchte – wie haben sich diese Faktoren auf die Geschäfte im Vorjahr und im ersten Quartal 2021 ausgewirkt?

Ich bin stolz darauf, dass wir auch in Zeiten wie diesen einen respektablen Periodenüberschuss von 10,9 Millionen Euro (Anm.: 2019 waren es 2,5 Millionen Euro) erzielt haben. Dies zeigt, dass unsere Beziehungsstärke, die Exzellenz der Beratung und die Zukunftsorientierung unseres digitalen Angebots ein wichtiger Differenzierungsfaktor sind.

Das Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO rechnet mit einer kräftigen Erholung der internationalen Konjunktur, wovon auch die exportabhängige Wirtschaft profitieren wird. Der volle Rebound-Effekt wird aber erst 2022 eintreten.

Wir spüren aber bei vielen unserer Kunden eine Aufbruchstimmung, die uns zuversichtlich stimmt. 2020 war für uns definitiv ein Langstreckenlauf, bei dem wir nach einem verhaltenen Start immer besser in Schwung gekommen sind und im Ziel eine sehr gute Platzierung erreichen konnten. Sehr positiv zu vermerken ist die Entwicklung der Bilanzsumme, der Primäreinlagen und der Kredite. Unsere Bilanzsumme erreichte zum Jahresende 2020 einen Höchststand von 9,9 Milliarden Euro. Für diesen Anstieg sind vor allem ein verantwortungsbewusstes Kreditwachstum sowie die Verdoppelung der Barreserve verantwortlich. 

Die Wirtschaft wieder aus der Krise zu bringen, ist für die Vorstandsvorsitzende der BKS Bank derzeit die größte Herausforderung. 

 

Wie haben Sie die vergangenen Wochen und Monate erlebt? 

Banken gelten als systemrelevante Betriebe. Daher hatten unsere Filialen immer offen. Um die Gesundheit unserer Kunden und Mitarbeiter zu schützen, galt es innerhalb kürzester Zeit viel zu organisieren. Dies reichte von Homeoffice-Lösungen bis hin zum Infektionsschutz am Schalter. Seit Beginn der Krise sind auch unsere Kundenbetreuer besonders gefordert. Viele unserer Kunden sind von den Folgen des Shutdowns und der Rezession betroffen.

Sie benötigen Informationen über Haftungen, Förderungen, Überbrückungskredite und Stundungen. Unsere Betreuer hatten zeitweise so viele Anfragen zu beantworten und Anträge zu bearbeiten, dass wir sogar überlegt haben, auch am Samstag zu arbeiten. Mein typischer Arbeitstag während des Lockdowns bestand vor allem aus unzähligen Videokonferenzen und täglichen Beratungen mit unserem Krisenstab. Zunächst ging es vor allem um Maßnahmen zum Schutz der Mitarbeiter und Kunden. Jetzt geht es darum, wie wir unsere Dienstleistungen trotz all der Einschränkungen möglichst gut anbieten können.

Sie ist Vorstandsvorsitzende der BKS Bank und spricht sich klar für eine Frauenquote in Führungspositionen aus. Ein ABW-Gespräch über Herausforderungen, Karrierefaktoren und Chancen.

 

Jüngst haben Sie sich für eine Frauenquote ausgesprochen, um die Anzahl von Frauen in Führungspositionen zu erhöhen. Was hat Sie dazu bewogen?

Ich habe lange gedacht, wir brauchen in Österreich keine Quote, da Frauen in Österreich auch so gut vorankommen werden. In den letzten zwanzig Jahren hat sich in Österreich bei der Anzahl von Frauen in Führungspositionen oder in Aufsichtsräten nur wenig geändert. Der „Frauen.Management.Report.“ der Arbeiterkammer Wien belegt dies Jahr für Jahr mit trauriger Regelmäßigkeit.

Vor zwei Jahren haben Sie uns gesagt, dass auch der Frauenanteil in Führungspositionen bei der BKS bis 2020 merklich steigen wird — was hat sich seither getan?

Die BKS Bank konnte den Anteil an Frauen in Führungspositionen seit 2012 von 25,8 % auf 32,4 % steigern. 2017 haben wieder 13 Frauen unser Frauenkarriereprogramm „Frauen.Perspektiven.Zukunft.“ abgeschlossen. Von den 44 Absolventinnen der drei Lehrgänge haben bereits acht Frauen den Sprung in die Führungslaufbahn geschafft. Sechs weitere Mitarbeiterinnen schlugen den Weg einer Expertenkarriere ein, während acht Frauen derzeit in Karenz sind.

Ein Austrian Business Woman-Jubiläumsinterview mit Dr. Herta Stockbauer über Karrieretipps, Frauenquoten und ihre Ziele für die kommenden Jahre.

 

Frau Dr. Stockbauer, was zeichnet eine gute Managerin aus?

Eine gute Managerin muss bereit sein, Verantwortung zu tragen und selbstständig Entscheidungen zu treffen. Zudem muss sie eine entsprechende Einsatzbereitschaft haben, sich selbst motivieren und auch mit Kritik umgehen können. Sie sollte auch ihre Mitarbeiter fördern, sie richtig einsetzen und ein offenes Ohr für ihre Anliegen haben.

Ein Blick zurück: Was waren Ihre Aufgabengebiete vor zehn Jahren?

Vor zehn Jahren war ich Mitglied des Vorstandes der BKS Bank. Meine Verantwortungsbereiche waren das Eigen- und Auslandsgeschäft, das Controlling und Rechnungswesen, das Kreditmanagement sowie der Betrieb, sprich IT, Bau und Organisation. Regional war ich für die Vertriebsgebiete Burgenland, Slowenien, Kroatien, Ungarn und Slowakei zuständig. Die Interne Revision und das Vorstandsbüro waren meinem Vorstandskollegen Dkfm. Dr. Heimo Penker und mir gemeinsam unterstellt.

Sie sind seit 13 Jahren im Vorstand der BKS – was hat sich seither besonders gravierend verändert?

Die Geschwindigkeit, mit der Entscheidungen getroffen werden müssen, und der Druck, der auf Banken lastet. Die Ertragslage, vor allem im Privatkundengeschäft, hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert: 2008 durch die Finanzkrise, in den letzten Jahren durch das vorher nie gesehene Tiefstzinsniveau. 2004 hätten wir Leitzinsen unter 0% als pure Fiktion abgetan. Eine weitere wichtige Veränderung und große Herausforderung ist die Digitalisierung.

Welche Eigenschaften schätzen Sie an weiblichen Mitarbeiterinnen?

Dieselben wie bei männlichen Mitarbeitern: Engagement, Lernbereitschaft, Ehrlichkeit und die Fähigkeit zur Selbstführung.

Was tun Sie als Managerin in einer Führungsposition, um die gläserne Decke für Frauen durchdringlicher zu machen?

Wir haben in der BKS Bank ein Frauenkarriereprogramm eingeführt. In der mehrmonatigen Ausbildung setzen sich die Teilnehmerinnen intensiv mit ihrer Rolle als Frau, den verschiedensten Kommunikationsmustern, mit den Vor- und Nachteilen unterschiedlichster Lebensentwürfe und den Grundlagen von Führung auseinander. Das Ziel dieser Ausbildung ist es, das Selbstvertrauen der Teilnehmerinnen zu stärken und Interesse zu wecken, in Zukunft Führungsaufgaben zu übernehmen oder eine Expertenkarriere zu wählen. Die meist männlichen Vorgesetzten sind in das Programm eingebunden. Seit dem Start des Frauenkarriereprogramms konnten wir den Anteil weiblicher Führungskräfte von 27% auf 32% erhöhen.

Frauenquote in Aufsichtsräten — ja oder nein?

Ja. In Österreich ist die Frauenanzahl in Topführungspositionen und Aufsichtsräten leider immer noch sehr gering, obwohl es genügend gut qualifizierte Frauen gibt. Eine Quote würde hier deutlich rascher etwas bewegen.

Welche Kompetenzen sind unbedingt nötig, um in Ihrer Branche Karriere zu machen?

Fachwissen, Lernbereitschaft, Entscheidungsfähigkeit, hohe soziale Kompetenz und der Mut, Verantwortung zu übernehmen.

Wie gehen Sie mit Widerstand und Kritik um?

An Widerständen wächst man und aus konstruktiver Kritik kann man viel lernen, daher schätze ich diese. Was ich allerdings nicht mag, ist, wenn – wie wir auf Kärntnerisch sagen – einfach nur „getschentscht“ wird.

Was schätzen Sie mehr: Diplomatie oder den direkten Weg?

Ich bin an und für sich ein direkter Mensch, dennoch ist in manchen Situationen Diplomatie der bessere Weg.

Sie sind ja schon einige Zeit in der Branche. Was würden Sie sofort ändern?

Die Flut an neuen Regularien, die Tag für Tag auf uns zukommt, reduzieren. Es ist wichtig, dass es für Banken entsprechende Regeln gibt. Derzeit besteht allerdings eine absolute Überregulierung, die unserenVerwaltungsaufwand enorm in die Höhe treibt. Für manche Bereiche ist es sogar schwierig, Mitarbeiter zu bekommen.

Wie reagiert die BKS auf die ständig im Wandel begriffene digitale Herausforderung (Stichworte: Datenschutz, Funktionalität der IT)?

Wir sehen die Digitalisierung als große Chance. Wir gehen davon aus, dass ein zeitgemäßes digitales Angebot in Kombination mit exzellenter Beratung das Erfolgsrezept für die Zukunft ist. Denn digital muss nicht anonym bedeuten. Daher treiben wir den Ausbau unseres digitalen Angebots für Kunden und eine stärkere Automatisierung unserer internen Prozesse intensiv voran.

Was bevorzugen Sie privat: Bargeld oder elektronische/digitale Bezahlung?

Ich nutze beides.

Bitte vervollständigen Sie den Satz: Geld ist für mich ...

Geld, nicht mehr und nicht weniger.

Ihre Ziele für die kommenden zehn Jahre?

Ich möchte den Wachstumskurs der BKS Bank fortführen und unsere Position unter den führenden Banken Österreichs ausbauen.

Was schätzen Sie an Austrian Business Woman?

Den guten Mix aus hochwertiger Information und der Vorstellung interessanter Persönlichkeiten.

Foto: Gernot Gleiss

 

Birgit Stöber ist Geschäftsführerin für Finanzen sowie Vorstandsmitglied in der GoodMills Group (GMG). Ihr Aufgabenbereich umfasst zudem das Controlling und das Corporate Development mit Mergers & Acquisitions. 

 

"In den letzten zehn Jahren habe ich unsere Unternehmensgruppe bereits aus vielen Perspektiven kennengelernt. Seit Anfang Oktober bin ich nunmehr Teil der Geschäftsführung mit der Ressortverantwortung für Finanzen – eine schöne Aufgabe, die es bislang in dieser Form nicht gab. Ich schätze daran insbesondere den Gestaltungsspielraum, den ich durch das Vertrauen meiner Eigentümer und Geschäftsführungskollegen habe, um eine starke Finanzorganisation zu formen.

Ich hatte bereits in den letzten Monaten die Gelegenheit, mich umfassend einzuarbeiten sowie wesentliche organisatorische und personelle Entscheidungen zu treffen“, so Dr. Stöber, der die Haltung als Business Partner, aber im Commodity Business auch Fokussierung auf Effizienz und Kostenbewusstsein wichtig ist. Jeder in der Finanzorganisation könne zum Ergebnis beitragen. „Wir leben in einem dauernden Spannungsfeld zwischen Wachstum, Innovation und Effizienz. Das macht meinem Job sehr spannend und herausfordernd.“

Die Vorstandsdirektorin der Wiener Städtischen Versicherung über Trends der Branche, Service-Konzepte und wichtige Absicherungen der nahen Zukunft.

 

Das Jahr 2020 und die ersten Monate 2021 waren für die Wiener Städtische – trotz aller Einschränkungen – sehr solide. Es ist uns gelungen, dank unserer Technologieführerschaft, den Betrieb vollständig aufrechtzuerhalten und die Leistungsversprechen zu erfüllen. So konnten wir unseren Kundinnen und Kunden auch in dieser herausfordernden Zeit als verlässlicher Partner zur Seite stehen“, sagt Mag. Sonja Steßl.

Altersvorsorge muss in den Fokus rücken

Die Corona-Pandemie habe das Bewusstsein, mehr für die eigene Gesundheit zu tun, deutlich erhöht. „Die private Gesundheitsvorsorge war schon vor der Krise ein Wachstumsmotor, während Corona hat sich die Nachfrage aber nochmals beschleunigt. Wir rechnen damit, dass wir in den kommenden Jahren in dieser Sparte am stärksten wachsen werden. Hohe Nachfrage verzeichnen wir auch in der Sachversicherung, denn in Krisenzeiten wollen die Menschen ihr Hab und Gut bestmöglich absichern“, so Steßl, die auch künftig Versicherungsschwerpunkte klar im Fokus hat.

„Wir sehen vor allem zwei Bereiche, bei denen sich die Risikosituation bereits geändert hat oder ändern wird. Zum einen sind das Naturkatastrophen, die durch den Klimawandel immer häufiger auftreten werden. Schon jetzt merken wir deutlich höhere Schäden etwa durch Hagel oder Hochwasser, die zwar nicht linear, aber doch stetig ansteigen. Das zweite große Thema ist die finanzielle Versorgung im Alter: Die demografische Entwicklung zeigt klar, dass die Lücken immer größer werden, das betrifft nicht nur die Pension, sondern auch das Thema Pflege. Deshalb empfehlen wir dringend, sich mit diesen Themen frühzeitig zu beschäftigen und einen Plan zu entwickeln, wie diese Lücken mit privaten Vorsorgelösungen geschlossen werden können.“  

Verlegerin Barbara Mucha traf die geschäftsführende Gesellschafterin des renommierten Manz-Verlages zum Gedankenaustausch über eine ganz besondere Erfolgsgeschichte.

 

Ein echter Wiener kennt seine Stadt und auch die architektonischen Wegweiser, die unbeugsam den Veränderungen der Zeit trotzen und als gleichsam sichtbare Konstanten jedem von uns ein Gefühl von Beständigkeit und Vertrautheit vermitteln. Dazu gehören auch die verwirklichten Entwürfe von Adolf Loos, wie das von Kaiser Franz Joseph nicht sonderlich geschätzte Looshaus am Michaelerplatz, das Geschäftslokal des renommierten Massschneiders Knize am Graben oder das edle schwarze Marmor-Portal mit goldenem Schriftzug der Buchhandlung Manz am Kohlmarkt, einer Wiener Institution, die besonders Susanne Stein-Pressl von Kindesbeinen an bestens vertraut ist. Die Juristin wagte 2005 den Sprung ins kalte Wasser, als sie den Traditionsverlag nach dem Tod ihre Vaters in fünfter Generation übernahm. Geplant war das eigentlich nicht.

Meine Eltern haben mich nie dazu gedrängt, das Familienunternehmen weiterzuführen. Sie waren lediglich der Meinung, eine Frau solle Wirtschaft und nicht Rechtswissenschaften studieren, erinnert sich Stein-Pressl, die ursprünglich daran dachte, Anwältin zu werden, ihre Meinung jedoch änderte.Während des Studiums arbeitete sie in diversen Verlagen, geschickt eingefädelt vom Herrn Papa. Unter anderem bei ihrer Mutter, die Publikationen in den Bereichen Außenhandelswirtschaft und Zollrecht verlegte. Es war ein kleines Unternehmen, aber wenn man das System einmal verstanden hat, dann erkennt man schnell, dass es nicht auf die Größe des Verlages ankommt, so Stein-Pressl, die ein Jahr gemeinsam mit ihrem Vater zusammenarbeiten durfte, ehe dieser völlig unerwartet verstarb.

Mag. Susanne Stein-Pressl, geschäftsführende Gesellschafterin Manz Verlag

Ein ABW-Interview mit Mag. Daniela Stein, Personalentwicklerin, Coach und Geschäftsführerin des Business Frauen Centers, über Feminismus, Frauenquote und Führungspositionen.

 

Was ist ihr Tätigkeitsprofil?

Ich bin Personalentwicklerin, Business Coach, Mediatorin und Geschäftsführerin des Business Frauen Centers. Dabei entwickle ich mit Kooperationspartnern aus der Privatwirtschaft und der öffentlichen Hand arbeitsmarktpolitische Bildungsprojekte für Frauen. Das Schöne daran ist, dass sich diese Arbeitsbereiche gut miteinander verbinden lassen und ich selbst immer wieder dazu lerne. 

Wer sind die Menschen, mit denen Sie arbeiten? 

Am liebsten begleite ich Menschen, die sich bereits entschieden haben, die Komfortzone zu verlassen. Das kann ein Unternehmen sein, das neue Wege in der Personalentwicklung gehen will aber auch Gründerinnen mit innovativen Ideen oder Frauen, die eine Führungsanspruch geltend machen wollen. 

Sehen Sie sich als Feministin? 

Wenn Sie mit Feminismus das Engagement, um die Machtlücke zwischen den Geschlechtern zu schließen, meinen, dann ja. Ich bin davon überzeugt, dass die Geschlechtergleichheit Lösungen für schwierige Probleme unserer Zeit bieten kann.

Es gibt einen direkten Zusammenhang, wie eine Gesellschaft mit der weiblichen Hälfte ihrer Bevölkerung umgeht, und wie sie sich entwickelt. Somit ist es an der Zeit, damit aufzuhören, Frauen zu verändern, damit sie in Systeme passen, die sie gleichzeitig daran hindern, ihr Potenzial zu entfalten.

Ich sehe auch einen guten Zeitpunkt dafür gekommen, dass wir Frauen uns aktiv für Dinge, die uns am Herzen liegen, einbringen. Denn es geht um die Zukunft von uns allen. Das Stichwort dazu lautet: Eigeninitiative für Veränderung. 

Tun Frauen zu wenig für ihre Gleichstellung?

Wir Frauen sind erschöpft und eingekesselt in unserem Mikrokosmos. Jede von uns versucht die Komplexität des Lebens zu meistern und somit sind politische Ambitionen eher am Rande angesiedelt. Doch wir dürfen nicht warten, dass irgendjemand anders für uns etwas tut. Wenn wir Veränderungen wollen, dann müssen wir selbst aktiv werden.
Wir brauchen Frauen, die keine Angst haben große Fußstapfen notfalls auch mit Pumps auszufüllen, meinte schon Madleine Albrigth ehemalige US Aussenministerin. 

Als heimatverbundene Politikerin wünscht sich Petra Steger mehr Unabhängigkeit und Souveränität für die einzelnen Nationalstaaten. Frauen empfiehlt sie sich mehr zuzutrauen. 

 

Bei dieser Wahl geht es um die zukünftige Ausrichtung der EU: Entweder die ‚Vereinigten Staaten von Europa’ mit immer mehr Zentralismus bis hin zu einer Aufgabe des unabhängigen Staates Österreich, wie es beispielsweise die NEOS fordern. Oder – und das wollen wir – einer subsidiären EU der souveränen Nationalstaaten, die sich auf die großen Fragen der Sicherheit, des Außengrenzschutzes, der Wirtschaft und des Umweltschutzes konzentriert“, hält die FPÖ-Politikerin fest.

Darüber gäbe es viele weitere wichtige Themen mit denen sich Petra Steger derzeit intensiv beschäftigt. Der Umgang mit Asyl, Migration, dem Brexit, Umweltschutz sowie der Wahrung des sozialen Friedens sind nur einige davon. 

Die richtigen Lehren ziehen 

Bedenken äußert die gebürtige Wienerin in Bezug auf die Schuldenpolitik der EU: „Das Einstehen für die Schulden anderer Staaten, wie es derzeit immer wieder geschieht, führt nur zu immer mehr Schulden und es ist bei Fortführung dieses Kurses nur eine Frage der Zeit, bis die nächste Finanzkrise vor der Tür steht.“

1906 begann der Gastwirt Josef Starzinger mit der Abfüllung von Getränken und legte damit den Grundstein für ein solide wachsendes Familienunternehmen. 

 

Heute füllen 250 Mitarbeiter an sechs österreichischen Standorten mit vier PET-Abfüllanlagen, drei Glas-Abfüllanlagen und drei Dosenanlagen etwa 180.000 Einheiten pro Stunde ab. Geleitet wird das Unternehmen heute in vierter Generation von Ludmilla Starzinger. Austrian Business Woman sprach mit der studierten Psychologin über ihren Führungsstil, Lieblingsprodukte und die Besonderheiten des Jahres 2017.

Ihr Familienunternehmen gibt es nun bereits seit 111 Jahren – was macht den Erfolg aus?

Die Generationsübergabe hat immer gut geklappt. Mein Vater hat das Unternehmen bereits zu einer beachtlichen Größe aufgebaut. Ich bin in seine Fußstapfen gestiegen und mein Sohn ist auch bereits im Betrieb tätig. Ein weiterer, wesentlicher Erfolgsfaktor ist das „Private Labelling“, das es in dieser Form nur bei uns gibt. Wir haben damit bereits vor rund zwanzig Jahren begonnen, konkret handelt es sich um Lohnabfüllung für Kunden rund um den Globus. Wir haben uns damit international einen äußerst guten Namen gemacht. Außerdem haben wir unsere Gewinne immer sofort ins Unternehmen einfließen lassen und für Investitionen genutzt. Wir sind daher produktionstechnisch am neuesten Stand, haben auch die höchste Zertifizierung. 

Wie funktioniert Privat Labelling?

Theoretisch können Sie mit einer Idee zu uns kommen. Wir beraten Sie dann über alle Möglichkeiten, vermitteln Kontakte zu den jeweils nötigen Lieferanten – ein Rundum-Service. Außerdem können wir, im Gegensatz zu anderen Unternehmen, Kleinstmengen anbieten und helfen auch bei den Bewilligungen im Ausland, bei der Logistik und dem Transport.

Elisabeth Stadler ist Generaldirektorin der Vienna Insurance Group. Wir haben mit ihr über die Auswirkungen des Ukrainekrieges und die Perspektiven für die Zukunft in diesen Zeiten gesprochen. 

 

Uns alle prägt derzeit ein Krieg mitten in Europa. Die VIG-Gruppe ist in der Ukraine tätig, inwieweit sind sie davon direkt betroffen?

Dass heute Menschen auch in unserer Gruppe einer Kriegsgefahr ausgesetzt sind und um Leib und Leben fürchten müssen, schmerzt uns sehr. Wir sind in der Ukraine seit 2004 vertreten und haben drei Gesellschaften, die rund 100 Mio. Euro Prämienvolumen erwirtschaften. Im Verhältnis zum Gesamtprämienvolumen von 11 Milliarden Euro ist der Anteil gering.

Auch wenn wir im Rahmen unserer Strategie die Ukraine als Markt mit überproportionalem Marktwachstum definiert haben, steht nicht der wirtschaftliche, sondern der menschliche Aspekt und die Lage für unsere rund 1.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Vordergrund. Wir haben unmittelbar nach Kriegsausbruch innerhalb der Gruppe mit koordinierten Hilfs- und Unterstützungsaktionen, vor allem in den Nachbarstaaten zur Ukraine begonnen.

Unsere Gesellschaften haben Wohnungen für die Mitarbeiter und deren Familienangehörige organisiert und ausgestattet. Mehr als 500 Personen konnten wir so in Wohnen unterbringen, auch in Österreich. Parallel unterstützen unsere Gesellschafen auch lokale und internationale Hilfsorganisationen. Die Solidarität innerhalb unserer Gruppe ist einfach großartig.

Der Geschäftsbetrieb wird unter diesen Umständen eingestellt sein. Wann rechnen Sie wieder mit der Aufnahme des Versicherungsgeschäfts in der Ukraine? 

So unglaublich das klingt, wir haben bereits wieder Geschäftsbetrieb - so gut es halt geht - und zwar in jenen Teilen, die nicht unmittelbar von den Kriegskämpfen betroffen sind. Zu Kriegsbeginn wurden klarerweise alle Tätigkeiten eingestellt, aber unsere ukrainischen Kolleginnen und Kollegen sind sehr engagiert und wollen jetzt wieder soweit wie möglich den Geschäftsbetrieb aufrechterhalten.

Selbst Mitarbeitende, die teils mit ihren Familienangehörigen geflüchtet sind, arbeiten von auswärts mit ihren Laptops und wollen für das Unternehmen und die Kundinnen und Kunden da sein. Wir haben bereits einige, die wieder zurück nach Hause gegangen sind. Ich habe großen Respekt vor unseren ukrainischen Kolleginnen und Kollegen.

Wir haben gehört, dass die VIG auch einen eigenen Hilfsfond für die ukrainischen Gesellschaften eingerichtet hat. Was passiert damit?

Wir haben den „VIG Family Fund“ mit 5 Millionen Euro Basisdotierung initiiert. Unsere Gesellschaften und auch die Mitarbeiter zahlen laufend in diesen Fond ein. Mit dem Geld wollen wir betroffene Familien unserer ukrainischen Gesellschaften direkt für den Wiederaufbau zerstörter Wohnungen und Häuser sowie für kriegsbedingte persönliche Härtefälle unterstützen.  

Was erwarten sie angesichts der direkten und indirekten Auswirkungen des Krieges, der sich auch in steigenden Preisen und höherer Inflation bemerkbar macht für das Geschäftsjahr 2022?

Wir müssen in unsere Überlegungen auch die indirekten Auswirkungen, wie die Volatilitäten auf den Kapitalmärkten und die Sanktionen gegen Russland miteinbeziehen. Und wir dürfen natürlich nicht vergessen, dass wir uns weiterhin inmitten einer Pandemie befinden, auch wenn wir deren Auswirkungen bisher gut meistern konnten. Insgesamt erwarten wir auf Grund unserer Kapitalstärke, der breiten Diversität und unseren seit Jahren konsequent gesetzten Optimierungsmaßnahmen eine weiterhin positive operative Performance für 2022.

Wo liegen die Schwerpunkte der Gruppe für die nächsten Jahre?

Wir haben mit „VIG 25“ ein laufendes Strategieprogramm bis 2025, wo wir Aktivitäten planen, die uns zukunftsfit halten und zur Stärkung unserer finanziellen Stabilität und Profitabilität beitragen. Daraus haben wir drei Gruppenziele definiert. Den Ausbau unserer führenden Marktposition in CEE, die Schaffung von nachhaltigem Wert durch Erreichung spezifischer Kennzahlen und die Erreichung von Nachhaltigkeitszielen. 

Die VIG-Gruppe ist bereits Marktführer in der Region CEE, wo können und wollen Sie da noch wachsen?

Wir haben unseren Kernmarkt mit 20 Ländern in der CEE-Region definiert in denen wir vertreten sind und wollen dort bis Ende 2025 in allen Märkten zumindest unter den Top 3 sein. Derzeit sind wir das bereits in rund 60 % unserer Märkte.

Vor kurzem haben wir nach dem Erwerb von Gesellschaften der niederländischen Aegon Gruppe die Marktführerschaft in Ungarn übernommen. Generell sehen wir aber noch enormes Wachstumspotential in diesen Märkten. Die Menschen in dieser Region investieren im Schnitt ein Zehntel jenes Betrages für Versicherungen, den hierzulande Österreicherinnen und Österreicher investieren. 

Folgen Sie durch die Betonung der Nachhaltigkeit dem allgemeinen Trend?

Nachhaltigkeit ist mit Sicherheit kein vorübergehender Trend, sondern gekommen, um zu bleiben. Nachhaltigkeit spielt bei allen Investitionen in ganz Europa eine wichtige Rolle. Strategische Überlegungen werden vom Thema Nachhaltigkeit deutlich beeinflusst. Investoren und Kunden achten zunehmend genauer darauf, ob Unternehmen in diesem Bereich aktiv sind oder nicht.

Das gilt natürlich auch für die Versicherungsbranche. Versicherungsgesellschaften sind wichtige Kapitalgeber für die Volkswirtschaften und sorgen dafür, dass die Wirtschaft und damit auch die Gesellschaft floriert. Sie leisten daher einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltig zukunftsorientierten und modernen Gesellschaft. 

Foto: Philipp Lipiarski

 

 

 

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