ABW Logo
michaela-keplinger-mitterlehner-austrian-business-woman-barbara-mucha-media

Mag. Michaela Keplinger-Mitterlehner, Raiffeisen-landesbank OÖ: Am Markt Impulse setzen

Michaela Keplinger-Mitterlehner zählt zu jenen wenigen Damen, die eine beachtliche Karriere im Bankensektor gemacht haben. Austrian Business Woman sprach mit der Finanzexpertin über jene Themen, die die Branche derzeit besonders beschäftigen.

Welche Veranlagungsstrategie empfehlen Sie?

Welche Spar- und Veranlagungsprodukte zum Einsatz kommen, hängt von verschiedenen Faktoren wie dem Sparziel, der persönlichen Risikobereitschaft und der Laufzeit ab. Ein Muss ist die „eiserne Reserve“ am Sparbuch, mit der für unvorhersehbare Ereignisse vorgesorgt wird. Darüber hinaus sollte man auf ertragsorientierte Anlageformen wie Fonds oder Anleihen setzen. Hier ist eine entsprechende Streuung wichtig. Das gilt für die Produkte ebenso wie für die Laufzeiten. Bei einem entsprechend langen Veranlagungshorizont von mehreren Jahren kann man durchaus einen Teil des Vermögens auch in Aktien oder Aktienfonds investieren. Bei Investitionen in Einzelaktien sollte allerdings sehr selektiv vorgegangen werden. Generell sollte man sein Geld aber nur dann in risikoreichere Produkte veranlagen, wenn man zumindest einen teilweisen Verlust auch verschmerzen kann.

Wo sehen Sie künftig die größten Herausforderungen für die RLB OÖ? 

Neben dem weiterhin historisch niedrigen Zinsniveau und den überbordenden Regularien ist und bleibt sicherlich die Digitalisierung die größte Herausforderung. Sie wird das Bankgeschäft weiter rasant verändern. Gleichzeitig werden damit die Anforderungen und Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden zunehmend differenzierter. Der Zahlungsverkehr stellt hier eine besondere Innovations-Speerspitze dar, weil Neuerungen in diesem Bereich für die Kundinnen und Kunden unmittelbar nutz- und erlebbar werden. Wir setzen uns daher hier sehr intensiv mit neuen Entwicklungen auseinander, um mit innovativen Produkten einen echten Mehrwert zu bieten. Erfolgreich wird jene Bank sein, die eine Digitalisierungsstrategie und die damit in Zusammenhang stehende Aufbau- und Ablauforganisation erfolgreich umsetzen kann. Es werden verstärkt Synergien zu nutzen sein. Dazu braucht es Kooperationen – innerhalb eines Bankensektors, aber auch darüber hinaus, beispielsweise mit FinTechs. Darüber hinaus gehen wir auch mit neuen Bankstellenkonzepten neuen Wege.

Mag. Michaela Keplinger-Mitterlehner, Vorstandsdirektorin Raiffeisenlandesbank OÖ

Was halten Sie von Kryptowährungen?

Kryptowährungen sind sehr kritisch zu beurteilen. Sie als „Währung“ zu bezeichnen ist ja an sich schon falsch, weil sie – im Gegensatz zu Währungen von Ländern – keinerlei Regelungen durch Notenbanken etc. unterliegen. Letztendlich handelt es sich dabei um nicht regulierte Tauschmittel, bei denen es keinerlei Garantie zur Annahme und auch keinerlei Rücktauschgarantie gibt. Auch die Kursschwankungen zeigen, dass virtuelle „Währungen“ nicht den Ansprüchen einer Währung entsprechen. Daher taugen sie auch nicht als Zahlungsmittel. Anlegern sollte bewusst sein, dass es sich bei Kryptowährungen um hochspekulative Instrumente handelt. Die dahinter stehende Blockchain-Technologie könnte allerdings in Zukunft durchaus viele Bereiche unseres Lebens nachhaltig verändern, weil sie das Potenzial hat, Prozesse einfacher, schneller und sicherer zu machen. Das sagt aber nichts über die Zukunft der Kryptowährungen aus.

Die Digitalisierung macht immer mehr Arbeitsplätze überflüssig – welche Chancen und Risiken sehen Sie für die RLB OÖ? 

Natürlich hat die Digitalisierung auch auf die Bankenbranche einen großen Einfluss. Beispielsweise werden Transaktionen von unseren Kundinnen und Kunden bereits zu 96 Prozent digital abgewickelt. Die Gefahr, dass in der Raiffeisenlandesbank OÖ von heute auf morgen viele Arbeitsplätze einfach verloren gehen, kann ich aber nicht erkennen. Unser Ziel ist es, bestehende Dienstleistungen zu verbessern, neue zu kreieren, die Effizienz weiter zu steigern sowie die Zukunftsstrategie zu schärfen. Besonders wichtig ist uns dabei, die persönliche Beratung mit den digitalen Services zu kombinieren. Der Schlüssel zum Erfolg wird sein, Trends und Entwicklungen ganz genau im Blick zu haben, weiter Pionierarbeit bei digitalen Innovationen zu leisten und die Kundinnen und Kunden dort eng zu belgeiten, wo sie die persönliche Beratung weiterhin verlangen.

„Meine Bank ist nicht für mich da, wenn ich sie brauche“ – solche und ähnliche Sätze hört man immer öfter von kleinen Unternehmen, wenn es um Finanzierungen, Kredite, etc. geht. Woran kann das liegen? 

Also ich weiß nicht, von wem da die Rede ist. Von unseren Unternehmenskunden sicher nicht. Wir begleiten in der Raiffeisenlandesbank OÖ die Investitionsfinanzierungen unserer Kunden sehr intensiv und eng und haben im Jahr 2017 in diesem Bereich beim Volumen um 11,9 Prozent bzw. 1,4 Milliarden Euro zulegen können.

Was zeichnet eine gute Bank aus?

Vertrauen, Verlässlichkeit und Kundenorientierung sind besonders wichtig. Wir wollen unsere Kundinnen und Kunden gleichermaßen mit Kundennähe und professioneller Beratung als auch mit exzellenten digitalen Angeboten begeistern. Diese enge Verknüpfung der bewährten Kundennähe mit neuen digitalen Angeboten wird geschätzt.

Was wünschen Sie sich von der neuen Regierung?

Ich hoffe, dass endlich wieder der Weg in Richtung Entbürokratisierung und Deregulierung eingeschlagen wird. Eine Kultur des Ermöglichens anstatt des Verhinderns ist für den nachhaltigen Erfolg des Wirtschaftsstandorts Österreich essenziell. Darüber hinaus wünsche ich mir Impulse in den Bereichen Bildung und Digitalisierung.

Ihre beruflichen Ziele für 2018? 

Wir werden in der Raiffeisenlandesbank OÖ weiterhin auf die Entwicklung wichtiger Kennzahlen wie der Kernkapitalquote und der Ertragskraft achten.  Das Ziel ist dabei, unseren Spielraum weiter zu vergrößern und dadurch am Markt entsprechende Impulse setzen zu können. Als starker Partner der Unternehmen spüren wir die gute Konjunkturentwicklung bei der Nachfrage nach Finanzierungen. Diese Investitionsfinanzierungen wollen wir auch im Jahr 2018 steigern. Generell gesehen bleibt das Thema Digitalisierung wichtig. Hier wollen wir unsere Stellung als Innovationsvorreiter weiter festigen.  

Foto: Raiffeisenlandesbank OÖ