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Gleichstellung fördern: Brauchen wir eine Frauenquoten?

Ende März fand in Baden ein Networking Abend für Business Ladies statt. Der Ladies Talk stand im Zeichen von Innovation und Digitalisierung, und NÖ-Bauernbund-Direktorin Klaudia Tanner stand dort Rede und Antwort. Tanner sprach unter anderem darüber, wie neue Technologien in Traditionsbranchen wie Landwirtschaft oder alteingesessene Unternehmen integriert werden können. Auch die österreichische Start-Up-Kultur, insbesondere deren Abwandlung „Farm-up“ in der Landwirtschaft, stand auf der Agenda. Natürlich wurden hierzu auch die Frauenquote und andere Maßnahmen, um die Gleichstellung in Unternehmen zu fördern, zum Thema gemacht. Denn im europaweiten Vergleich schneidet Österreich hier weiterhin schlecht ab.

Fehlende Zielvorgaben und billige Abspeisungen

Durch das Fehlen verpflichtender Zielvorgaben sind nur langsame Fortschritte zu vermerken. Mittlerweile haben Frauen 18% aller Aufsichtsratsmandate inne-7,7% mehr als noch vor zehn Jahren. 2011 machte die Regierung zwar einen Zielwert für staatsnahe Unternehmen fest, für Privatunternehmen gibt es allerdings weiterhin keine Regulierung. Hier gilt der Corporate Governance Codex, und da private Firmen den Großteil der landesweiten Arbeitsgeber ausmachen, fallen diese stärker ins Gewicht. Diese Soft-Law Regelung des „Corporate Governance Codex“ sieht lediglich vor, dass börsennotierte Unternehmen einen Bericht über ihre Maßnahmen zur Frauenförderung vorlegen müssen-eine billige Abspeisung.  

Selbstverpflichtung schön und gut 

Im Jahr 2011 verpflichtete sich der Ministerrat selbst, eine Frauenquote in den Aufsichtsräten der stattlichen Unternehmen einzuhalten. So sollen bis Ende 2018 35% der Aufsichtsräte der Unternehmen weiblich sein, bei denen der Staat Anteile von mindestens 50% hält. Aktuelle Fortschrittsberichte aus dem März 2017 verrieten, dass der bundesweite Frauenanteil hier inzwischen bereits 40,3% beträgt. Mehr als die Hälfte der staatlichen Unternehmen erreicht die angestrebte Quote somit schon jetzt, während 14% noch nicht einmal ein Viertel ihrer Positionen im Aufsichtsrat mit Frauen besetzt haben.

Wenn der österreichischen Wirtschaft auch noch ein langer Weg zur Gleichbehandlung bevorsteht-die ersten, kleinen Schritte werden bereits gemacht. Wichtig wäre es, die Maßnahmen nicht nur auf staatliche Unternehmen zu beziehen, sondern auch die Privatwirtschaft zu integrieren. Denn öffentliche Vorbildwirkung  ist  manchmal leide nicht genug.

Foto: Shutterstock/leungchopan