Ende der Amtszeit von WU-Rektorin Edeltraud Hanappi-Egger: ein Rückblick auf acht erfolgreiche Jahre

Mit 30. September geht an der Wirtschaftsuniversität Wien eine besondere Ära zu Ende: Edeltraud Hanappi-Egger, die erste Rektorin in der Geschichte der WU, verabschiedet sich.

 

Sie hat die Entwicklungen an der WU in den letzten acht Jahren geprägt, so wurde unter ihrer Führung u.a. eine neue Willkommenskultur für Studierende etabliert, mit uLiKe ein prämiertes Leistungsbewertungskonzept eingeführt, ein englischsprachiges Bachelorstudium eingerichtet, eine Stiftung gegründet sowie der Umgang der WU mit ihrer NS-Vergangenheit untersucht. Aber auch das WU Sommerfest, die Etablierung der European University „ENGAGE.EU“, u.v.m. fiel in ihre Wirkungszeit als Rektorin.

Gleich zu Beginn ihrer Amtszeit hatte sich die Rektorin zum Ziel gesetzt, eine neue Willkommenskultur an der WU gegenüber Studierender einzuführen. Dazu wurden u.a. Unterstützungsmaßnahmen für Studierende erweitert sowie erstmals spezielle Angebote für jene geschaffen, die die ersten innerhalb ihrer Familie sind, die ein Studium beginnen. Mit WU4You startete Edeltraud Hanappi-Egger ein eigenes Stipendienprogramm, das sich an begabte Schüler*innen aus einkommensschwachen Familien in Österreich richtet. Dafür haben alle Rektoratsmitglieder jedes Jahr die ihnen zustehenden Leistungsprämien gespendet.

Wise Women & uLiKe

Da die Unterrepräsentanz von Frauen in obersten Führungsgremien in Österreich nach wie vor eklatant ist, war es ihr ein großes Anliegen, die Karriereambitionen junger Frauen in der Wirtschaft zu unterstützen und zu fördern. Mit Wise Women of WU hat sie ein Mentoringprogramm ins Leben gerufen, das junge WU-Absolventinnen mit erfolgreichen Managerinnen zusammenbringt und sie auf ihrem Karriereweg begleitet. Die Rektorin ist auch mit dem Vorhaben angetreten, traditionelle Leistungsbewertung z.B. in Berufungsverfahren zu überdenken. Die Rektorin dazu: „Der Fokus in der Auswahl passender Bewerbungen liegt im wissenschaftlichen Bereich eigentlich immer auf dem Forschungsoutput: je mehr publiziert wurde, desto besser. Diese Betrachtungsweise lässt aber unterschiedliche Lebenskontexte außen vor. uLiKe – universitäre Leistungsbewertung im Kontext entwickeln bedeutet, dass wissenschaftliche Leistungen einer Person im Verhältnis zu Faktoren, wie u.a. Teilzeit bzw. Vollbeschäftigung und dem akademischen Alter betrachtet werden“. Das Konzept, das 2016 auch mit dem Diversitas des BMBWF ausgezeichnet wurde, fand bei den 66 Berufungsverfahren, die die Rektorin während ihrer Amtszeit durchgeführt hat, Anwendung. Weil sie darunter 29 Professorinnen berufen hat, stieg auch die Frauenquote innerhalb der Professuren auf 31 %. 

Verbesserung der Betreuungsrelationen

Eine große Herausforderung an der WU ist das Betreuungsverhältnis (Habilitierte pro Studierenden), das zu den schlechtesten in Österreich zählt. Rektorin Hanappi-Egger hat sich stets dafür eingesetzt, dass dieses Verhältnis langfristig verbessert werden muss und konnte in den Verhandlungen mit dem Ministerium immerhin 31 zusätzliche Professuren für die WU erreichen. Das Betreuungsverhältnis hat sich damit von 1:84 auf 1:70 verbessert, wobei der österreichische Schnitt bei ca. 1:37 liegt. „Das ist natürlich eine sehr erfreuliche Entwicklung für die WU, aber der Weg ist noch ein weiter“, so die Rektorin und fügt hinzu: „Die größte Herausforderung als Rektorin oder Rektor einer öffentlichen Universität in Österreich ist sicherlich, dass niemals langfristig geplant werden kann. Alle drei Jahre müssen die Budgets mit dem Ministerium neu verhandelt werden und immer wieder herrscht große Unsicherheit, ob ein Sparprogramm kommt, ein Konsolidierungskurs gefahren werden muss oder es zusätzliche Finanzmittel geben wird. Leider fehlt es seitens der Regierung immer wieder an einem klaren Bekenntnis zu Wissenschaft und Forschung und Investitionen in diese Bereiche. Dabei zeigen internationale Beispiele zur Genüge, wie es gehen könnte“.

Digitalisierungsschwerpunkte an der WU

In der vergangenen Amtsperiode wurden auch wichtige Schritte in Richtung Digitalisierung gesetzt: 2019 wurde ein eigenes Vize-Rektorat für Infrastruktur und Digitalisierung eingerichtet, mit dem Projekt „Transforming Tomorrow“ der Weg der WU in eine digitale Arbeits- und Wirkungsstätte gesetzt. 8 wirtschaftswissenschaftliche Professuren mit Digitalisierungsschwerpunkt wurden besetzt, entsprechende Inhalte in den Bachelor-Programmen sowie das Masterstudium „Digital Economy“ geschaffen. Weitere Meilensteine waren die Einrichtung des ersten englischsprachigen Bachelorprogramms „Business and Economics“, das mittlerweile zu den nachgefragtesten Studien in Österreich zählt und zuletzt die große Reform des deutschsprachige Bachelorstudium „Wirtschafts- und Sozialwissenschaften“ mit dem neuen Schwerpunkt Wirtschaft-Umwelt-Politik. Außerdem wurde 2022 die WU Foundation ins Leben gerufen und damit ein Instrument geschaffen, das finanzielle Mittel zur Verfügung stellt, die über die Globalbudgets hinausreichen und die Förderung spezieller Projekte erlaubt.

125 Jahre WU und Auseinandersetzung mit Vergangenheit

Wichtig war es der Rektorin auch, dass sich die WU weiterhin mit den dunklen Flecken ihrer Vergangenheit auseinandersetzt. Nach wertvollen Projekten zur Vertreibung von Hochschulangehörigen während der NS-Zeit und der Provenienzforschung hat sie den Blick auf die Rolle der WU sowie ihrer Vorgängerinstitution während und nach der NS-Zeit erweitert und die Überprüfung von akademischen Ehrungen an historisch belastete Personen angestoßen. Im Rahmen des 125 Jahr-Jubiläums, das die WU 2023 begeht, widmete sich eine Veranstaltung dem Widerruf des Titels des Ehrendoktors an Walther Kastner sowie der Kontextualisierung drei weiterer Ehrendoktorate.

Edeltraud Hanappi-Egger abschließend: „Ich habe in den letzten acht Jahren sehr viele schöne Momente erlebt, wie die Sommerfeste, unterschiedliche Veranstaltungen oder die Suche nach den WU Talents, die mir lange in bester Erinnerung bleiben werden. Es waren auch schwierige Zeiten dabei, vor allem die Jahre während der Pandemie und die Lockdowns, die uns sehr gefordert haben, nicht nur organisatorisch, sondern auch atmosphärisch. Aber die WU, oder besser ihre Angehörigen, haben eine ungeheure Kraft und Energie und leisten Unglaubliches. Das hat mich immer sehr stolz gemacht und beeindruckt“.

Foto: Klaus Vyhnalek


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