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Arm und reich

Frauen verdienen weniger

26 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen in gleicher Position verdienen Frauen, die in Einkaufsabteilungen von österreichischen Unternehmen arbeiten. Und nur ein Fünftel der Einkaufs- und Supply-Chain-Chefs sind heute weiblich. Acht von zehn Einkaufsleitern sind nach wie vor männlich. Das ist ein zentrales Ergebnis der Einkäufer-Gehaltsstudie 2013, die im dritten Jahr von der Personal- und Change-Management-Beratung Penning Consulting, der auf Einkauf und Supply-Chain-Management spezialisierten Beratung Kerkhoff Consulting und dem Forum Einkauf des Österreichischen Produktivitäts- und Wirtschaftlichkeits-Zentrums (ÖPWZ) durchgeführt worden ist. Befragt worden sind insgesamt 132 österreichische Unternehmen.

Einkäufer verdienen durchschnittlich 68.700 Euro Bruttojahresgehalt, das bereits die variablen Gehaltsbestandteile mit einschließt. Einkäufer und Supply-Chain-Manager weiblichen Geschlechts liegen im Mittelwert dagegen bei nur 50.600 Euro. Das ist ein Unterschied von mehr als 18.000 Euro Bruttogehalt pro Jahr. Auch in Führungspositionen verdienen Frauen signifikant weniger. So erhalten männliche Einkaufschefs ein Bruttojahresgehalt von 93.100 Euro, während die weiblichen Chefs bei nur 84.300 Euro liegen.

"In ganz Europa wird über Frauenförderung, -quote und Diversity diskutiert", sagt Bibiane Sibera, Leiterin des Forum Einkauf des ÖPWZ. "Unser Untersuchungsergebnis zeigt: Diese Diskussion ist bei österreichischen Einkaufsabteilungen noch nicht angekommen - oder hat zumindest bisher keine ausreichende Wirkung gezeigt."

Obwohl in Österreich fast die Hälfte aller Erwerbstätigen weiblich ist, beträgt diese Quote in Einkaufsabteilungen nur 17 Prozent. Im Vergleich zu den Vorjahren (2012: 19 Prozent; 2011: 26 Prozent) ist die Anzahl der Einkäuferinnen sogar weiter gesunken. Die wenigen Frauen finden sich überwiegend auf der Ebene der Sachbearbeiterinnen wieder. 77 Prozent der im Einkauf beschäftigten Sachbearbeiter sind weiblich.

"In Österreich sind nur 20 Prozent der Absolventen technisch-ingenieurwissenschaftlicher Studiengänge Frauen", sagt Stephan Penning, Geschäftsführender Gesellschafter von Penning Consulting. "Das erklärt aber nicht, warum nur so wenige Führungskräfte in dieser strategisch bedeutenden Abteilung weiblich sind - und vor allem, warum sie dann gleichzeitig auch noch schlechter bezahlt werden." Ein Indiz könnte sein, dass nur sechs Prozent der Befragten angegeben haben, dass ihr Unternehmen Einkäufern Kinderbetreuungsleistungen zur Verfügung stellt. Fehlt die ausreichende Unterstützung des Arbeitgebers, sind Familie und Beruf gerade in dem von Druck geprägten Einkaufsgeschäft nur schwer zu vereinbaren.

Penning sagt: "Frauen verfügen häufig über ausprägte Sozialkompetenzen. Kompetenzen, die heute vor allem im interkulturellen Umfeld und in Verhandlungen benötigt werden - auch auf der Seite des Tisches, auf denen die Einkäufer sitzen. Österreichische Unternehmen verschenken großes Potenzial, wenn sie sich nicht verstärkt um die Rekrutierung, Entwicklung, Bindung und adäquate Bezahlung weiblicher Fach- und Führungskräfte im Einkauf kümmern."