ABW Logo
bogner-strauss-austrian-business-woman-barbara-mucha-media

"Kritik stört mich nicht": Ministerin Juliane Bogner-Strauß im ABW-Interview

Vor etwas mehr als einem Jahr trat Juliane Bogner-Strauß ihr Amt an. Aus der Wissenschaftlerin wurde eine Politikern. Molekularbiologie machte Frauen-, Familien- und Jugendthemen Platz. ABW-Herausgeberin Barbara Mucha traf die Ministerin zum Gespräch.  

Meine Mama ist als Frau ein großes Vorbild“, sagt Juliane Bogner-Strauß. Kurz hält sie inne, denkt nach. „In der Politik eher nicht, da ist es mein Vater.“ Karl Strauß senior war Gemeinderat und Vizebürgermeister, beseelt vom Wunsch etwas zum Wohle der Menschen zu verändern. Nicht immer zur Freude der Mutter. „Sie hat früher manchmal geschimpft, weil er mehr Zeit mit seiner politischen Arbeit verbracht hat, als mit uns.“ Anfangs, als Bogner-Strauß in den Nationalrat einzog, war die Mutter skeptisch und ein bisschen in Sorge. Später, als ihre Tochter Mitglied der Bundesregierung wurde, überwog der Stolz. „Offenbar hat mir mein Vater ja einiges mitgegeben“, sagt die Ministerin und lächelt. Prägend – davon ist sie überzeugt – sei die Familie ja fast immer. Auch einer ihrer Brüder, Gustav, ist politisch aktiv, Gemeinderat und Tourismuschef in Gamlitz.

Juliane Bogner-Strauß greift nach einer Tasse, nimmt einen Schluck Tee. Die Sonne strahlt durch die großen Fensterflächen ihres hellen, modernen Büros eines Gebäudes mit Glasfassade. Hier im zweiten Bezirk, direkt am Donaukanal gelegen, befindet sich seit drei Jahren das „neue“ Amtsgebäude, der berufliche Hafen der Bundesministerin für Frauen, Familien und Jugend. Im Vorjahr hat sie das Steuer übernommen. Die größte familienpolitische Herausforderung der kommenden Jahre? „Wenn Sie jetzt nicht kommende Jahre gesagt hätten, dann wäre meine Antwort klar: Wir brauchen mehr Akzeptanz für die unterschiedlichen Familiensysteme. Da gibt es die traditionellen Systeme und dann jene, wo Mütter ihre Kinder sehr früh in Krippen geben, weil sie berufstätig sind. Ich zähle mich zu dieser Gruppe.“ 

Bundesministerin für Frauen, Familien und Jugend im Bundeskanzleramt

Die verschiedenen Systeme auf einen Nenner zu bringen, sei Herausforderung und Wunschtraum zugleich. Immer wieder gäbe es bei Diskussionen die gleichen Probleme: „Wenn wir sagen, dass die Kinderbetreuung ausgebaut werden soll, kommt oft Kritik von traditioneller Seite.“ Die Mütter sollten im Idealfall jahrelang bei den kleinen Kindern bleiben und sie versorgen. „Ich frage dann immer, warum das nicht auch die Väter machen könnten.“ Setze man sich dagegen nicht für den Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen ein, benachteilige man berufstätige Mütter und vor allem Alleinerzieherinnen. Fortschritt und Tradition zu vereinen –  wie man sieht, gar nicht so einfach. Und dann gäbe es da auch noch das Stadt-Land-Gefälle.

„Die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen“, sagt Bogner-Strauß, „ist mir sehr wichtig. Wer jahrelang zu Hause bleibt oder in Teilzeit arbeitet, wird diese nicht erreichen.“ Deshalb müsse man zum Nachdenken anregen, vor allem außerhalb der Ballungszentren, und alle Beteiligten in ein Boot holen. Der Fokus liege auf Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren – diese müssten ausgebaut werden. Die Drei- bis Sechsjährigen seien bereits jetzt gut versorgt. Und die Öffnungszeiten sollten erweitert werden – „damit geben wir berufstätigen Eltern die Möglichkeit, Vollzeitjobs anzunehmen.“ Arbeitszeitflexibilisierung und Mobile Office sehe sie zwar als Chance, nicht aber als Problemlöser. Für sie selbst kämen Modelle dieser Art nicht in Frage. Die Kinder liefen dann einfach mit. Man könne sich weder gescheit auf die Arbeit, noch gescheit auf die Kinder konzentrieren. „Deshalb glaube ich nicht, dass Kinderbetreuung irgendwann obsolet sein wird. Ich bin davon überzeugt, dass wir sie immer brauchen werden. Egal von wo und wie wir arbeiten.“

Der Familienbonus entlastet Eltern

Eine weitere Entlastung, vor allem für steuerzahlende Eltern, sei die neue Familienbonusregelung, die kommenden Jänner in Kraft tritt. „Ich finde den Familienbonus großartig“, sagt Bogner-Strauß. „Eltern, die arbeiten gehen und die Volkswirtschaft stärken, sich dazu auch noch um die Kindererziehung kümmern, gehören entlastet.“ Das leidige Sammeln von Rechnungen, um diese dann von der Steuer absetzen zu können, habe nun endlich ein Ende. Außerdem gelte die neue Regelung solange die Kinder in Ausbildung seien, die Eltern Familienbeihilfe beziehen. Bisher war mit Erreichen des zehnten Lebensjahres Schluss damit. „Mir soll bitte keiner erzählen, dass meine Tochter mit zehn Jahren günstiger geworden ist, als sie es vorher war“, sagt die Ministerin schmunzelnd, angesprochen auf die Kritiker des Familienbonus. 

Mit Kritik, sagt Bogner-Strauß, habe sie grundsätzlich kein Problem. Sie könne sehr gut damit umgehen, nehme nichts persönlich und werde nicht emotional – das habe sie aus ihrem Vorjob als Wissenschaftlerin gelernt. „Über konstruktive Kritik freue ich mich.“ Es gäbe kaum Lob, das sei so in der Politik. Getreu dem Motto: „Nix gschmipft, is gnua globt.“ Die meiste Kritik sei zudem äußerst konstruktiv, sie lerne daraus. 

Gute Ausbildung wird gewünscht

Seit sie Ministerin ist, habe sie die wesentlichen Wünsche und Sorgen von Eltern noch besser kennengelernt. Diese würden sich in erster Linie eine qualitativ hochwertige Elementarpädagogik und eine sehr gute Ausbildung für ihre Kinder wünschen. Bogner-Strauß kann das gut nachvollziehen. „Obwohl meine Eltern heute ein gediegenes Weingut haben, bin ich in finanziell bescheidenen Verhältnissen auf dem Bauernhof aufgewachsen. Das einzige worauf meine Eltern sehr großen Wert gelegt haben war, dass wir Kinder eine hervorragende Ausbildung bekommen.“ Wichtig sei es auch, die politischen Rahmenbedingungen für Alleinerziehende so zu gestalten, dass diese gut versorgt seien. Denn der betroffene Personenkreis werde immer größer. Auch die Themen Gendermedizin und Pensionssplitting wird sie nicht aus den Augen lassen. Für Expertenrat ist sie disbezüglich stets aufgeschlossen.

Bleibt da noch Zeit für das Privatleben? Juliane Bogner Strauß, die ihre Arbeitsweise als effizient, kooperativ und dennoch entspannt beschreibt schätzt es sehr, als Ministerin kreativ sein zu dürfen. Den Schritt von der Wissenschaft in die Politik hat sie keine Sekunde bereut – auch wenn der „Job“ allgegenwärtig ist: „Mein Handy ist immer und überall dabei. Auf dem Nachtkästchen liegen Telefon und Notizzettel – falls ich in der Nacht eine gute Idee haben sollte. Ich stehe täglich um sechs Uhr, oder früher, auf – egal an welchem Wochentag. Zum Glück brauche ich wenig Schlaf, denn Nachtschichten bin ich aus meiner Forschungstätigkeit gewohnt.“ Familie und Freunde, so Bogner-Strauß, die in Graz lebt, würden sie erden.

In der Politik muss man sehr schnell sein

Einer ihrer wesentlichen Arbeitsschwerpunkte im kommenden Jahr wird die Reform des Familienlastenausgleichsfonds sein. Zu viele Themen würden sich darin finden, die wenig mit Familienleistungen zu tun hätten und Geld verschlingen würden. Und natürlich gehe es ihr auch 2019 darum, die bereits mehrfach zietierte wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen zu fördern, mit allen Determinanten: Dem Schließen der Lohnschere und dem Schaffen von Bewusstsein für das Thema. Frauen müssen ihre Partizipation an der Arbeit ändern, damit sie nicht in die Altersarmut schlittern, ist Bogner-Strauß überzeugt. Als Ministerin will sie ihren Teil dazu beitragen, für Verbesserungen sorgen. Sie weiß: „In der Politik musst du sehr schnell sein. Wenn du anfängst zu überlegen, ob du etwas machst oder nicht, ist schon die nächste Wahl da und es ist zu spät

Foto: Simonis

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok Ablehnen